Quiet Cracking: 30 Prozent der Arbeitnehmer leiden unter Überleistung
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 01:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Während die Produktivität vielerorts steigt, wächst der psychische Druck auf die Beschäftigten. Aktuelle Studien aus dem Juli 2026 zeichnen ein alarmierendes Bild: Leistungsfähigkeit und menschliche Belastbarkeit driften immer weiter auseinander.
Die stille Krise der Leistungsträger
Rund 30 Prozent der Beschäftigten sind von „Quiet Cracking" betroffen. Bei jüngeren Arbeitnehmern liegt der Wert sogar bei 40 Prozent. Anders als beim „Quiet Quitting", wo Mitarbeiter nur noch Dienst nach Vorschrift leisten, brennen Betroffene hier förmlich für ihren Job – bei gleichzeitig fehlender Wertschätzung.
Natalie Spalding von der ZHAW warnt: „Erschöpfung wird zunehmend normalisiert." Schlafstörungen, Gereiztheit und Konzentrationsprobleme seien ernste Warnsignale. Resilienz dürfe nicht mit purem Funktionieren verwechselt werden. Entscheidend seien die Führungskultur und strukturelle Ursachen im Unternehmen. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz könne das Gefühl der Ersetzbarkeit sogar noch verstärken.
Produktivität um jeden Preis?
Das Strukturwandelbarometer 2026 zeigt die Schattenseiten der Effizienzsteigerung. IFES befragte knapp 1.500 Betriebsratsvorsitzende im Auftrag von AK und ÖGB. Ergebnis: 54 Prozent meldeten steigende Produktivität – doch 73 Prozent sehen Produktivität als das wichtigste Thema in ihren Betrieben.
Die Kehrseite: Krankenstände bleiben hoch, der Druck, trotz Krankheit zu arbeiten, nimmt zu. ÖGB-Geschäftsführer Mernyi stellt klar: „Produktivität auf Kosten der Beschäftigten ist langfristig weder nachhaltig noch sinnvoll." AK-Direktorin Hruška-Frank fordert verstärkte Investitionen in Weiterbildung, um den Wandel gesundheitsverträglich zu gestalten.
Strengere Regeln für Krankschreibungen?
Unternehmen sind bereits heute gesetzlich verpflichtet, psychische Gefährdungen am Arbeitsplatz zu beurteilen (§ 5 Arbeitsschutzgesetz). Die DAK hat das H-I-L-F-E-Konzept entwickelt – eine Art Frühwarnsystem für Führungskräfte. Es soll helfen, Verhaltensänderungen und Rückzugstendenzen zu erkennen, ohne medizinische Diagnosen zu stellen.
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Doch gleichzeitig diskutiert die Politik über eine Verschärfung der Regeln: Die Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag soll kommen, die telefonische Krankschreibung abgeschafft werden. Ärzteverbände und Gewerkschaften kritisieren das als bürokratische Mehrbelastung und Misstrauenskultur. Die Krankengeldausgaben lagen 2025 bei 21,6 Milliarden Euro – Spitzenreiter: psychische Erkrankungen und Muskel-Skelett-Probleme.
Wenn der IT-Ausfall alles lahmlegt
Nicht nur Menschen, auch Unternehmen müssen widerstandsfähiger werden. Das ifo-Institut warnt: Jeder dritte Industriebetrieb sieht seine Wettbewerbsfähigkeit schwinden. 2025 erreichten die Insolvenzen mit 24.064 Fällen den höchsten Stand seit zehn Jahren.
Digitale Resilienz wird zum Wettbewerbsfaktor. Aimtec berichtet von Zeitersparnissen von bis zu 80 Prozent im elektronischen Datenaustausch. Das B2BEST Barometer zeigt: 63 Prozent der B2B-Unternehmen messen digitaler Resilienz hohe Relevanz bei – in fünf Jahren sollen es 83 Prozent sein. Die Kehrseite: 51 Prozent der Firmen geben an, dass ein IT-Ausfall sofort zum Geschäftsstillstand führen würde.
Kleine Schritte, große Wirkung
Wie stärkt man Resilienz im Arbeitsalltag? Der Automobilzulieferer AUMOVIO setzt auf niedrigschwellige Formate. Am Standort Frankfurt mit 4.000 Mitarbeitern erprobte das Unternehmen einen speziellen Schicht-Parcours – 20-minütige Einheiten direkt am Arbeitsplatz.
Um die Gesundheit und Leistungsfähigkeit im Team langfristig zu erhalten, ist eine frühzeitige Erkennung von psychischen Belastungen am Arbeitsplatz unerlässlich. Erhalten Sie hier ein kostenloses Paket mit rechtssicheren Mustern und Checklisten für eine effektive Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz. Gratis-Paket zur Gefährdungsbeurteilung herunterladen
Auch in Arztpraxen gewinnt das Thema an Bedeutung. Empfohlen werden kurze, tägliche Teambesprechungen von etwa zehn Minuten sowie klare Regeln für den Umgang mit Grenzüberschreitungen durch Patienten.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Cybersicherheit. Der Signal Security Summit am 18. November in Köln widmet sich der Psychologie unter Druck. Die Botschaft: Cyber-Resilienz ist in erster Linie eine menschliche Fähigkeit – und braucht eine entsprechende Sicherheitskultur im Team.
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