MECFS, Krankheitsmechanismen

ME/ CFS: 7,5-Millionen-Euro-Projekt entschlüsselt Krankheitsmechanismen

30.06.2026 - 12:32:32 | boerse-global.de

Ein EU-Projekt mit 7,5 Millionen Euro Budget soll Diagnose und Therapie von ME/CFS revolutionieren. Österreich führt zeitgleich einen neuen Versorgungspfad ein.

EU-Forschungsprojekt DISCOVER-ME: Neuer Ansatz für ME/CFS-Diagnostik
MECFS - Abstrakte Darstellung komplexer biologischer Daten mit leuchtenden neuronalen Pfaden, die medizinische Forschung und Entdeckung symbolisieren. 30.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das Budget: über 7,5 Millionen Euro. Die Laufzeit: vier Jahre. Das Ziel: neue Standards in Diagnostik und Therapie.

Das heute gestartete Projekt DISCOVER-ME wird aus dem Programm Horizon Europe finanziert. Es markiert einen Wendepunkt für die lange vernachlässigte Erkrankung. Weltweit sind Schätzungen zufolge bis zu 70 Millionen Menschen betroffen.

Was die Forscher genau vorhaben

Das Konsortium will die biologischen Mechanismen von ME/CFS grundlegend entschlüsseln. Zum Einsatz kommen Multi-Omics-Methoden. Sie kombinieren komplexe Datensätze zu Immunsystem, Stoffwechsel, Hormonhaushalt und mitochondrialer Funktion.

Geplant ist die Analyse von 2.000 Datensätzen. Hinzu kommen Proben von über 700 Patienten und 200 Kontrollpersonen. Ein besonderer Kniff: Die Forscher entwickeln digitale Zwillinge und In-silico-Modelle.

Diese virtuellen Abbilder simulieren Krankheitsverläufe. Sie testen auch die Wirksamkeit potenzieller Medikamente – noch bevor echte Patienten sie bekommen. Der Fokus liegt auf Drug-Repurposing: Bereits zugelassene Wirkstoffe werden auf ihre Eignung für ME/CFS geprüft.

Mehr als 9.000 Substanzen stehen zur Auswahl. In einem mehrstufigen Prozess sollen 20 bis 50 vielversprechende Kandidaten für klinische Prüfungen identifiziert werden. Beteiligt sind renommierte Institutionen wie das Imperial College London, die Uppsala Universitet, die University of Galway und das französische CNRS.

Die sozioökonomische Dimension der Krankheit

Die Dringlichkeit solcher Projekte zeigt sich in den Zahlen. In Europa verursacht ME/CFS jährliche Kosten von rund 40 Milliarden Euro. Mehr als 60 Prozent der Patienten gelten als nicht arbeitsfähig. Rund 20 Prozent sind haus- oder bettgebunden.

Ein großes Problem bleibt die verzögerte Diagnose. Im deutschsprachigen Raum vergehen durchschnittlich fünf Jahre, bis die Erkrankung festgestellt wird. Es gibt keine eindeutigen Biomarker. Die Diagnose erfolgt oft erst nach einem langwierigen Ausschlussverfahren.

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Die Forschung von DISCOVER-ME soll validierte diagnostische Werkzeuge liefern. Das Ziel: die Zeitspanne bis zur Diagnose drastisch verkürzen.

Österreich zieht bei der Patientenversorgung nach

Parallel zur Forschung hat die österreichische Bundes-Zielsteuerungskommission am 26. Juni wichtige Beschlüsse gefasst. Sie verabschiedete einen neuen Versorgungspfad für postakute Infektionssyndrome (PAIS). Dazu zählen neben ME/CFS auch Post Covid.

In Österreich sind schätzungsweise 73.600 Menschen von ME/CFS betroffen. Der neue Versorgungspfad gibt der Sozialversicherung eine tragende Rolle bei Diagnostik und Behandlung. Die Länder können zwischen drei Modellen wählen: spezialisierte Versorgungsstellen, Netzwerkstrukturen oder kombinierte Ansätze.

Das Nationale Referenzzentrum für Postvirale Syndrome an der MedUni Wien erarbeitet eine S2+-Leitlinie. Sie soll einheitliche Qualitätsstandards für das Management dieser Zustände sichern.

Was sich 2026 noch ändert

Ab Juli 2026 wird die spezifische ICD-10-Codierung für ME/CFS verpflichtend. Das verbessert die statistische Erfassung der Patienten. Ab dem 1. September gibt es einen Rechtsanspruch auf eine Vertrauensperson bei medizinischen Begutachtungen.

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Das entlastet besonders Patienten in Verfahren zur Invaliditätspension. Die Maßnahmen zeigen: ME/CFS wandert von einer unterdiagnostizierten Erkrankung in eine strukturierte medizinische und soziale Versorgung.

Während die Forschung langfristig auf Kausaltherapien abzielt, fokussieren die gesundheitspolitischen Weichenstellungen auf eine unmittelbare Verbesserung der Lebenssituation der Betroffenen. Beide Ebenen sind nötig – und beide kommen jetzt endlich in Fahrt.

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