Lichtverschmutzung, Schlaf

Lichtverschmutzung im Schlaf: Schon 3 Lux schädigt das Herz

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 23:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Auswertung bringt nächtliche Helligkeit mit strukturellen Herzveränderungen in Verbindung; verkürzter Schlaf erklärt einen Teil des Effekts.

Nächtliches Licht verändert das Herz: Neue Studie zeigt Zusammenhänge
Ein dunkles Schlafzimmer bei Nacht, in das durch einen Vorhang ein schwacher, bläulicher Lichtschein fällt. Illustration mit AI erstellt.

Schon geringe Mengen an Licht während des Schlafs können offenbar messbare Spuren am Herzen hinterlassen. Zu diesem Schluss kommt eine Auswertung von Daten der UK Biobank, die im European Heart Journal veröffentlicht wurde.

Forscher der Tulane University um Studienleiter Lu Qi werteten Angaben von 11.017 beziehungsweise – je nach Analyse – 11.071 Teilnehmern aus, die eine Woche lang einen Lichtsensor trugen.

Wer in dieser Zeit der höchsten Expositionsgruppe zugeordnet wurde, also mehr als 3 Lux nächtlicher Lichtexposition ausgesetzt war, zeigte drei Jahre später in Herz-MRT-Untersuchungen deutliche strukturelle Veränderungen.

Verdickte Herzwände und geringere Pumpleistung

Laut der Studie wies die Gruppe mit der stärksten Lichtexposition eine verdickte Wand der linken Herzkammer sowie eine verringerte Flexibilität des Muskels auf. Auch die rechte Kammer und der linke Vorhof zeigten Veränderungen.

Konkret ermittelten die Forscher eine um 2,4 Prozent größere linksventrikuläre Masse, eine um 1,5 Prozent größere Wanddicke und eine um 1,9 Prozent geringere Myokard-Kontraktionsfraktion in der am stärksten exponierten Gruppe. Nach Angaben der Auswertung lag die durchschnittliche Dauer der Lichteinwirkung über 3 Lux in dieser Gruppe bei rund 34 Minuten pro Nacht.

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Eine Zusatzanalyse mit über 70.000 Menschen fand zudem einen Zusammenhang zwischen nächtlicher Lichtexposition und dem Auftreten von Schlaganfall, Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern. Wichtig bei der Einordnung: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die keinen direkten Kausalitätsnachweis liefert.

Schlafmangel als möglicher Vermittler

Ein Teil des beobachteten Zusammenhangs lässt sich offenbar durch verkürzten Schlaf erklären. Der Studie zufolge macht kürzerer Schlaf – definiert als weniger als 5 bis 6 Stunden pro Nacht – zwischen 24 und 49 Prozent der Assoziation zwischen Lichtexposition und den beobachteten Herzveränderungen aus. Damit dürfte gestörter oder verkürzter Schlaf ein wesentlicher, aber nicht der einzige Mechanismus sein, über den Lichtverschmutzung auf das Herz-Kreislauf-System wirkt.

Lichtverschmutzung als neuer Risikofaktor

Studienleiter Lu Qi bezeichnete Lichtverschmutzung in diesem Zusammenhang als neuen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Reduktion von nächtlichem Licht solle künftig als Präventionsstrategie in Betracht gezogen werden.

Diese Einschätzung ergänzt frühere Befunde: Eine im Jahr 2025 im Fachjournal JAMA Network Open veröffentlichte Studie mit rund 89.000 Teilnehmern über einen Zeitraum von 9,5 Jahren hatte bereits gezeigt, dass Lichtexposition während der Nacht mit einem um 32 Prozent erhöhten Risiko für koronare Herzkrankheit, einem um 47 Prozent erhöhten Herzinfarktrisiko, einem um 56 Prozent erhöhten Risiko für Herzinsuffizienz, einem um 32 Prozent erhöhten Risiko für Vorhofflimmern und einem um 28 Prozent erhöhten Schlaganfallrisiko einhergeht.

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Thomas Münzel von der Universitätsmedizin Mainz ordnete die neuen Ergebnisse in einem begleitenden Editorial ein und plädierte dafür, Dunkelheit künftig als eigenständigen kardiovaskulären Vitalparameter zu betrachten – vergleichbar mit Blutdruck oder Cholesterinwerten.

Praktische Konsequenzen für den Schlafraum

Aus den Befunden leiten Fachleute eine klare, wenn auch einfache Empfehlung ab: Im Schlafzimmer sollte die Lichtstärke möglichst nicht mehr als 1 Lux betragen. Das entspricht in etwa der Helligkeit, die von einer einzelnen Kerze in mehreren Metern Entfernung ausgeht – deutlich weniger, als viele Standby-Leuchten, Straßenlaternen vor dem Fenster oder Nachtlichter erzeugen.

Angesichts der Beobachtungsdaten dürfte das Abdunkeln von Schlafräumen, etwa durch Verdunkelungsvorhänge oder das Entfernen leuchtender Elektronik, künftig stärker in den Fokus von Präventionsempfehlungen für die Herzgesundheit rücken, insbesondere für ältere Menschen mit ohnehin erhöhtem kardiovaskulärem Risiko.

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