Lesen gegen Stress: Sechs Minuten senken das Stressniveau um bis zu 68 Prozent
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 23:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In einer im September 2026 in der Fachzeitschrift „Psychological Medicine“ veröffentlichten Übersichtsarbeit der Universität Cambridge wird dargelegt, wie das Lesen aus Vergnügen die menschliche Gehirnstruktur nachhaltig beeinflusst.
Die Forschungsarbeit der Autoren Barbara Sahakian, Christelle Langley und Perrin belegt, dass die mit dem Lesen verbundene Neuroplastizität sowohl die kognitiven Fähigkeiten als auch die psychische Gesundheit über die gesamte Lebensspanne verbessert.
Strukturelle Veränderungen durch Neuroplastizität
Untersuchungen mittels bildgebender Verfahren zeigen, dass regelmäßiges Lesen zu einer messbaren Volumenzunahme der grauen Substanz führt. Besonders betroffen sind Hirnareale wie der Gyrus angularis, der für Sprache, Lernen und exekutive Kontrolle zuständig ist, sowie der Hippocampus und der Gyrus fusiformis. In Studien wurde beobachtet, dass bereits ein acht Wochen dauerndes intensives Leseprogramm diese strukturellen Veränderungen hervorrufen kann.
Neben der grauen Substanz profitiert laut den Erkenntnissen der Universität Cambridge auch die weiße Substanz des Gehirns. Forscher stellten eine höhere Faserdichte und eine effizientere Kommunikation zwischen den beiden Gehirnhälften fest. Diese physischen Anpassungen korrespondieren mit verbesserten kognitiven Leistungen. So deuten Langzeitdaten darauf hin, dass regelmäßige Leser ein um 33 % geringeres Risiko aufweisen, an Alzheimer zu erkranken.
Kognitive Entwicklung und Erhalt im Alter
Die positiven Effekte des Lesens beginnen bereits im Kindesalter. Die sogenannte ABCD-Studie, an der über 10.000 Heranwachsende in den USA teilnahmen, zeigt eine klare Korrelation zwischen frühem Lesen und besseren Werten bei der Aufmerksamkeit, dem Arbeitsgedächtnis und der Impulskontrolle.
Statistisch gesehen ist ein Pensum von etwa 12 Stunden Lesen pro Woche am stärksten mit positiven kognitiven Ergebnissen sowie größeren kortikalen Oberflächen in Sprach- und Emotionsregulationszentren verbunden.
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In einer NeuroImage-Studie mit elf dyslektischen Kindern im Alter zwischen sieben und elf Jahren führte ein achtwöchiges Programm zu einer signifikanten Zunahme der grauen Substanz im Hippocampus und verbesserte die Lesefähigkeit.
Auch bei älteren Erwachsenen bleibt der Nutzen bestehen: Eine fünfjährige Untersuchung mit rund 5.500 Personen ab 55 Jahren sowie eine 14-jährige Longitudinalstudie aus Taiwan mit 1.962 Teilnehmern ab 64 Jahren belegen, dass häufiges Lesen mit einem geringeren kognitiven Abbau verbunden ist. Dies gilt unabhängig vom ursprünglichen Bildungsniveau.
Psychische Entlastung und soziale Kompetenz
Über die kognitive Leistungsfähigkeit hinaus wirkt sich Lesen positiv auf das psychische Wohlbefinden aus. Die Queen's Reading Room Neuro-Studie 2024 ergab, dass bereits fünf Minuten das Lesen fiktionaler Texte Stressindikatoren um bis zu 20 % senken können. Sechs Minuten konzentrierten Lesens reduzierten das Stressniveau sogar um bis zu 68 %.
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Umfragen unterstreichen diesen effekt: 38 % der Erwachsenen nutzen Lesen als ihre bevorzugte Methode zur Entspannung. Etwa 35 % greifen zur Trostsuche zum Buch, womit das Lesen vor dem Konsum von Wein (31 %) oder einem Bad (10 %) rangiert. Zudem fördert regelmäßige Lektüre die Empathie.
Eine Erhebung unter 4.164 Erwachsenen ergab, dass 64 % derjenigen, die mindestens 30 Minuten pro Woche lesen, die Gefühle anderer besser verstehen können. 74 % der Befragten gaben an, dass sich Lesen positiv auf ihre psychische Gesundheit auswirke.
Globale Bildungstrends und Herausforderungen
Trotz der belegten Vorteile deuten Daten der PISA-Studie 2025 auf einen globalen Rückgang der Leseleistung bei 15-Jährigen hin. Dieser Trend wird mit weniger Freizeitlesen und zunehmender digitaler Ablenkung in Verbindung gebracht.
In Katalonien sank die Lesekompetenz in dieser Altersgruppe zwischen 2015 und 2022 von 500 auf 462 Punkte. Laut dem UK National Literacy Trust lesen zudem nur noch 36 % der 8- bis 18-Jährigen in ihrer Freizeit gern, verglichen mit fast 59 % im Jahr 2016.
Studienautorin Barbara Sahakian bezeichnete Lesen als einen zugänglichen und kostengünstigen Schutzfaktor, betonte jedoch, dass es keinen Ersatz für Psychotherapie oder Medikation darstelle. Für den Einstieg empfahl Christelle Langley auch Formate wie Comics oder Graphic Novels, da das Genre zweitrangig sei; entscheidend für den neurologischen Nutzen bleibe die Regelmäßigkeit der Aktivität.
