Kurkuma bei Bluthochdruck: Studien zeigen nur 2,69 mmHg weniger
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 12:48 Uhr | Redaktion boerse-global.dePflanzliche Nahrungsergänzungsmittel erfreuen sich wachsender Beliebtheit, doch Fachleute warnen vor den Risiken einer unkritischen Selbstmedikation. Andreas Michalsen vom Immanuel Krankenhaus Berlin weist darauf hin, dass hochkonzentrierte natürliche Wirkstoffe wie Kurkuma bei Bluthochdruck erhebliche Nebenwirkungen hervorrufen können.
Randomisiert kontrollierte Studien zeigen nach seinen Angaben keinen nennenswerten oder entscheidenden Effekt von Curcumin auf die Blutdruckwerte. Als alleinige Maßnahme sei der Pflanzenstoff selten ausreichend und komme allenfalls als Ergänzung zu einer regulären medikamentösen Therapie infrage.
Geringe Blutdruckwirkung und unzureichende Evidenz
Wissenschaftliche Analysen bestätigen das begrenzte Potenzial des Wirkstoffs bei Hypertonie. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2025 ergab, dass Kurkumin- und Kurkuma-Supplemente den systolischen Blutdruck im Durchschnitt lediglich um etwa 2,69 mmHg senken, wobei dieser Effekt bei Patienten mit bereits vorbestehendem Bluthochdruck etwas deutlicher ausfiel.
Eine vorangegangene Meta-Analyse aus dem Jahr 2023 verzeichnete eine Veränderung des systolischen Blutdrucks um rund 2,02 mmHg. Frühere Untersuchungen aus dem Jahr 2015 zeigten zwar ab der ersten Woche Tendenzen einer Senkung, eine statistische Signifikanz stellte sich jedoch erst nach drei bis vier Wochen ein. Für eine Ersetzung von Bluthochdruckmedikamenten reichen diese Effekte nicht aus, zumal keine standardisierte Dosierung existiert.
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Auch über das Herz-Kreislauf-System hinaus fehlen belastbare Belege für viele behauptete Heilsversprechen. Der spanische Kardiologe Aurelio Rojas betont, dass keine ausreichende Evidenz dafür vorliege, dass Kurkuma Krebs oder Alzheimer vorbeuge oder allgemein entzündungshemmend wirke.
Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt das US-amerikanische National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH): Für den Einsatz gegen Krebs fehle die wissenschaftliche Basis, ebenso wie für konsistente klinische Vorteile bei Alzheimer. Lediglich bei Knie-Arthrose gebe es Hinweise auf mögliche positive Effekte, wenngleich die Evidenzqualität begrenzt bleibe.
Belastung für Leber und Nieren
Ein zentrales Problem liegt in der Aufnahme des Stoffs: Curcumin wird oral nur schlecht verstoffwechselt. Um die Absorption zu steigern, setzen Hersteller häufig Piperin oder fette zu. Diese hochbioverfügbaren Formulierungen stehen jedoch im Verdacht, Organe zu belasten.
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) vermutet bei Präparaten mit Piperin-Zusatz eine potenziell leberschädigende Wirkung und sieht weiteren Forschungsbedarf. Andreas Michalsen rät Personen, die solche Präparate verwenden, zu einer Kontrolle der Leberwerte etwa drei Monate nach Einnahmebeginn.
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Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die akzeptable tägliche Aufnahmemenge für Curcumin auf maximal 3 mg pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt, was etwa 7 Gramm pro Tag entspricht; dieser Richtwert gilt jedoch explizit nicht für Kombinationspräparate.
Aus Daten des US-amerikanischen Netzwerks DILIN für den Zeitraum von 2004 bis 2022 geht hervor, dass zehn von 2392 erfassten Verdachtsfällen arzneimittelinduzierter Leberschäden mit Kurkuma-Supplementen assoziiert waren, bei einer mittleren Latenzzeit von etwa 86 Tagen. Typische Symptome reichen von Bauchschmerzen und Übelkeit bis hin zu Gelbsucht und dunklem Urin.
Warnungen vor unkontrollierten Kuren kommen auch von der Türkischen Nierenstiftung: Vertreter der Stiftung betonen, dass pflanzliche Präparate nicht per se sicher seien.
Hohe Dosen von Kurkumin könnten das Risiko für Oxalatsteine erhöhen, da rund 91 Prozent des Oxalats in Kurkuma-Wurzelpulver löslich sind. Besonders gefährdet durch unregulierte Pflanzenextrakte seien Patienten mit chronischen Nierenleiden, Diabetes oder Bluthochdruck sowie Transplantierte.
Risikofaktor Arzneimittelinteraktionen
Neben Organbelastungen bergen hochdosierte Präparate beträchtliche Risiken durch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Kurkuma kann den Blutzucker senken und daher in Kombination mit Diabetes-Medikamenten wie Metformin oder Insulin zu Unterzuckerungen führen.
Zudem verstärkt beigemengtes Piperin die Absorption diverser Wirkstoffe, darunter Blutdrucksenker wie Amlodipin, Antibiotika wie Ciprofloxacin, Statine sowie Schmerzmittel wie Ibuprofen und Diclofenac.
Wegen thrombozytenhemmender Eigenschaften droht bei gleichzeitiger Einnahme von Gerinnungshemmern wie Warfarin, Acenocumarol oder Aspirin eine erhöhte Blutungsgefahr. Vor geplanten Operationen sollten solche Supplemente daher mindestens zwei Wochen vorher abgesetzt werden.
Fachleute heben hervor, dass der gewöhnliche Einsatz von Kurkuma als Küchengewürz im Allgemeinen sicher ist. Dagegen sind hochkonzentrierte Curcumin-Präparate für Schwangere, Stillende sowie Gallenstein-Patienten ungeeignet und sollten bei bestehender Dauermedikation nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden.
