Krafttraining: Zwei Stunden pro Woche senken Herzinfarktrisiko um 44%
17.06.2026 - 21:13:11 | boerse-global.de
Aktuelle Studien zeigen: Gezieltes Krafttraining beeinflusst Alterungsprozesse, schützt das Herz und kann sogar das Gehirn fit halten.
Herzschutz mit der Hantel
Die Zahlen sind beeindruckend. Eine am heutigen Mittwoch im „JACC“ veröffentlichte Studie mit über 117.000 Frauen belegt: Bereits zwei Stunden Krafttraining pro Woche senken das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 20 Prozent. Beim Herzinfarkt sind es sogar 44 Prozent weniger Risiko.
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Noch besser: Wer Krafttraining mit 150 Minuten Ausdauersport kombiniert, reduziert sein Herzinfarktrisiko um 45 Prozent. Die Forscher der Harvard T.H. Chan School sprechen von einem klaren Synergieeffekt.
Eine weitere Analyse mit über 147.000 Erwachsenen über 30 Jahre hinweg zeigt: Moderates Krafttraining senkt die Gesamtmortalität – unabhängig von Ernährung oder Rauchgewohnheiten. Schon 30 bis 60 Minuten pro Woche reichen aus, um die Sterblichkeit um 10 bis 17 Prozent zu verringern.
Fett weg, Muskeln bleiben
Besonders spannend: der Kampf gegen das viszerale Fett. Eine gestern in „Circulation“ veröffentlichte Studie der Universität Leipzig und der Ben-Gurion-Universität zeigt: Jede Reduktion des Bauchfetts um zehn Prozent senkt das Diabetes-Risiko um 28 Prozent. Und das über zehn Jahre stabil – selbst bei späterer Gewichtszunahme.
Doch es geht nicht nur um Fettabbau. Der Muskelerhalt wird zum entscheidenden Faktor. Eine Studie in „Nature Medicine“ untersuchte die Kombination des Abnehmmedikaments Tirzepatid mit dem Antikörper Apitegromab. Ergebnis: Der Muskelverlust ließ sich auf 14,6 Prozent begrenzen – in der Vergleichsgruppe waren es 30,2 Prozent.
Der Hintergrund: Ab dem 35. Lebensjahr baut der Körper natürlicherweise etwa ein Prozent Muskelmasse pro Jahr ab. Wer Medikamente zur Gewichtsreduktion nimmt, beschleunigt diesen Prozess. Ohne begleitendes Krafttraining und proteinreiche Ernährung droht der gefährliche „Sarkopenie-Effekt“.
Fit im Kopf, stabil auf den Beinen
Kann Krafttraining Alzheimer verhindern? Direkt nicht, aber die Zusammenhänge werden klarer. Eine Studie im „Journal of the American Heart Association“ mit 800.000 Erwachsenen zeigt: Besonders niedriger Blutdruck unter 100/60 mmHg korreliert stark mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko.
Forscher der Universität Málaga wiesen zudem auf alternde Stützzellen im Gehirn hin – sogenannte Astrozyten – die den kognitiven Verfall vorantreiben können. Bewegung verbessert die Durchblutung und könnte diesen Prozess verlangsamen.
Praktisch relevanter: die Sturzprävention. Ein Drittel der Menschen über 60 stürzt mindestens einmal. Zehn bis 15 Prozent dieser Stürze enden mit Knochenbrüchen. Neben dem Muskelabbau gilt ein bewegungsbedingter Dopaminmangel als Risikofaktor – er beeinträchtigt das Gleichgewicht.
Die Lösung: tägliche Bewegung kombiniert mit Balance- und Krafttraining. In Österreich ist die Trainingstherapie seit Januar 2025 auch ohne vorherigen Reha-Aufenthalt auf ärztliche Anordnung nutzbar.
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Kollagen: Flüssig statt fest
Auch die Grundlagenforschung liefert neue Erkenntnisse. Eine Studie im „Journal of Cell Biology“ widerlegt die Annahme, dass Kollagen in Zellen bereits als starre Faser vorliegt. Forscher aus Barcelona entdeckten: Prokollagen I bildet in den Zellen flüssige Tröpfchen.
Erst diese Tröpfchenstruktur ermöglicht den Transport durch die zellulären Kanäle. Außerhalb der Zelle erstarrt das Material dann zu festen Fasern. Die Erkenntnis könnte künftig für die Behandlung von Fibrosen, die Wundheilung und die Krebstherapie relevant werden.
