Krafttraining schlägt Dehnen: 2,3-mal höhere Schmerzverbesserung
Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 12:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine neue Cochrane-Analyse stellt die Wirksamkeit allgemeiner Trainingsprogramme bei Hüftarthrose infrage. Spezifisches Krafttraining und neue medikamentöse Ansätze rücken in den Fokus.
Bewegung ja – aber welche?
Weltweit leiden über 595 Millionen Menschen an Osteoarthritis. Bewegungstherapie gilt seit Jahren als Standard. Doch eine am 22. Juli veröffentlichte Cochrane-Übersicht dämpft die Erwartungen.
Die Forscher werteten 18 klinische Studien mit rund 1.400 Teilnehmern zwischen 53 und 74 Jahren aus. Das Ergebnis: Sportliche Betätigung reduzierte die Schmerzen nur um etwa sieben Punkte auf einer 100-Punkte-Skala. Das liegt deutlich unter der Schwelle von zwölf Punkten, ab der Patienten eine spürbare Verbesserung bemerken.
Die Autoren warnen: Die moderaten Ergebnisse sind womöglich noch überschätzt, weil sie auf Selbstauskünften der Patienten beruhen. Sie fordern größere und methodisch bessere Studien.
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Krafttraining schlägt Dehnen
Die PhysioFIRST-Studie der La Trobe University zeigt: Gezieltes Krafttraining wirkt.
154 Teilnehmer mit femoroacetabulärem Impingement-Syndrom (FAI) – einer häufigen Ursache für Hüftschmerzen – trainierten sechs Monate lang. Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit einer Schmerzverbesserung war 2,3-mal höher als bei reinen Dehnübungen. Auch die Hüftmuskelkraft stieg signifikant.
Ergänzend gewinnen Techniken wie „Controlled Articular Rotations“ (CARs) an Bedeutung. Diese kontrollierten Gelenkrotationen verbessern Beweglichkeit und neurologische Kontrolle. Experten empfehlen kurze Einheiten von wenigen Sekunden pro Richtung.
Systemversagen in der Versorgung
Die Kluft zwischen Leitlinie und Praxis ist erschreckend. Weniger als die Hälfte der Betroffenen wird an Physiotherapie oder spezielle Bewegungsprogramme überwiesen. Über 60 Prozent erhalten Behandlungen, die nicht den Richtlinien entsprechen. Rund 40 Prozent operieren sich, bevor nicht-invasive Optionen ausgeschöpft sind.
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Neue Hoffnung aus der Pharmaforschung
Eine 2026 in den Annals of Internal Medicine veröffentlichte Studie mit über 5.500 Erwachsenen zeigt einen potenziellen Fortschritt: Eine niedrige Dosis Colchicin reduzierte über 29 Monate die Rate an Knie- und Hüftprothesen. In der Placebogruppe benötigten 3,5 Prozent ein neues Gelenk, in der Colchicingruppe nur 2,5 Prozent.
Forscher der University of Sydney wiederum entdeckten: Melatonin könnte bei chronischen Schmerzen ähnlich wirken wie klassische Entzündungshemmer.
Bewegung wirkt – nur anders
Die Forschung zur Bewegungstherapie erstreckt sich auch auf angrenzende Bereiche. Eine Studie der City University of Hong Kong mit über 66.000 Teilnehmern aus der UK-Biobank zeigte: Kontinuierliche Aktivitätsphasen von idealerweise 13 Minuten moderater Intensität senken das Demenzrisiko signifikant.
Auch in der Onkologie wird getestet: Die Medizinische Universität Graz untersucht aktuell den Effekt einer zwölfwöchigen Fahrradergometer-Therapie auf das Immunsystem von Lungenkrebs-Patienten. Der Stand der Forschung im Juli 2026 deutet darauf hin, dass gezieltes Ausdauertraining die Heilungschancen verbessern kann.
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