Krafttraining im Alter: Vier Minuten täglich verbessern Fitness und Gleichgewicht
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 17:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deMediale Beiträge und Berichte widmen sich verstärkt der sportlichen Leistungsfähigkeit und der aktiven Lebensgestaltung im Seniorenalter. Immer mehr ältere Menschen erzielen beachtliche Erfolge in anspruchsvollen Disziplinen wie dem Kraftdreikampf. Wissenschaftliche Untersuchungen und Fachleute betonen dabei die wachsende Bedeutung von Muskelaufbau für die Gesundheit in der zweiten Lebenshälfte.
Spitzenleistungen im fortgeschrittenen Alter
Dass Kraftsport auch im hohen Alter auf hohem Niveau möglich ist, belegen herausragende Beispiele. In Düsseldorf trainiert die 73-jährige Astrid Fehr sechsmal pro Woche Powerlifting. Die Sportlerin, die erst mit 70 Jahren begann, hält einen Europarekord und zählt zu den zehn besten Athletinnen ihrer Alters- und Gewichtsklasse.
Beim Kreuzheben bewältigt sie über 95 Kilogramm, beim Bankdrücken fast 50 Kilogramm. Für 2026 strebt sie beim Kreuzheben eine Last von 100 Kilogramm an, wie der Westdeutsche Rundfunk am 1. Oktober 2026 berichtete.
Ähnliche Erfolge weist die 65-jährige Martine Barons aus dem englischen Stratford-upon-Avon auf. Wie ein Bericht vom 1. Oktober 2026 darlegt, sicherte sie sich bei den Weltmeisterschaften der World Powerlifting Congress Affiliate AWPC in der Kategorie von 65 bis 85 Jahren ihren dritten Weltmeistertitel.
Nach einem Seminar zur körperlichen Aktivität in der Menopause begann sie vor zweieinhalb Jahren mit dem Training. Gegenüber der BBC erklärte sie, ihr Körper fühle sich mindestens zwanzig Jahre jünger an.
Auch im Ausdauersport verschieben sich die Grenzen. Die 79-jährige Britin Linda Ashmore geht als älteste Teilnehmerin der Weltmeisterschaft 2026 in Kailua-Kona an den Start, nachdem sie bereits früher als älteste Frau den Ärmelkanal durchquert hatte.
In Hamburg beherrscht der 68-jährige Thomas Diercks bei nahezu täglichem Training an der Sprossenwand die anspruchsvolle Haltefigur der menschlichen Flagge, mit dem Ziel, möglichst lange gesund zu bleiben.
Epidemiologische Befunde und gesundheitlicher Nutzen
Trotz dieser Einzelfälle ist Krafttraining in der älteren Bevölkerung noch nicht breit verankert. Eine Erhebung des Robert-Koch-Instituts aus den Jahren 2019 und 2020 zeigt, dass lediglich 38 Prozent der 65- bis 74-Jährigen die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation von mindestens zwei wöchentlichen Krafteinheiten erfüllen.
Bei den über 85-Jährigen sinkt der Anteil auf 27 Prozent. Gleichzeitig verzeichnete das Statistische Bundesamt für das Jahr 2023 knapp 5,7 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland, von denen 78 Prozent 65 Jahre oder älter waren.
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Stephan Geisler von der IST-Hochschule Düsseldorf weist darauf hin, dass bei sitzendem Lebensstil bereits ab dem 30. Lebensjahr ein Muskelverlust von rund 3 bis 8 Prozent pro Dekade einsetze, der sich ab 60 rapide beschleunige.
Gezieltes Muskeltraining helfe bei etwa 35 chronischen Krankheiten, darunter Osteoporose und Typ-2-Diabetes. Geisler warnt vor gravierenden Belastungen für das Pflegesystem durch die Generation der Babyboomer und sieht Deutschland im internationalen Fitnessvergleich zurückliegen.
Auch Diplom-Sportlehrerin Yvonne Bechheim betont, dass ab etwa 45 Jahren durch hormonelle Umstellungen Muskelabbau und verringerte Knochendichte drohen. Sie empfiehlt zwei bis drei intensive Krafteinheiten pro Woche; Frauen ab 45 Jahren bildeten hierzulande bereits die am stärksten wachsende Zielgruppe auf dem Fitnessmarkt.
Methoden für Prävention und Training
Für den Trainingserfolg sind nicht zwingend extrem schwere Gewichte erforderlich. Eine von der Krankenkasse AOK aufgegriffene Meta-Analyse mit 448 älteren Erwachsenen verdeutlicht, dass auch niedrige bis moderate Lasten bereits zu klaren Kraftzuwächsen führen.
Bei bewegungseingeschränkten Personen ab 65 Jahren zeigten sich Verbesserungen der Fitness und des Gleichgewichts schon ab vier Minuten täglichem Training.
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Der Fitnessexperte Piti Pinsach mahnt jedoch zur Vorsicht: Ältere Sportler sollten ab 50 Jahren maximale Gewichte ohne Vorbereitung, Sprungübungen mit harten Stößen, Bauchmuskeltraining mit fehlerhafter Technik, Gewichte hinter dem Nacken sowie das Weitertrainieren trotz Schmerzen meiden.
Eine Studie der Texas A&M University an 64 Erwachsenen zwischen 45 und 65 Jahren zeigte zudem, dass die tägliche Einnahme von zehn Gramm Kreatin-Monohydrat über zwölf Wochen die fettfreie Körpermasse und die Leistung an Kraftgeräten spürbar steigern konnte.
Zur Sturzprävention etablieren sich zudem wohnortnahe Kurse. Das im Landkreis Leipzig über vier Jahre an vier Standorten erprobte Präventionsprojekt „ÄLEN Aktiv“ erzielte bei 240 Teilnehmenden ab 60 Jahren eine Weiterempfehlungsquote von 93,3 Prozent, wobei 89,2 Prozent über einen verbesserten Gesundheitszustand berichteten.
Ergänzende Angebote wie organisierte Seniorengymnastik in Sportvereinen oder Veranstaltungen wie die achte Seniorenolympiade in Berlin-Adlershof mit 150 Teilnehmenden unterstreichen den Trend zu strukturierter Bewegung im Alter.
