Krafttraining, Senioren

Krafttraining für Senioren: 45 Minuten zweimal pro Woche verbessern die Kognition

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 04:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Widerstandstraining verbesserte in Studien Gedächtnisleistungen; kurze tägliche Übungen stärkten zudem Kraft und Balance älterer Menschen.
Leeres, minimalistisches Fitnessstudio mit ordentlich gestapelten Hantelscheiben auf einem Holzboden in natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Gezieltes Krafttraining gewinnt in der Prävention des geistigen Abbaus zunehmend an wissenschaftlicher Bedeutung. Eine Netzwerk-Metaanalyse im Fachjournal Frontiers in Aging Neuroscience, die 58 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 4349 Senioren auswertete, belegt, dass körperliches Widerstandstraining die wirksamste Methode darstellt, um die allgemeine Kognition zu verbessern. Als optimales Schema ermittelten die Forscher zwei Einheiten pro Woche mit einer Dauer von jeweils 45 Minuten über einen Zeitraum von zwölf Wochen.

Spezifische Wirkungen auf Gedächtnis und Hirnstruktur

Ergänzende Befunde verdeutlichen die Bandbreite dieser Effekte auf neuronale Prozesse. Eine Erhebung in Frontiers in Psychiatry zeigte, dass Widerstandstraining bei älteren Menschen neben der allgemeinen Kognition insbesondere das Arbeitsgedächtnis, die verbale Lern- und Merkfähigkeit sowie die räumliche Gedächtnisspanne steigert.

Keine signifikanten Verbesserungen traten hingegen bei der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit, den Exekutivfunktionen und der Aufmerksamkeit auf.

An der Universidade Estadual de Campinas untersuchten Forscher 44 Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung. Ein sechsmonatiges Widerstandstraining, das zweimal wöchentlich absolviert wurde, verbesserte bei den Probanden das Gedächtnis und verhinderte das Fortschreiten einer Hirnatrophie.

Neben neurologischen Vorteilen verzeichnet die American Heart Association auch kardiologische Effekte: Widerstandstraining senke das kardiovaskuläre Risiko um 17 Prozent und das allgemeine Sterberisiko um 15 Prozent.

Untersuchungen der Universität Granada ergaben zudem, dass eine höhere Muskelkraft im Alter mit mehr grauer Substanz sowie besseren Resultaten beim Arbeitsgedächtnis und der kognitiven Flexibilität einhergeht. Als besonders günstig wird dort die Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining eingestuft.

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Dr. Maribel Tejeda von der Clínica Neleva verwies darauf, dass bei Muskelkontraktionen freigesetzte Myokine wie Irisin neuroprotektiv wirken und über das Protein BDNF die neuronale Plastizität fördern können. Sarkopenie, der altersbedingte Muskelschwund, sei dagegen mit einem erhöhten Risiko für kognitiven Verfall und Demenz verknüpft.

Trainingsparameter und geringe Einstiegshürden

Aus der Metaanalyse in Frontiers in Aging Neuroscience lassen sich konkrete Dosierungen ableiten. Empfohlen werden zwei bis vier Trainingseinheiten pro Woche mit mindestens 48 Stunden Pause dazwischen. Jede Übung sollte drei Sätze umfassen, wobei Einsteiger mit 65 bis 75 Prozent des Einer-Wiederholungsmaximums trainieren sollten, während bei Senioren eine Obergrenze von 85 Prozent gilt.

Fachleute betonen zudem die Rolle des Beintrainings mit Übungen wie Kniebeugen oder Ausfallschritten, da große Muskelgruppen eine gesteigerte Durchblutung verlangen, die Neurogenese anregen können und Beinkraft als Prädiktor für die kognitive Alterung über zehn Jahre gilt.

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Auch kurze Einheiten zeigen messbare Wirkung. Wie Julian Brummer vom Deutschen Krebsforschungszentrum darlegt, genügen bereits 40 bis 60 Minuten pro Woche, aufgeteilt auf zwei Tage, um die WHO-Vorgaben für muskelkräftigende Aktivitäten abzudecken. Selbst geringe Umfänge und kurze Trainingssequenzen im Alltag führten zu Muskel- und Kraftzuwächsen.

Dass bereits minimale Routinen funktionelle Fortschritte bringen, demonstrierte das Team um Christopher Sciamanna vom Penn State College of Medicine in der FAST-2-Studie, die im Fachblatt PLOS One erschien. Untersucht wurden 97 beweglich eingeschränkte Erwachsene mit einem Durchschnittsalter von 74 Jahren, die zuvor im Schnitt lediglich 18 Minuten Bewegung pro Woche erreichten.

Ein tägliches vierminütiges Programm aus Liegestützen, Aufstehen vom Stuhl, Rudern mit elastischem Band und Stufensteigen steigerte nach zwölf Wochen die Kraft und Balance deutlich. Die Teilnehmer absolvierten im 30-Sekunden-Aufstehtest im Schnitt 4,2 Wiederholungen mehr und hielten den Einbeinstand 3,6 Sekunden länger als die Kontrollgruppe.

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