Krafttraining: ACSM kippt drei etablierte Trainingsmythen
Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 09:49 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die wissenschaftlichen Grundlagen für effektives Krafttraining haben im Frühjahr 2026 eine umfassende Neubewertung erfahren. Das American College of Sports Medicine (ACSM) veröffentlichte im März 2026 aktualisierte Leitlinien, die auf einer umfassenden Datenbasis von 137 Übersichtsarbeiten und mehr als 30.000 Studienteilnehmern basieren. Diese Publikation markiert die erste grundlegende Aktualisierung des Regelwerks seit 17 Jahren und korrigiert mehrere etablierte Annahmen der Fitnessbranche.
Abkehr von Komplexität und Dogmen
Die zentrale Erkenntnis der neuen Leitlinien lässt sich auf den Grundsatz reduzieren, dass Beständigkeit im Training eine höhere Bedeutung zukommt als der Komplexität der Übungsauswahl oder der verwendeten Ausrüstung. Damit rücken die Experten von der Vorstellung ab, dass für messbare Erfolge hochspezialisierte Trainingspläne oder technisches Equipment zwingend erforderlich seien.
Ein wesentlicher Teil der Veröffentlichung widmet sich der Widerlegung gängiger Mythen, die das Training im Breiten- und Leistungssport über Jahre geprägt haben. So zeigen die Daten, dass ein Training bis zum vollständigen Muskelversagen für den Kraft- und Muskelaufbau nicht notwendig ist. Es reiche demnach aus, Sätze etwa zwei bis drei Wiederholungen vor dem Punkt abzuschließen, an dem keine weitere saubere Ausführung mehr möglich wäre.
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Zudem revidiert das ACSM die Ansicht, dass Anfänger und Fortgeschrittene grundsätzlich unterschiedliche methodische Ansätze benötigen. Die physiologischen Anforderungen an den Körper seien in beiden Gruppen vergleichbar, was die Gestaltung von Trainingsprogrammen in der Praxis erheblich vereinfachen dürfte. Auch die Wahl der Ausrüstung wurde als sekundär eingestuft; entscheidend für den langfristigen Erfolg sei primär die Regelmäßigkeit der Belastung.
Differenzierte Zielvorgaben für Maximalkraft und Hypertrophie
Trotz der betonten Einfachheit in der Grundstruktur geben die Leitlinien vom März 2026 präzise Parameter für spezifische Trainingsziele vor. Für die Steigerung der Maximalkraft wird eine Belastungsintensität von mindestens 80 % des Einwiederholungsmaximums (1RM) empfohlen. Um optimale Ergebnisse zu erzielen, sollten Athleten pro Übung zwei bis drei Sätze absolvieren und diese Frequenz mindestens zweimal pro Woche beibehalten.
Im Bereich des Muskelaufbaus (Hypertrophie) verschieben sich die Prioritäten hin zum Gesamtvolumen. Hier empfehlen die Experten mindestens zehn Sätze pro Muskelgruppe und Woche. Das Spektrum der zulässigen Intensität ist dabei deutlich breiter gefasst und reicht von 30 % bis 100 % des 1RM. Wesentlich für den Hypertrophie-Erfolg seien eine progressive Überlastung sowie die Ausführung der Sätze bis kurz vor das Erreichen des Muskelversagens.
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Spezifische Anforderungen an Bewegungsgeschwindigkeit und Phasen
Die Leitlinien konkretisieren zudem die zeitlichen Abläufe innerhalb einer Wiederholung. Für die exzentrische Phase – also das kontrollierte Ablassen des Gewichts – wird eine Dauer von drei Sekunden nahegelegt, wobei ein Wiederholungsbereich von sechs bis acht Einheiten als ideal gilt.
Ergänzend dazu werden Empfehlungen für das Training der Explosivkraft ausgesprochen. In diesem Segment liegt der Fokus auf maximaler Bewegungsgeschwindigkeit bei einer moderaten Last von 30 % bis 70 % des 1RM. Um die neuronale Ansteuerung und Schnellkraft zu optimieren, sollte hier die Anzahl der Sätze pro Trainingseinheit bewusst gering gehalten werden.
Die neuen Leitlinien unterstreichen insgesamt einen trend zur wissenschaftlichen Evidenz im Kraftsport, der den Fokus weg von anekdotischer Evidenz hin zu belastbaren, statistisch abgesicherten Trainingsparametern lenkt. Für Trainer und Sportler bedeuten diese Erkenntnisse eine stärkere Gewichtung von Kontinuität und progressiver Belastungssteigerung gegenüber komplizierten Systemwechseln.
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