Krafttraining, Minuten

Krafttraining: 90 Minuten pro Woche senken Sterberisiko um 27%

12.06.2026 - 13:27:30 | boerse-global.de

Immer mehr Sportler erleiden Nierenschäden durch extremes Training. Experten warnen vor Anabolika und Essstörungen in Fitnessstudios.

Krafttraining: Risiken durch Übertraining und Anabolika-Missbrauch
Krafttraining - Ein erschöpfter, schwitzender Arm eines Gewichthebers, der eine Langhantel greift, mit angespannten Muskeln. Fokus auf Anstrengung und Belastung. 12.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während Wissenschaftler die optimalen Trainingsdosen ermitteln, landen immer mehr Sportler mit schweren gesundheitlichen Schäden im Krankenhaus.

Akutes Nierenversagen nach exzessivem Training

Ein Fall aus China macht die Gefahren von Übertraining deutlich. Ein 23-jähriger Student aus der Provinz Henan erlitt nach einem extremen Beintraining ein akutes Nierenversagen. Die Diagnose: Rhabdomyolyse – Muskelfasern zerfallen, ihre Inhaltsstoffe gelangen ins Blut und schädigen die Nieren.

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Sein Kreatinkinase-Wert lag bei über 20.000 U/l – mehr als das Hundertfache des Normalwerts. Eine Notfalldialyse war nötig. Die Ärzte warnen: Besonders ungewohnte, massive Belastungen bei hohen Temperaturen sind kritisch. Ihre Empfehlung: Intensität langsam steigern und alle 30 Minuten 200 bis 300 Milliliter trinken.

Anabolika und Essstörungen auf dem Vormarsch

Doch nicht nur akute Überlastung ist das Problem. Auf einem Fachkongress in Oviedo warnten Experten der Spanischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienärzte (SEMG) vor der zunehmenden Normalisierung von leistungssteigernden Substanzen. Besonders betroffen: Fitnessstudio-Besucher zwischen 20 und 40 Jahren.

Die Risiken sind massiv: Herz-Kreislauf-Schäden, Bluthochdruck, Leberschäden und psychische Abhängigkeiten. Parallel dazu beobachten Mediziner eine Zunahme von Essstörungen wie Orthorexie und Vigorexie. Bei den 6- bis 24-Jährigen liegt die Prävalenz bei rund 6,5 Prozent.

Ein weiteres Problem: Die Vermarktung von selektiven Androgenrezeptor-Modulatoren (SARMs) über soziale Medien. In einigen Ländern legal erhältlich, warnt die US-Gesundheitsbehörde FDA bereits seit 2023 vor schweren Nebenwirkungen wie Herzinfarkten und Schlaganfällen.

Proteinpulver wird zum Luxusgut

Die Nachfrage nach Eiweißprodukten explodiert – und die Preise steigen rasant. Seit Januar 2026 verteuerte sich Proteinpulver um schätzungsweise 40 bis 60 Prozent. Der Grund: Immer mehr Sportler greifen zu, aber auch eine neue Käufergruppe treibt die Preise.

Nutzer von GLP-1-Rezeptor-Agonisten – umgangssprachlich Abnehmspritzen – setzen verstärkt auf proteinreiche Kost. Der Grund: Die Medikamente führen oft zu Muskelverlust, den Sportmediziner durch erhöhte Proteinzufuhr ausgleichen wollen. Rund 4,6 Millionen Haushalte in Deutschland kaufen inzwischen Proteinpulver – ein Plus von 66 Prozent innerhalb eines Jahres.

Das Problem: Molkenpulver entsteht als Nebenprodukt der Käseherstellung und ist nur begrenzt verfügbar. Das Angebot stößt an seine Grenzen.

Die optimale Dosis: Weniger ist mehr

Im Kontrast zu den Extremen steht eine Langzeitstudie der Harvard University. Mit über 140.000 Teilnehmern ist sie eine der größten ihrer Art. Das Ergebnis: Bereits 90 bis 119 Minuten Krafttraining pro Woche senken das Sterberisiko signifikant.

Besonders deutlich wird der Effekt bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen (minus 19 Prozent) und neurologischen Ursachen (minus 27 Prozent). Interessant: Wer mehr als 120 Minuten pro Woche trainiert, profitiert nicht zusätzlich. Die Forscher sprechen von einem Plateau-Effekt.

Die Kombination mit Ausdauertraining erwies sich als besonders effektiv – sie senkte das allgemeine Risiko um bis zu 45 Prozent.

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Antikörper gegen Muskelabbau

Die Pharmaforschung arbeitet unterdessen an Lösungen für den ungewollten Muskelverlust beim Abnehmen. Eine Phase-II-Studie testete den Antikörper Apitegromab, der das Protein Myostatin blockiert. In Kombination mit dem Wirkstoff Tirzepatid konnten die Probanden ihren Muskelverlust deutlich reduzieren.

Die Kontrollgruppe verlor über 24 Wochen 3,5 Kilogramm Magermasse, die Behandlungsgruppe nur 1,6 Kilogramm – eine Reduktion um 55 Prozent. Allerdings: Eine Verbesserung der Muskelkraft konnte der Wirkstoff allein nicht nachweisen. Die Forscher betonen: Begleitendes Krafttraining bleibt unverzichtbar.

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