Krafttraining, Minuten

Krafttraining: 90 Minuten pro Woche senken Sterberisiko um 13%

Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 16:08 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Widerstandstraining reduziert laut Studie das Sterberisiko um 13 Prozent. Auch Senioren profitieren von moderatem Krafttraining und proteinreicher Ernährung.

Krafttraining ab 60: 90 Minuten pro Woche senken das Sterberisiko deutlich
Eine sportlich aktive Person über 60 trainiert in einem hellen, modernen Wohnzimmer mit Kurzhanteln. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der menschliche Körper verliert ab dem 30. Lebensjahr pro Dekade etwa drei bis fünf Prozent seiner Muskelmasse. Dieser natürliche Abbau, medizinisch als Sarkopenie bezeichnet, beginnt bereits im vierten Lebensjahrzehnt und betrifft zunehmend auch die Generation 60+. Aktuelle sportmedizinische Analysen zeigen jedoch: Mit gezieltem Krafttraining und angepasster Ernährung lässt sich dieser Entwicklung wirksam entgegensteuern.

90 Minuten Krafttraining pro Woche senken Sterberisiko um 13 Prozent

Eine großangelegte Studie mit über 147.000 Teilnehmern, veröffentlicht im British Journal of Sports Medicine, unterstreicht die präventive Wirkung von Widerstandstraining. Das Ergebnis: Wer wöchentlich 90 bis 119 Minuten Krafttraining absolviert, senkt sein allgemeines Sterberisiko um 13 Prozent. Besonders deutlich fallen die Effekte bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus – hier reduziert sich das Risiko um 19 Prozent. Bei neurologischen Erkrankungen zeigt sich sogar eine Risikoreduktion von 27 Prozent.

Interessant: Eine Ausweitung des Trainings über 120 Minuten hinaus bringt keinen signifikanten Zusatznutzen für die Lebenserwartung. Die positiven Effekte bleiben bis ins hohe Alter bestehen und sind auch bei Personen über 80 Jahren nachweisbar.

So gelingt der Einstieg für Einsteiger über 60

Sportmediziner empfehlen einen moderaten Start, um Gelenke zu schonen und die Kontinuität zu gewährleisten. Als effektiv gelten zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche mit jeweils drei Sätzen à 10 bis 15 Wiederholungen. Für die Heimanwendung eignen sich:

  • Wandliegestütze zur Stärkung von Brust- und Armmuskulatur
  • Trizeps-Rückdrücken und Stuhlstützen für die Oberarme
  • Armkreisen und Überkopf-Zugbewegungen zur Mobilisierung der Schultern

Bei konsequenter Durchführung sind erste sichtbare Resultate nach etwa acht bis zwölf Wochen zu erwarten. Ein beeindruckendes Beispiel liefert die 80-jährige Charlotte Lim: Sie begann erst mit 72 Jahren mit dem Krafttraining und absolvierte nach vier Jahren ihren ersten Klimmzug. Ihr Rezept: drei Einheiten pro Woche plus Fokus auf unverarbeitete Lebensmittel.

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Was im Muskel passiert: Die molekulare Reparatur

Neue Forschungsergebnisse der Universitäten Hildesheim, Bonn und Freiburg, publiziert in Nature Communications, zeigen, wie der Körper auf Trainingsreize reagiert. Ein identifiziertes Proteinnetzwerk erkennt Beschädigungen in den Muskelfasern, die durch Krafttraining entstehen. Dieser Prozess aktiviert die Autophagie – ein zelluläres Recyclingprogramm, das beschädigte Bestandteile abbaut und die Neubildung von Muskelgewebe fördert. Diese Erkenntnisse könnten künftig genutzt werden, um Trainingsprogramme gegen altersbedingten Muskelverlust weiter zu optimieren.

Die Protein-Frage: Was für Senioren wirklich zählt

Die wissenschaftliche Bewertung der optimalen Proteinmenge fällt differenziert aus. Eine Metastudie der University of Wisconsin-Madison, die über 350 Einzeluntersuchungen auswertete, deutet darauf hin, dass eine generelle Proteinreduktion den Stoffwechsel verbessern und das Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken kann.

Diese Empfehlung gilt jedoch explizit nicht für ältere Menschen mit bestehendem Muskelabbau. Für sie bleiben die gängigen Richtlinien bestehen: 1,2 bis 1,6 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht täglich. Auch der Verarbeitungsgrad der Proteinquellen spielt eine Rolle. Eine radiologische Untersuchung an 615 Probanden fand heraus: Ein hoher Konsum von hochverarbeiteten Lebensmitteln korreliert mit verstärkter Fetteinlagerung in der Oberschenkelmuskulatur.

Ergänzend zeigt eine Studie der Florida State University: Ein proteinreicher Snack am Abend mit weniger als 200 Kilokalorien kann die Muskelregeneration und den Ruheumsatz positiv beeinflussen, ohne den Fettabbau zu behindern.

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Die eigene Leistung richtig einordnen

Die IST-Hochschule Düsseldorf und die Deutsche Sporthochschule Köln entwickelten in einer achtjährigen Langzeitstudie einen sogenannten Z-Score. Dieser setzt die Leistung in Grundübungen wie Bankdrücken, Kniebeugen und Kreuzheben ins Verhältnis zu Alter, Gewicht und Größe. Doch Vorsicht: Für Personen über 65 Jahren erlauben die aktuellen Daten noch keine direkte Anwendung, da die Referenzwerte primär an jüngeren Probanden erhoben wurden.

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