Krafttraining: 90–119 Minuten pro Woche senken Sterblichkeit um 13%
21.06.2026 - 14:16:04 | boerse-global.de
Die medizinische Forschung setzt neue Akzente: Weg von der reinen Gewichtsreduktion, hin zu gezielter Fettreduktion und zeitgesteuerter Nahrungsaufnahme. Aktuelle Studien zeigen, dass diese Faktoren entscheidend für die Prävention chronischer Krankheiten sind.
Weniger Bauchfett, weniger Diabetesrisiko
Eine Langzeitstudie der Universität Leipzig und der Ben-Gurion-Universität liefert klare Zahlen: Wer sein viszerales Bauchfett um zehn Prozent reduziert, senkt das Risiko für Typ-2-Diabetes um 28 Prozent. Dieser Effekt ist unabhängig vom Gesamtgewicht und bleibt teilweise auch bei späterer moderater Gewichtszunahme erhalten. An der Studie nahmen 366 Personen teil.
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Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung und das Deutsche Krebsforschungszentrum ergänzen: Eine Remission von Prädiabetes kann das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen senken – etwa für Bauchspeicheldrüsen- und Gallenblasenkrebs. Grundlage ist eine südkoreanische Kohortenstudie mit rund sechs Millionen Teilnehmern.
Warum das Abendessen entscheidend ist
Der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme spielt eine größere Rolle als lange angenommen. Olga Ramich, Ernährungswissenschaftlerin am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke, erklärt: Insulin arbeitet abends weniger effizient. Späte Mahlzeiten können die Fettverbrennung blockieren. Ihre Empfehlung: proteinreiches Frühstück, kohlenhydratreduziertes Abendessen.
Parallel dazu gewinnt „Fibermaxxing“ an Bedeutung – die maximierte Zufuhr von Ballaststoffen. Ziel: Appetit zügeln, vor Darmkrebs, Diabetes und hohen Cholesterinwerten schützen. Auch mediterrane Ernährungsmuster, teils als „Bible Food“ diskutiert, bewertet der Mediziner Peter Prock als medizinisch sinnvoll.
Krafttraining: 90 bis 119 Minuten pro Woche sind optimal
Eine Harvard-Langzeitstudie mit über 147.000 Teilnehmern definiert den idealen Umfang von Krafttraining neu. Veröffentlicht im British Journal of Sports Medicine, zeigt sie: Zwischen 90 und 119 Minuten pro Woche sinkt die Gesamtsterblichkeit um 13 Prozent, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 19 Prozent. Mehr als 120 Minuten bringen keinen zusätzlichen Nutzen. In Kombination mit moderatem Ausdauertraining lässt sich das Sterberisiko sogar um bis zu 45 Prozent senken.
Die Universität Houston liefert einen weiteren Ansatz zur Blutzuckerregulierung: Die gezielte Aktivierung des Soleus-Muskels kann den Blutzuckeranstieg nach Mahlzeiten um bis zu 52 Prozent dämpfen.
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Epigenetik und neue Wirkstoffe
Die Pharmakologie entdeckt die Epigenetik. Forscher der Universitäten Zürich und Pisa veröffentlichten in Cell Reports Ergebnisse zu BET-Protein-Inhibitoren. Diese Wirkstoffe können die Genaktivität im Fettgewebe umprogrammieren, Entzündungen reduzieren und die Gefäßgesundheit verbessern.
Bei den GLP-1-Rezeptoragonisten zeigt eine Phase-II-Studie zum Triple-Agonisten Retatrutid beeindruckende Werte: 338 Probanden verloren innerhalb von 48 Wochen bis zu 24,2 Prozent ihres Gewichts.
Neue Sensoren und Vorsicht bei Leinsamen
Auf technologischer Ebene wurde ein neuer 28-Tage-Glukosesensor (FiberSense) mit CE-Kennzeichnung zertifiziert. Abbott erweitert zudem die Zulassung für duale Sensoren, die neben Glukose auch Ketonwerte erfassen können.
Trotz des Trends zu naturbelassener Ernährung warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung vor Leinsamen. Sie enthalten Blausäure-Vorstufen. Geschrotete Leinsamen sollten bei Kleinkindern ab vier Jahren maximal vier Gramm betragen und vorzugsweise erhitzt werden. Für Erwachsene liegt die Tageshöchstmenge bei 15 bis 20 Gramm – auch wegen möglicher Cadmium-Belastung.
