Kohärentes, Atmen

Kohärentes Atmen: Fünf Minuten senken das Stressempfinden um über 31 Prozent

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 13:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Langsames Atmen senkte in einer Arbeitsstudie das Stressempfinden um über 31 Prozent; Fachleute empfehlen zusätzlich regelmäßige Erholung.

Atemtechniken gegen Stress: Studien zeigen Effekte im Arbeitsalltag
Ein minimalistisch gestalteter, ruhiger Arbeitsbereich mit einer Pflanze und natürlichem Licht, der eine Atmosphäre der Entspannung vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Mentale Selbstregulation gewinnt in der Stressbewältigung zunehmend an Bedeutung. Mentalist und Buchautor Timon Krause stellt in seinem Werk »99 Mind Hacks« knapp einhundert mentale Methoden vor, die auf psychologischen Erkenntnissen, Neurowissenschaften sowie Hypnosetechniken basieren.

Im SPIEGEL-Podcast »Smarter leben« legte Krause dar, welche dieser Ansätze im Alltag verlässlich wirken und wo die methodischen Grenzen mentaler Selbstbeeinflussung verlaufen.

Als persönliche Praxis verwies Krause auf den sogenannten »Eichhörnchen-Trick«, eine gezielte Atemtechnik zur Stimulation des Vagusnervs, die den Herzschlag verlangsamt und das Nervensystem beruhigt. Diese Methode setzte er unter anderem unmittelbar vor einer Keynote in einem Unternehmenskontext ein.

Gezielte Atemregulation am Arbeitsplatz

Die bewusste Aktivierung des Parasympathikus über den Vagusnerv wird durch empirische Untersuchungen gestützt. Eine Ende September 2026 vorgestellte randomisierte und doppelblinde Crossover-Studie im realen Arbeitsumfeld untersuchte die Effekte des sogenannten kohärenten Atmens nach akutem Stress.

Bei einem Takt von etwa fünf Atemzügen pro Minute – aufgeteilt in jeweils sechs Sekunden Einatmung und sechs Sekunden Ausatmung – reduzierte sich das subjektive Stressempfinden der Probanden um über 31 Prozent.

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Neben dem Absinken der empfundenen Belastung dokumentierten die Forscher einen Anstieg des positiven Affekts sowie eine Verringerung von Schläfrigkeit. Die Intervention erfordert weder Apps noch zusätzliche Geräte und lässt sich innerhalb von fünf Minuten direkt am Schreibtisch durchführen.

Auch traditionelle Übungen aus dem Yoga setzen an vergleichbaren physiologischen Mechanismen an. Bei der Ujjayi-Atmung wird die Stimmritze leicht verengt, wodurch ein leiser Ton entsteht. Diese Technik stimuliert den Vagusnerv, verlangsamt die Herzfrequenz und unterstützt die Regulierung des Kohlendioxidspiegels im Blut.

Der Forschungsstand zur physiologischen Wirkung

Klinische Übersichtsstudien belegen den Einfluss strukturierter Atmung auf das vegetative Nervensystem. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2023, die zwölf randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit 785 Teilnehmern auswertete, ermittelte eine signifikante Senkung des selbst berichteten Stressniveaus (Hedges' g = -0,35, p = 0,0009).

Zudem zeigte eine umfassende Metaanalyse aus dem Jahr 2022 auf Basis von 223 Studien, dass langsames Atmen die vagal vermittelte Herzfrequenzvariabilität konsistent ansteigen lässt.

Ergänzende Interventionsstudien veranschaulichen die hormonellen und neurologischen Veränderungen. In einer achtwöchigen randomisierten kontrollierten Untersuchung führte Zwerchfellatmung mit einer Frequenz von etwa vier Atemzügen pro Minute zu einer Verringerung des Speichelcortisols und einer verbesserten anhaltenden Aufmerksamkeit.

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Ähnlich niedrige Atemfrequenzen von etwa drei bis vier Zügen pro Minute werden auch über die Box-Atmung im Vier-Sekunden-Rhythmus erreicht. Bei intensiveren Verfahren wie der Wim-Hof-Methode wiesen Forscher des Universitätsklinikums Radboud zudem abgeschwächte proinflammatorische Zytokinreaktionen nach.

Strukturierte Erholung gegen chronische Überlastung

Trotz der belegten Kurzzeiteffekte betonen Fachleute, dass akute Atem-Hacks strukturelle Erholung nicht ersetzen können. Anlässlich der Mental Health Awareness Week an der Universität Zürich verwies die Psychologie-Dozentin Valentina Vylobkova darauf, dass Regeneration kontinuierlich in den Arbeitsalltag eingebunden werden müsse, statt Erholungsphasen ausschließlich auf den Feierabend, das Wochenende oder Urlaube zu verlagern.

Empfohlen werden regelmäßige Pausen von zehn bis 15 Minuten nach konzentrierten Arbeitsphasen sowie das mentale Abschalten von dienstlichen Verpflichtungen. Konkrete Wenn-Dann-Pläne können Personen dabei unterstützen, solche Routinen dauerhaft gegen chronische Belastungsreaktionen zu etablieren.

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