Ketogene, Diät

Ketogene Diät: Senkt Leberfett um 67%, heilt Prädiabetes bei 50%

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 20:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine US-Studie vergleicht ketogene, mediterrane und fettarme Ernährung. Zugleich bleiben Medikamentenzugang und Versorgung in Deutschland umstritten.

Ketogene Diät oder Abnehmmittel: Studie zeigt Unterschiede
Frische, naturbelassene Lebensmittel wie Gemüse, Nüsse und gesunde Fette auf einem Holztisch bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Angesichts steigender Fallzahlen bei Übergewicht und Fettleber wird in Fachkreisen und Medien intensiv darüber debattiert, welche Rolle Ernährungsumstellungen im Vergleich zu modernen Adipositas-Medikamenten einnehmen können.

Im Fokus steht dabei insbesondere die ketogene Diät. Diskutiert wird, ob der strikte Kohlenhydratverzicht als eigenständige, kostengünstige Alternative oder als sinnvolle Ergänzung zu teuren Präparaten wie Ozempic oder Mounjaro taugt.

Stoffwechseleffekte der ketogenen Ernährung im klinischen Vergleich

Die ketogene Diät basiert auf einer drastischen Reduktion von Kohlenhydraten, wodurch der Körper in den Zustand der Ketose versetzt wird und vermehrt Fett statt Zucker zur Energiegewinnung nutzt.

Eine im Fachjournal Cell Metabolism veröffentlichte US-Studie vom 27. August 2026 untersuchte diesen Ansatz an 42 Adipositas-Patienten mit Prädiabetes und Fettleber. Die Teilnehmenden der Keto-Gruppe ernährten sich mit 4 Prozent Kohlenhydraten und 73 Prozent Fett.

Die Ergebnisse zeigten deutliche Unterschiede: Die ketogene Ernährungsform senkte das Leberfett um 67 Prozent, während die Reduktion bei einer mediterranen sowie einer fettarmen Diät bei 45 Prozent lag. Zudem war nach einem Gewichtsverlust von 10 Prozent bei 50 Prozent der Patienten in der Keto-Gruppe kein Prädiabetes mehr feststellbar.

In der Vergleichsgruppe mit mediterraner Ernährung galt dies für 29 Prozent, in der fettarmen Gruppe lediglich für 7 Prozent. Die Insulinsensitivität verbesserte sich hingegen unter allen drei getesteten Diätformen.

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Pharmazeutische Optionen und strukturelle Herausforderungen

Parallel dazu wächst das Angebot medikamentöser Therapien. Neben den etablierten Injektionen sind Abnehmpillen mittlerweile auch in Apotheken in Sachsen-Anhalt erhältlich, wo Fachleute mit einer hohen Nachfrage rechnen.

Die Darreichungsform als Tablette bietet vor allem für Personen mit Vorbehalten gegen Spritzen neue Optionen. Gleichzeitig warnt der Apotheker Norbert Hoffmann von der Stadtapotheke Köthen vor gefälschten Präparaten und dubiosen Angeboten im Internet.

Gleichwohl werfen GLP-1-basierte Wirkstoffe Fragen hinsichtlich ihrer Langzeitfolgen auf. In der Phase-2-Studie EMBRAZE lag die Abbruchrate der GLP-1-Therapie im ersten Jahr bei rund 50 Prozent. Hinzu kommt das Problem des Verlusts fettfreier Körpermasse während der Gewichtsreduktion.

Die Untersuchung zeigte, dass der Myostatin-Inhibitor Apitegromab in Kombination mit einer 24-wöchigen Tirzepatid-Therapie den Verlust fettfreier Masse um etwa 55 Prozent verringern konnte: Der Verlust an Muskel- und Lean-Masse sank von minus 3,5 Kilogramm (30,2 Prozent des Gesamtabnehmwerts) unter Tirzepatid allein auf minus 1,6 Kilogramm (14,6 Prozent).

Die Gesamtreduktion des Gewichts blieb mit circa 11 bis 12 Prozent vergleichbar, wenngleich Muskelkraft und -funktion nicht gesteigert wurden. In präklinischen Versuchen wird zudem das oral verabreichte Molekül TOFA erforscht, das bei Tieren Leberfett und Glukosewerte ohne Muskelabbau verbesserte, am Menschen jedoch bislang ungetestet ist.

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Versorgungslücken und Rahmenbedingungen im Gesundheitssystem

Weltweit sind laut einer im Juli 2026 in The Lancet Diabetes & Endocrinology veröffentlichten Arbeit dänischer Experten rund 2,5 Milliarden Menschen übergewichtig und rund 900 Millionen adipös. Zwar unterstrichen die Forscher, dass die Vorteile wiederholter Gewichtsreduktionen überwiegen und Schwankungen nicht kausal schädlich sind, doch die Hürden im Versorgungsalltag bleiben hoch.

In Deutschland wies das Else Kröner Fresenius Zentrum für Ernährungsmedizin (EKFZ) im Juli 2026 auf Basis einer Forsa-Umfrage auf gravierende Versorgungsdefizite hin. Adipositas ist im Fünften Buch Sozialgesetzbuch (SGB V) nicht als chronische Erkrankung anerkannt, womit entsprechende Medikamente als Lifestyle-Arzneimittel von der Kostenerstattung ausgeschlossen bleiben.

Das EKFZ fordert daher neben mehr Prävention und der rechtlichen Anerkennung im SGB V die Etablierung eines strukturierten Behandlungsprogramms (DMP Adipositas). Solange der Zugang zu Arzneimitteln finanziell limitiert ist, dürften strukturierte Ernährungskonzepte wie die ketogene Diät in der Debatte weiterhin als erreichbare Handlungsoption gelten.

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de | wissenschaft | 70112925 |