Herzinfarkt, Todesfälle

Herzinfarkt: 75% der Todesfälle ereignen sich zu Hause

07.06.2026 - 21:41:53 | boerse-global.de

Viele Herzinfarkt-Todesfälle in Deutschland ereignen sich zu Hause. Experten fordern mehr Aufklärung über untypische Symptome, besonders bei Frauen.

Herzinfarkt-Risiko: Neue Studie zu Sport und Prävention
Herzinfarkt - Nahaufnahme einer Person, die sich an die Brust fasst, mit einem EKG-Monitor im Hintergrund, der Herzaktivität anzeigt. 07.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

000 Herzinfarkte registriert. Rund 43 Prozent der betroffenen Frauen und 37 Prozent der Männer versterben an den Folgen – viele davon zu Hause. Laut Deutschem Rotem Kreuz erkennen Betroffene oder Angehörige die Warnsignale oft nicht rechtzeitig.

Etwa 75 Prozent der Todesfälle ereignen sich im häuslichen Umfeld. Das Problem: Die Symptome werden nicht als lebensbedrohlich eingestuft. Mediziner fordern deshalb, über klassische Anzeichen wie den vernichtenden Brustschmerz hinaus auch diffuse Symptome stärker zu beachten.

Wenn der Herzinfarkt nicht weh tut

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Ein starker, länger als 20 Minuten anhaltender Brustschmerz gilt als typisches Zeichen für einen verschlossenen Herzkranzarterie. Doch viele Infarkte verlaufen anders. Dr. Le Thanh Hung vom Binh Phuoc General Hospital erklärt, dass Schmerzen häufig in Kiefer, Schulter oder Arm ausstrahlen.

Besonders bei Frauen, älteren Patienten und Diabetikern äußert sich ein Infarkt oft durch unspezifische Beschwerden. Ausgeprägte Müdigkeit, Atemnot oder Übelkeit sind mögliche Alarmsignale. Auch Mund- und Kieferbeschwerden sowie Zahnschmerzen können auf einen Herzinfarkt hindeuten.

Das DRK rät: Bei unklaren Schmerzen in Kombination mit Atemnot oder Übelkeit sofort den Notruf wählen. Jede Minute zählt.

Warum Frauen anders krank werden

Die Gendermedizin liefert Erklärungen für die unterschiedlichen Verläufe. Prof. Dr. Sandra Eifert vom Herzzentrum Leipzig weist darauf hin, dass Frauen zwar statistisch länger leben, ab dem 70. Lebensjahr aber häufiger von Krankheiten betroffen sind.

Bis zur Mitte der 40er Jahre schützt das Hormon Östrogen das weibliche Herz. Zwei X-Chromosomen und längere Telomere begünstigen die Lebenserwartung in der ersten Lebenshälfte. Doch es gibt Risiken: Frauen leiden häufiger unter Autoimmunerkrankungen und sind besonders anfällig für das Syndrom des gebrochenen Herzens (Takotsubo-Kardiomyopathie).

Davon sind zu 95 Prozent Frauen betroffen, 90 Prozent der Patientinnen sind über 50. Als entscheidende Phasen für die Gesundheit im Alter gelten die Lebensjahre 45, 60 und 70. Fachärzte empfehlen ab dem 50. Lebensjahr regelmäßige kardiologische Checks – kombiniert mit Krafttraining, Ausdauersport und Stressreduktion.

75 Minuten pro Woche reichen

Die Universität Hongkong untersuchte in einer Langzeitstudie die Effektivität von Sport zur Senkung des kardiovaskulären Risikos. Von September 2021 bis September 2024 analysierten Forscher 315 Probanden. Die Ergebnisse sind vielversprechend.

Einmal wöchentlich 75 Minuten Intervalltraining reduziert das Bauchfett und verbessert die Herz-Kreislauf-Fitness ähnlich effektiv wie drei Einheiten pro Woche. Für Menschen mit wenig Zeit ein praktikabler Ansatz.

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Österreich plant neue Strategie

Parallel zur Forschung gewinnen politische Rahmenbedingungen an Bedeutung. Gesundheitsministerin Korinna Schumann kündigte eine neue Frauengesundheitsstrategie für Österreich an. Bis Ende 2026 soll sie fertig sein, ab 2027 schrittweise umgesetzt werden.

Schwerpunkte: evidenzbasierte Informationsangebote und bessere Versorgung bei geschlechtsspezifischen Erkrankungen. Ziel ist es, die Früherkennungsrate nachhaltig zu steigern.

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