GLP-1-Muskelschwund: Antikörper-Kombination halbiert Magermasse-Verlust
08.06.2026 - 17:30:15 | boerse-global.de
Die Wundermittel gegen Übergewicht haben einen Haken: Sie lassen nicht nur Fett schmelzen, sondern auch Muskeln schrumpfen. Neue Kombinationstherapien könnten das Problem nun lösen.
Patienten verlieren während einer rund 70-wöchigen Behandlung mit GLP-1-Präparaten mehr als zehn Prozent ihrer fettfreien Masse. Fachleute vergleichen diesen Verlust mit einem Alterungsprozess von etwa 20 Jahren. Bei zwei Dritteln der Patienten entfallen fast 35 Prozent des gesamten Gewichtsverlusts auf die Magermasse.
Ab 50 verliert der Körper jedes Jahr Muskelmasse – die wenigsten wissen, was das wirklich bedeutet. Ein Experte erklärt, wie Sie mit nur 6 einfachen Übungen zuhause gegensteuern können. Besser schlafen, weniger Rückenschmerzen, mehr Energie: So gelingt Krafttraining ab 50 ganz einfach
Die Nebenwirkung hat Folgen für die Therapietreue. Schätzungen zufolge brechen rund 50 Prozent der Patienten die Behandlung innerhalb eines Jahres ab. Bislang empfehlen Ärzte proteinreiche Ernährung und Krafttraining gegen den Muskelschwund. Die Pharmaforschung sucht nun nach medikamentösen Lösungen.
Kombination bremst Muskelschwund
Ein vielversprechender Ansatz: Abnehmspritzen kombiniert mit Antikörpern, die das Protein Myostatin hemmen. Myostatin wirkt im Körper als natürliche Bremse für Muskelwachstum. Eine heute in Nature Medicine veröffentlichte Phase-2-Studie untersuchte den Antikörper Apitegromab in Kombination mit Tirzepatid bei 102 übergewichtigen Probanden.
Die Ergebnisse nach 24 Wochen zeigen deutliche Unterschiede: Die Gruppe mit Apitegromab verlor lediglich 1,6 Kilogramm Magermasse – das entspricht 14,6 Prozent des gesamten Gewichtsverlusts. In der Placebo-Gruppe lag der Verlust bei 3,5 Kilogramm (30,2 Prozent). Der absolute Gewichtsverlust blieb mit elf bis zwölf Kilogramm in beiden Gruppen nahezu identisch.
Ähnliche Tendenzen zeigten sich bei der Kombination des Antikörpers Bimagrumab mit Semaglutid. Experten fordern nun groß angelegte Phase-3-Studien zur Validierung.
Warum manche Patienten nicht abnehmen
Die Forschung beschäftigt sich auch mit der Frage, warum die Medikamente bei manchen Patienten weniger wirken. Eine Studie der Stanford University in Genome Medicine identifizierte genetische Varianten des Enzyms PAM als mögliche Ursache. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung tragen diese Varianten, die zu einer GLP-1-Resistenz führen können.
Wer gegen den drohenden Muskelschwund aktiv werden möchte, braucht keine teure Fitnessstudio-Mitgliedschaft. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt, wie Sie mit minimalem Aufwand maximale Ergebnisse beim Muskelaufbau erzielen. 17 Übungen, 3 Minuten täglich – jetzt Ratgeber kostenlos herunterladen
Die Daten zeigen: Nach sechs Monaten erreichten nur 12 Prozent der Träger dieser Genvariante ihre Blutzuckerziele. Bei Patienten ohne diese Variante waren es 25 Prozent. Betroffene weisen zwar höhere natürliche GLP-1-Spiegel auf, reagieren aber weniger sensibel auf die medikamentöse Zufuhr.
Neue Wirkstoffe und orale Tabletten
Die Pharmaindustrie treibt die Entwicklung weiter voran. Pfizer präsentierte am Samstag detaillierte Ergebnisse zu Berobenatid – einem monatlichen GLP-1-Präparat. In einer Phase-2b-Studie verzeichneten die Probanden nach 32 Wochen einen Gewichtsverlust von 15,9 Prozent. Für dieses Jahr sind zehn Phase-3-Studien geplant, die auch den Einsatz bei Kniearthrose und Schlafapnoe untersuchen.
Eli Lilly testet zudem Retatrutid, einen Triple-Agonisten mit noch stärkeren Effekten als bisherige Mittel. Ein Trend zeichnet sich hin zu oralen Darreichungsformen ab. Während Eli Lillys Präparat Foundayo im April in den USA zugelassen wurde, erwarten Experten die EU-Zulassung für eine Semaglutid-Tablette von Novo Nordisk bis Juli.
Krebsrisiko sinkt deutlich
Die Präparate könnten weit mehr als nur beim Abnehmen helfen. Eine im Juni in den Annals of Oncology veröffentlichte Analyse von 113 Millionen US-Patientendaten ergab: Adipöse Nicht-Diabetiker unter GLP-1-Therapie haben ein um 41 Prozent geringeres Risiko für adipositasbedingte Krebsarten. Besonders deutlich war die Reduktion beim multiplen Myelom sowie bei Bauchspeicheldrüsen- und Endometriumkrebs.
Trotz dieser Erkenntnisse bleibt die Kostenübernahme in Deutschland umstritten. Während FDP-Vertreter im Frühjahr eine Erstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen forderten, lehnten SPD-Vertreter dies mit Verweis auf den gesetzlichen Ausschluss von Appetitzüglern ab. Die Hersteller investieren indes weiter: In Alzey entsteht ein neues Eli-Lilly-Werk für die Produktion entsprechender Präparate.
So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!
Für. Immer. Kostenlos.
