Darm-Gehirn-Achse: Propionsäure steigert MS-Abwehrzellen um 30%
08.06.2026 - 17:30:15 | boerse-global.de
Kein Wunder also, dass die Forschung dort ansetzt – mit neuen Therapien gegen die Folgen von Antibiotika-Behandlungen.
Das Ungleichgewicht der Darmflora, die sogenannte Dysbiose, gilt als ein Hauptproblem nach Antibiotika-Gaben. Die Folgen können weitreichend sein. Doch nun zeichnen sich vielversprechende Alternativen ab.
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Künstliche Bakterienmischung schlägt sich wacker
Eine Studie in Nature Medicine untersuchte den Einsatz von MTC01 – einer Mischung aus 15 im Labor gezüchteten Bakterienstämmen. Ziel: die Behandlung von Infektionen mit Clostridioides difficile.
Nach acht Wochen waren sieben von neun Patienten in der MTC01-Gruppe infektionsfrei. In der Vergleichsgruppe mit herkömmlichen Stuhltransplantationen waren es acht von neun. Die kultivierten Bakterien siedelten sich dauerhaft im Darm an – eine höhere Dosierung verbesserte die Ansiedlung.
Parallel dazu lieferte die Multiple-Sklerose-Forschung neue Erkenntnisse zur Darm-Gehirn-Achse. Die Gabe von Propionsäure steigerte die Anzahl der MS-Abwehrzellen um rund 30 Prozent.
Unregelmäßiges Essen erhöht Depressionsrisiko
Auch die Psyche ist betroffen. Eine südkoreanische Studie mit 22.000 Erwachsenen ermittelte ein um das 1,55-Fache erhöhtes Depressionsrisiko bei unregelmäßigen Essgewohnheiten.
KI soll Resistenzen früh erkennen
Das Uniklinikum Frankfurt arbeitet an einem KI-gestützten Dashboard. Es führt Vitalwerte, Medikationsdaten und Laborergebnisse zusammen. Ziel: die Früherkennung von Resistenzen. Die Echtzeitanalysen sollen bis Ende 2026 flächendeckend einsatzbereit sein.
In der Grundlagenforschung entdeckten Wissenschaftler der Universität Hamburg neue Kontrollmechanismen in bakteriellen Zellen. Das Team um Professor Daniel N. Wilson identifizierte das Peptid CliM aus Clostridien. Es dient im Ribosom als internes Warnsignal und stoppt die Proteinproduktion vorübergehend. Die Entdeckung könnte die Basis für eine neue Klasse antibakterieller Wirkstoffe bilden.
Schlafapnoe und Arterienplaques
Auf der Konferenz ASM Microbe 2026 stellte die University of California San Diego eine Untersuchung vor. Sie identifizierte den Farnesoid-X-Rezeptor (FXR) als Schlüsselelement. Das Ausschalten dieses Rezeptors reduzierte im Mausmodell die Bildung von Arterienplaques infolge von Schlafapnoe deutlich – und stabilisierte das Darmmikrobiom.
Genvarianten schwächen Ozempic-Wirkung
Forscher der Stanford University berichteten über Genvarianten des Enzyms PAM. Sie können die Wirkung von GLP-1-Präparaten wie Ozempic oder Wegovy abschwächen. In einer Vergleichsgruppe erreichten 25 Prozent der Probanden ohne diese Variante ihre Blutzuckerziele nach sechs Monaten. Bei Trägern der Variante waren es lediglich 12 Prozent.
Da Medikamente zur Blutzuckersenkung nicht bei jedem Patienten die gewünschte Wirkung zeigen, gewinnen ergänzende, natürliche Methoden an Bedeutung. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Typ-2-Diabetikern, wie sie mit nur 3 Minuten täglichem Training ihre Werte spürbar verbessern können. Gratis E-Book: 7 einfache Übungen für Diabetiker herunterladen
Ein Modell der Arizona State University untermauert die Bedeutung der Ernährung. Bei einer ballaststoffreichen Diät wurden täglich etwa 116 Kalorien weniger absorbiert als bei westlicher Ernährung. Die mikrobielle Aktivität trägt demnach rund 15 Prozent zur gesamten verwertbaren Energie bei.
Antibiotika-Rückstände in Gewässern
Die Resistenz-Problematik beschränkt sich nicht auf Kliniken. Eine Studie in Nature Water zeigt: Auch Abbauprodukte von Antibiotika treiben die Resistenzbildung in Gewässern massiv voran. Rund 90 Prozent der Antibiotika verlassen den menschlichen Körper unverändert und gelangen ins Abwasser. Die Wissenschaftler fordern eine Überarbeitung der Risikobewertungen für Klärprozesse – die Metaboliten entfalten eine ähnlich starke Wirkung auf Bakterienpopulationen wie die ursprünglichen Wirkstoffe.
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