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Gender Care Gap: Frauen leisten 43 Prozent mehr unbezahlte Arbeit

05.05.2026 - 16:42:39 | boerse-global.de

Frauen leisten 43 Prozent mehr unbezahlte Arbeit als Männer. Die Kluft zwischen Wunsch und Realität bei der Elternzeit bleibt groß.

Gender Care Gap: Frauen leisten 43 Prozent mehr unbezahlte Arbeit - Foto: über boerse-global.de
Gender Care Gap: Frauen leisten 43 Prozent mehr unbezahlte Arbeit - Foto: über boerse-global.de

Aktuelle Daten zeigen eine anhaltende Diskrepanz zwischen den Wünschen junger Eltern und der gelebten Praxis.

Gender Care Gap: Die Lücke bleibt groß

Frauen leisten im Schnitt 43,4 Prozent mehr unbezahlte Arbeit als Männer. Das belegen aktuelle Erhebungen des Statistischen Bundesamtes für 2025. Konkret: Frauen verbringen rund 29 Stunden pro Woche mit Kinderbetreuung, Haushalt oder Pflege, Männer nur etwa 20 Stunden.

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Besonders krass fällt der Unterschied in Haushalten mit Kindern aus. Hier beträgt der zeitliche Abstand laut Statistikern mehr als 14 Stunden pro Woche.

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt: Selbst bei Vollzeit-Paaren bleibt die Ungleichheit bestehen. Erwerbstätige Frauen investieren im Schnitt acht Stunden mehr in unbezahlte Arbeit als ihre männlichen Kollegen. Die Folge: Frauen reduzieren häufiger ihre Arbeitszeit – mit langfristigen Folgen für Alterssicherung und ökonomische Eigenständigkeit.

Elterngeld: Wunsch und Wirklichkeit klaffen auseinander

Die Elterngeldstatistik 2025 spiegelt die Beharrungskraft traditioneller Rollenmuster. Rund 1,61 Millionen Menschen bezogen Elterngeld – ein leichter Rückgang, der vor allem auf sinkende Geburtenraten zurückgeht.

Der Väteranteil liegt bei 25,9 Prozent, nahezu unverändert zum Vorjahr. Doch die Bezugsdauer zeigt das eigentliche Gefälle: Frauen planten im Schnitt 14,9 Monate ein, Männer nur 3,8 Monate.

Eine Bertelsmann-Studie aus dem Frühjahr 2025 offenbart eine erhebliche Lücke zwischen Wunsch und Realität. Rund 44 Prozent der Befragten befürworten ein egalitäres Modell mit jeweils sieben Monaten Elternzeit pro Partner. Tatsächlich nehmen drei Viertel der Väter lediglich die zwei notwendigen Partnermonate.

Ein Hoffnungsschimmer: Der Anteil des Elterngeld Plus ist auf über 40 Prozent gestiegen. Es wird vor allem von Eltern genutzt, die frühzeitig in Teilzeit zurückkehren möchten.

Vier-Tage-Woche: Erfolgsmodell gegen den Fachkräftemangel?

Immer mehr Unternehmen experimentieren mit flexiblen Arbeitszeitmodellen. Eine großangelegte Pilotstudie zur Vier-Tage-Woche sorgte für Aufsehen. 41 Unternehmen unterschiedlicher Branchen waren beteiligt.

Die Ergebnisse: Bei gleichbleibendem Gehalt verbesserte sich die physische Gesundheit und das mentale Wohlbefinden der Beschäftigten spürbar. Die Produktivität blieb in der Mehrheit der Betriebe stabil oder stieg sogar.

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WSI-Wissenschaftler sehen in verkürzten Vollzeitmodellen ein wirksames Instrument für gerechtere Sorgearbeit. Wenn Männer ihre Arbeitszeit reduzieren, ohne in die „Teilzeit-Falle" zu geraten, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie mehr unbezahlte Arbeit übernehmen.

Doch die Praxis hakt: Rund 70 Prozent der Frauen mit Kindern nennen flexiblere Arbeitszeiten als wichtigste Voraussetzung für berufliche Weiterentwicklung. Betriebliche Zwänge und eine dominierende Präsenzkultur erschweren die Umsetzung jedoch vielerorts.

Politik: Familienstartzeit auf Eis gelegt

Die politische Debatte ist 2026 von einem Kurswechsel geprägt. Das geplante Familienstartzeitgesetz – eine zweiwöchige bezahlte Freistellung für Partner nach der Geburt – wird unter der neuen Regierung nicht weiterverfolgt.

Deutschland bleibt damit im Verzug bei der Umsetzung der EU-Vereinbarkeitsrichtlinie. Ein Vertragsverletzungsverfahren läuft bereits. Gewerkschaften wie die IG Metall fordern die schnelle Einführung, Regierungsvertreter verweisen auf die finanzielle Belastung für Unternehmen und Haushalt.

Auch steuerliche Fehlanreize stehen in der Kritik. Das ifo Institut analysiert in mehreren Berichten: Das Ehegattensplitting in Kombination mit den Steuerklassen III und V macht die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit für Zweitverdiener – meist Frauen – finanziell unattraktiv.

Die Forscher empfehlen eine individuelle Besteuerung oder die Abschaffung der spezifischen Steuerklassenkombinationen. Der Ausbau verlässlicher Kinderbetreuung bleibt die grundlegende Basis, um Erwerbspotenziale besser zu nutzen.

Die ökonomische Dimension: Sorgearbeit als Wirtschaftsfaktor

Die Debatte hat sich von einer gesellschaftspolitischen zu einer harten ökonomischen entwickelt. Die ungleiche Verteilung der Sorgearbeit korreliert direkt mit dem Gender Pay Gap und dem Gender Pension Gap.

Frauen erzielen aufgrund von Unterbrechungen und Teilzeitarbeit im Lebensverlauf durchschnittlich fast 50 Prozent weniger Einkommen als Männer. Ihr Risiko für Altersarmut steigt massiv.

Gleichzeitig verliert die deutsche Wirtschaft wertvolles Humankapital. Berechnungen zeigen: Eine Angleichung der Erwerbsbeteiligung von Frauen an die der Männer könnte das Bruttoinlandsprodukt signifikant steigern.

Unternehmen, die proaktiv Anreize für Väter schaffen – etwa durch Bonusprogramme für Elternzeit oder interne Modelle zur Familienstartzeit – berichten von höherer Arbeitgeberattraktivität und geringerer Fluktuation.

Ausblick: Wandel als Wettbewerbsvorteil

Arbeitsmarktexperten erwarten für die kommenden Jahre steigenden Druck auf Politik und Unternehmen. Die Digitalisierung bietet Chancen für orts- und zeitflexibles Arbeiten, birgt aber auch die Gefahr weiterer Entgrenzung – oft zu Lasten der Sorgeverantwortlichen.

Die jüngeren Generationen legen verstärkt Wert auf partnerschaftliche Lebensführung. Das könnte zu einem Wettbewerbsvorteil für Arbeitgeber führen, die über gesetzliche Mindeststandards hinausgehen.

Ob der Staat durch eine Steuerreform oder eine Ausweitung der Partnermonate neue Impulse setzt, bleibt abzuwarten. Sicher scheint: Eine nachhaltige Sicherung des Wohlstands in einer alternden Gesellschaft kann nur gelingen, wenn die Potenziale beider Geschlechter in der Erwerbs- und Sorgewelt gleichermaßen zur Geltung kommen.

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