Gehirngesundheit: Zehn Minuten Laufen verbessern Aufmerksamkeit messbar
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 16:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Präventive Maßnahmen und ein geregelter Lebensstil gewinnen bei der langfristigen Erhaltung der kognitiven Leistungsfähigkeit zunehmend an Bedeutung. Zum Welt-Alzheimertag am 21. September heben Fachleute und medizinische Kooperationen hervor, dass gezielte Interventionen dazu beitragen können, kognitive Abbauprozesse frühzeitig zu hemmen. Neben medizinischen Therapien rücken dabei frühzeitige Diagnostik sowie alltagstaugliche Verhaltensweisen in den Fokus der Wissenschaft.
Früherkennung und beeinflussbare Risikofaktoren
An der Universitätsklinik für Neurologie der Med Uni Graz wird intensiv an Methoden zur Früherkennung von Alzheimer geforscht. Die Untersuchungen stützen sich auf bildgebende Verfahren, Blut- und Liquor-Biomarker sowie kognitive Tests.
Wie Marisa Koini aus dem Bereich Neuropsychologie und Neuroscience der Universitätsklinik darlegte, werden Neurofilamente mit der Alterung des Gehirns verknüpft; zudem wurden Verfahren zur genaueren Bestimmung des Hippocampus-Volumens entwickelt. Als wesentliche beeinflussbare Risikofaktoren gelten Bewegung, Herz-Kreislauf-Gesundheit, Ernährung, Schlaf und soziale Kontakte.
In der dortigen Gedächtnisambulanz werden frühe Alzheimer-Erkrankungen bereits mit den Anti-Amyloid-Antikörpern Lecanemab und Donanemab behandelt, die den Krankheitsverlauf verlangsamen sollen. Zudem ist die Grazer Einrichtung am internationalen Alzheimer-Register InRAD sowie an der LETHE-AT-Studie beteiligt.
Kognitive Effekte moderner Bewegungsansätze
Dass bereits geringe körperliche Aktivität messbare Effekte auf das Gehirn haben kann, verdeutlichte eine Untersuchung der japanischen Universität Tsukuba, über die am 20. September 2026 berichtet wurde.
Demnach genügten zehn Minuten Laufen im Gehtempo von drei bis sechs Kilometern pro Stunde, damit sich Teilnehmende besser fühlten und Aufgaben im Stroop-Aufmerksamkeitstest schneller bewältigten als vor der Aktivität.
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Bildgebende Daten wiesen während des Laufs auf eine erhöhte Aktivität im präfrontalen Kortex hin; ein stärkeres vertikales Kopfwippen ging zudem mit einer deutlicheren Stimmungsverbesserung einher.
Der Gesundheitspsychologe Hugo Fernández Robaina betonte im Rahmen der Studienergebnisse, dass keine quälenden einstündigen Trainings nötig seien, um positive Effekte zu erzielen.
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen eine wöchentliche moderate körperliche Aktivität von 150 bis 300 Minuten. Als methodische Einschränkung des Experiments hielten die Forschenden fest, dass das Laufen auf einem Laufband und nicht im freien Gehen getestet wurde.
Breitenwirksame Plattformen und strukturierte Interventionen
Ergänzend zu individuellen Verhaltensanpassungen etablieren öffentliche Stellen koordinierte Zugänge zur Gesundheitsförderung. Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Prävention bündelt Angebote aus dem Non-Profit-Bereich auf der Plattform praeventionspool.bayern.de, wie Gesundheits- und Präventionsministerin Judith Gerlach laut einem Bericht vom 20. September 2026 ankündigte.
Zum Start stehen mehr als 400 Angebote mit über 1.000 Möglichkeiten vor Ort sowie mehr als 200 Anbietern bereit. Die Plattform wird vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit im Rahmen von Ziel 02 des Masterplans Prävention für Bayern betrieben.
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Gleichzeitig entstehen zielgruppenspezifische Programme zur Förderung der mentalen Gesundheit. Das Zentrum für Suchtprävention Villa Schöpflin aus Lörrach entwickelte die kostenlose App freii, deren Webversion bereits seit Herbst 2025 existiert und die über eine 21-Tage-Challenge zur Reduktion von Bildschirmzeiten anleitet.
Peter Eichin ordnete die Anwendung als reines Präventionsmittel ein. Der Tübinger Medienwissenschaftler Guido Zurstiege bewertete derartige Ansätze grundsätzlich positiv, mahnte jedoch an, Softwareunternehmen stärker rechtlich in die Pflicht zu nehmen.
An der Universität Osnabrück startete zudem ein auf rund 2,5 Jahre angelegtes Forschungsprojekt mit dem Titel „Gesund musizieren: Körperliche und mentale Gesundheitsförderung für Musikstudierende“, das von der Techniker Krankenkasse mit 75.000 Euro gefördert wird.
Befragungen der Universität aus den Jahren 2016 und 2017 hatten gezeigt, dass rund 30 Prozent der Musikstudierenden unter körperlichen Schmerzen und etwa 27 Prozent unter leistungseinschränkender Auftrittsangst litten, wie Prof. Dr. Christoph Louven erläuterte.
Für rund 250 Studierende konzipiert das Team um Physiotherapeutin Heike Schemmann und Dr. Judith Zimmermann nun Lehrveranstaltungen, Workshops und Beratungsangebote mit dem Ziel einer festen curricularen Verankerung.
