Exzessives, Training

Exzessives Training: 69,4 Prozent der untersuchten Fälle mit Nierenschaden

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zu hohe Trainingslast kann Erschöpfung, Muskelschäden und akute Nierenprobleme auslösen; Fachleute raten zu schrittweisem Aufbau und Erholung.
Eine leere, morgendliche Sportlaufbahn im Nebel als Symbol für die Risiken von Übertraining. Illustration mit AI erstellt.

Intensives körperliches Training gilt im Allgemeinen als gesundheitsfördernd, birgt bei falscher Steuerung jedoch erhebliche Gefahren. Sportmediziner und Fachberater mahnen zur Vorsicht vor exzessiven Einheiten und raten dazu, Warnsignale des Körpers wie Veränderungen der Urinfarbe strikt in die Trainingsplanung einzubeziehen. Werden Belastungsgrenzen ignoriert, drohen Leistungseinbrüche und akute Organschäden.

Vom Leistungsabfall zum Übertrainingssyndrom

Eine kontinuierliche Überlastung führt häufig schleichend zu ernsten Problemen. Sportmediziner Patrik Noack vom Swiss Olympic Medical Center Medbase Abtwil verweist auf den Zustand der nichtfunktionellen Überbelastung (NFOR), bei dem sich der Organismus trotz Pausen nicht mehr erholt und die sportliche Leistungsfähigkeit stetig sinkt.

NFOR gilt als Vorstufe des vollen Übertrainingssyndroms. Zu den typischen Warnsignalen zählen anhaltende Müdigkeit, das Gefühl schwerer Beine, Schlafprobleme, Appetitlosigkeit, Niedergeschlagenheit, wiederkehrende Atemwegsinfekte sowie eine Überforderung bei einfachen Alltagsaufgaben.

Als Ursachen nennt Noack zu intensive Einheiten in kurzen Abständen, übermäßiges Ausdauertraining, ständige Wettkämpfe und mangelnde Erholung – oft verstärkt durch alltäglichen Stress im Beruf, Beziehungsprobleme oder Schlafmangel. Besonders gefährdet seien Freizeitsportler, die ohne professionelle Betreuung trainieren; manche absolvieren zehn bis zwölf Stunden Sport pro Woche neben einer Vollzeitbeschäftigung.

Eine Diagnose lässt sich nach Angaben von Sportpsychologe Daniel Birrer von der Eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen weder über ein einzelnes Blutbild noch über Bildgebungsverfahren stellen. Sie erfolgt stattdessen über den Ausschluss anderer Erkrankungen wie Eisenmangel, Infektionen oder Schilddrüsenstörungen.

Birrer empfiehlt bei Alarmzeichen eine drastische Reduktion oder Trainingspause. Zeige sich nach zwei Wochen keine Besserung, sei von NFOR oder einem Übertrainingssyndrom auszugehen. Die Erholung könne je nach Ausprägung Wochen oder gar Monate in Anspruch nehmen.

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Akute Gefahr: Muskelschäden und Nierenversagen

Extreme Belastungsspitzen können zudem lebensbedrohliche Notfälle auslösen. Bei einer sogenannten Rhabdomyolyse zerfallen Skelettmuskelfasern rapide, wodurch Muskelproteine ins Blut gelangen. An der Klinik Shenzhen Xinhua wurden zwei 25-jährige Frauen nach hochintensivem Krafttraining stationär behandelt.

Bei einer Patientin lag der Kreatinkinase-Wert (CK) bei 149954 U/L – dem Hundertfachen des Normalwerts –, begleitet von Hypokaliämie. Bei der zweiten Patientin, die an Morbus Crohn und Thalassämie litt, betrug der CK-Wert 50554 U/L bei einem Myoglobinwert von über 2000 ng/mL und einer Leberfunktionsstörung. Beide erholten sich durch intensive Flüssigkeitszufuhr und Urinalkalisierung.

Die Nephrologin Wen Ruowei von der Klinik Shenzhen Xinhua warnt, dass Menschen mit vorwiegend sitzender Lebensweise besonders gefährdet sind, wenn sie plötzlich hochintensive Beinübungen absolvieren und bei starkem Schwitzen zu wenig trinken.

Die Klinik verweist auf die klassische Symptom-Trias der Rhabdomyolyse: starke Muskelschmerzen, deutliche Muskelschwäche und teebrauner oder sojasoßenfarbener Urin. Bei dunklem Urin und schweren Schmerzen ist umgehend die Notaufnahme aufzusuchen.

Eine multizentrische Studie von Liu et al. (EClinicalMedicine 2025) verdeutlicht die Schwere solcher Verläufe: In der untersuchten Ableitungskohorte lag die Inzidenz eines akuten Nierenschadens (AKI) bei 69,4 Prozent, 12,1 Prozent benötigten eine Nierenersatztherapie, und die Krankenhaussterblichkeit betrug 9,8 Prozent.

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Risiken bei neuen Trends und Extrembelastungen

Auch Trendsportarten erfordern eine sorgfältige Steuerung. Chefarzt Ma Yong von der Peking-Universitätsklinik Nr. 3 weist bezüglich des HYROX-Formats – bestehend aus acht Mal einem Kilometer Laufen im Wechsel mit acht Kraftstationen – darauf hin, dass die Herzfrequenz durchgehend hoch bleibt. Ohne Vorbereitung steige bei zunehmender Ermüdung das Verletzungsrisiko drastisch.

Auch Ma Yong warnt vor Belastungs-Rhabdomyolyse bei Muskelschmerz, Schwellung und Urinveränderungen. Notfallmediziner Ma Xiao betont zudem die Gefahr von Hitzeschäden bei unzureichenden Pausen, während Kardiologe Chen Dapeng auf die hohe kardiovaskuläre Last verweist, die insbesondere bei Infekten zu Myokarditis führen kann.

Besondere Vorsicht gilt laut der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) auch beim EMS-Training: Die Fachgesellschaft rät im Breitensport davon ab und empfiehlt die Anwendung nur unter medizinischer Anleitung; Stefan Knecht rät zu maximal ein bis zwei Einheiten wöchentlich. Forscher der Sporthochschule Köln stellten fest, dass der CK-Anstieg bei EMS bis zu 18 Mal höher ausfallen kann als bei herkömmlichem Training.

Fachärzte empfehlen für anspruchsvolle Belastungen eine schrittweise Vorbereitung: Die wöchentliche Trainingssteigerung sollte maximal zehn Prozent betragen. Ausreichende Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr sowie Erholungstage sind essenziell. Bei Symptomen wie Brustschmerzen, Schwindel, anhaltenden Schwellungen oder auffälligem Urin muss die Belastung sofort beendet und ein Arzt konsultiert werden.

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