Eiweiß in Lebensmitteln: Verfahren aus dem 19. Jahrhundert verzerrt Werte
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 12:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die auf Lebensmittelverpackungen ausgewiesenen Nährwerte stimmen nicht zwingend mit der tatsächlich verwertbaren Eiweißmenge überein. Laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 28. September 2026 könnten die Proteinwerte in Lebensmitteln wie Quark, Erdnüssen und Steak niedriger ausfallen als deklariert.
Ursache hierfür ist die gängige Praxis der Nährwertbestimmung, die in der Lebensmittelbranche weiterhin auf einem analytischen Verfahren aus dem 19. Jahrhundert basiert. Bei diesen traditionellen Methoden wird meist der Gesamtstickstoffgehalt gemessen und über standardisierte Faktoren auf den Proteingehalt hochgerechnet, was zu Abweichungen führen kann.
Zufuhrempfehlungen und Nährstoffbedarf
Trotz der methodischen Unschärfen bleibt Eiweiß ein zentraler Baustein der Ernährung. Als Mindestzufuhr nannte der Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mindestens 0,8 Gramm Protein je Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Diese Richtlinie deckt sich mit den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).
Demnach benötigen Erwachsene im Alter von 19 bis 65 Jahren rund 0,8 Gramm Protein je Kilogramm Körpergewicht täglich. Bei körperlich aktiven Menschen kann der Bedarf laut DGE auf etwa 1,2 bis 1,6 Gramm pro Kilogramm steigen.
Einem Bericht von fitforfun.de vom 27. September 2026 zufolge ergibt sich bei einem Körpergewicht von 67 Kilogramm ein Basisbedarf von rund 55 Gramm Eiweiß, der sich bei regelmäßigem Training auf 80 bis 100 Gramm erhöht. Als vorteilhafte Proteinquellen gelten unter anderem Skyr, Joghurt, Quark, Tofu, Eier und Hülsenfrüchte.
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Gehalte in tierischen und pflanzlichen Quellen
Für die tägliche Zufuhr stehen unterschiedliche Nahrungsmittel zur Verfügung. Laut einer Aufstellung von wochentlich.de vom 26. September 2026 belaufen sich die Nährwerte bei tierischen Lebensmitteln je 100 Gramm auf:
- Eier: ca. 13 Gramm
- Hähnchenbrust: 31 Gramm
- Putenbrust: 29 Gramm
- Mageres Rind: 26 Gramm
- Frischer Thunfisch: 25 Gramm
- Lachs: 20 Gramm
- Kabeljau: 18 Gramm
- Magerquark: 13 bis 14 Gramm
- Parmesan: 35 Gramm
- Emmentaler: 29 Gramm
Bei pflanzlichen Quellen nennt dieselbe Quelle je 100 Gramm folgende Werte:
- Erbsenproteinpulver: 80 Gramm
- Seitan: 75 Gramm
- Sojabohnen: 36 Gramm
- Getrocknete Linsen: 25 Gramm
- Kidneybohnen: 24 Gramm
- Fester Tofu: 15 bis 20 Gramm
- Kichererbsen: 19 Gramm
- Chiasamen: 17 Gramm
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Markttrends und Entwicklungen bei Milchprodukten
Der anhaltende Ernährungstrend beeinflusst zugleich die Agrarmärkte. Laut der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) treibt der Proteinboom die Nachfrage nach Molkenproteinkonzentrat spürbar an.
Gleichzeitig steht die Rohstoffversorgung unter Druck: Der Milchindustrie-Verband (MIV) verzeichnete einen Milchpreis, der rund ein Viertel unter dem Vorjahreszeitraum und damit auf einem Fünfjahrestief lag.
Dürreperioden in Deutschland und Europa verringerten regional die Anlieferungsmengen; zudem erwarten Fachleute infolge eines starken El-Niño-Effekts eine deutliche Abschwächung des weltweiten Angebots. In Süddeutschland standen manchen Betrieben 30 bis 40 Prozent weniger Futter zur Verfügung, während Zukäufe für Heu und Stroh regional um bis zu 50 Prozent teurer wurden.
Vor Beginn der Verhandlungen zur sogenannten „Weißen Linie“ forderte der MIV daher dringend erhebliche Preissteigerungen für Trinkmilch, Joghurt und Quark, ohne konkrete Verhandlungszahlen zu nennen. Wie der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) mitteilte, gehen derweil 49 Prozent der in Deutschland erzeugten Milchprodukte in den Export.
Auf Verbraucherebene kostete frische Vollmilch zuletzt rund 95 Cent pro Liter, während sich Eigenmarkenbutter Mitte September um 14 Cent auf 1,19 Euro je 250-Gramm-Packung verteuerte, nachdem die Preise Ende 2025 zeitweise unter einen Euro gefallen waren.
