Digitaler Euro: Europäisches Parlament stimmt am 23. Juni ab
05.06.2026 - 22:15:35 | boerse-global.de
Der Wirtschafts- und Währungsausschuss (ECON) des Europäischen Parlaments wird am 23. Juni 2026 über die entscheidende Gesetzgebung abstimmen. Eine informelle Probeabstimmung im Februar hatte bereits überwältigende Zustimmung für sowohl die Online- als auch die Offline-Version der digitalen Zentralbankwährung (CBDC) signalisiert.
Piero Cipollone, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB), zeigt sich zuversichtlich, die nötige politische Rückendeckung zu erhalten. Der digitale Euro gilt längst nicht mehr als bloße Zahlungsalternative – er wird als zentraler Baustein der europäischen Souveränität verstanden.
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Pilotprojekt für Mitte 2027 geplant
Während die politischen Prozesse laufen, treibt die EZB die technischen Vorbereitungen voran. Ein Pilotprogramm ist für Mitte 2027 geplant. Rund 50 Zahlungsdienstleister haben sich bereits beworben. Die endgültige Auswahl der Teilnehmer wird für Juli 2026 erwartet. Zunächst soll der Test auf Mitarbeiter des Eurosystems beschränkt bleiben.
Sollte der Zeitplan halten, ist ein vollständiger kommerzieller Start des digitalen Euro für 2029 vorgesehen. Die Botschaft aus Brüssel ist klar: Der digitale Euro soll private Lösungen ergänzen, nicht ersetzen – aber die Unabhängigkeit der europäischen Finanzinfrastruktur sichern.
Technologie-Souveränität als übergeordnete Strategie
Die Fortschritte beim digitalen Euro fallen mit einer umfassenderen Initiative zusammen: Am 3. Juni 2026 präsentierte die EU-Kommission ihr Technologiesouveränitätspaket. Ziel ist es, die Abhängigkeit von US-amerikanischen und asiatischen Technologien zu reduzieren – insbesondere in den Bereichen Cloud-Computing, künstliche Intelligenz (KI) und Halbleiter.
Kernstücke des Pakets sind der Cloud- und KI-Entwicklungsakt sowie der Chips Act 2.0. Die Kommission will die Rechenzentrumskapazität der EU innerhalb von fünf bis sieben Jahren verdreifachen. Neue Regeln sehen vier Stufen digitaler Souveränität bei öffentlichen Ausschreibungen vor. Die höchste Stufe würde nicht-europäischen Firmen den Zugang zu sensiblen Aufträgen in den Bereichen Verteidigung und Gesundheit verwehren.
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Ein symbolträchtiger Schritt folgte am 4. Juni 2026: Das Europäische Parlament stellte seine Standardsuchmaschine von Google auf den französischen Dienst Qwant um. Die Änderung betrifft die in der Institution genutzten Browser Microsoft Edge und Mozilla Firefox.
Banken setzen auf eigene Stablecoin-Projekte
Während der öffentliche Sektor voranschreitet, treiben private Finanzinstitute eigene digitale Projekte voran – gestützt auf die europäische MiCA-Verordnung (Markets in Crypto-Assets).
Ein Konsortium um Bancomat und neun italienische Banken – darunter Intesa Sanpaolo, Banco BPM, BPER und Banca Generali – entwickelt einen Euro-gebundenen Stablecoin namens „Eur.Bank“. Interne Tests sollen im Juli 2026 beginnen. Parallel entsteht eine digitale Geldbörse, die traditionelle Euro, digitale Euro und tokenisiertes Geld aufnehmen kann.
Auch die französische Société Générale treibt ihren Euro-Stablecoin EURCV voran – mit Unterstützung mehrerer Blockchain-Netzwerke, darunter XRP Ledger, Ethereum und Solana. Branchenbeobachter erwarten, dass die nächsten 18 Monate im Zeichen der Skalierung stehen. Die regulatorischen Rahmenbedingungen in Europa und den USA werden dabei zum entscheidenden Faktor.
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