Demenzschutz, Tägliches

Demenzschutz: Tägliches Gehen senkt Risiko um 40 Prozent

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 03:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen: Bewegung, geistige Anregung und veränderbare Risiken beeinflussen die Demenzprävention, während manche Zusammenhänge noch unklar sind.

Demenz vorbeugen: Bewegung, Lesen und geistige Aktivität im Fokus
Ein friedlicher, bewaldeter Pfad bei Sonnenaufgang, der zu täglichen Spaziergängen in der Natur einlädt. Illustration mit AI erstellt.

Regelmäßige körperliche Aktivität, insbesondere tägliches Gehen, kann den kognitiven Abbau bei Senioren maßgeblich verlangsamen. Während Bewegungsmangel und Insulinresistenz das Risiko für geistige Beeinträchtigungen erhöhen, zeigen aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen, dass ein aktiver Lebensstil präventiv wirkt. Laut einer im British Journal of Sports Medicine im Jahr 2024 veröffentlichten Studie senkt regelmäßige Aktivität das Demenzrisiko um bis zu 40 %.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zu Bewegung und Alltagsgewohnheiten

Untersuchungen in JAMA Neurology verdeutlichen, dass fünf spezifische Lebensgewohnheiten die kognitive Leistungsfähigkeit selbst dann schützen können, wenn Anzeichen von Alzheimer vorliegen. Dazu zählen Nichtrauchen sowie mindestens 150 Minuten Sport pro Woche, idealerweise verteilt auf mindestens 30 Minuten an fünf Tagen. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, die Ablagerung von Beta-Amyloid im Gehirn zu reduzieren.

Weitere Faktoren wurden auf der ASN-Tagung 2025 konkretisiert. Demnach senken kognitives Training sowie die sogenannte MIND-Diät das Demenzrisiko jeweils um 25 %. Beim Alkoholkonsum wird empfohlen, die Menge auf maximal ein Getränk pro Tag bei Frauen und zwei bei Männern zu begrenzen.

Hinsichtlich der täglichen Schrittmenge zeigen Daten der Monash University und der University of Sydney, die auf der UK Biobank mit 64.743 Teilnehmern basieren, dass sowohl eine höhere Anzahl langsamer Schritte als auch weniger Schritte in schnellem Tempo das Risiko eines vorzeitigen Todes um bis zu 43 % senken können. Das oft zitierte Ziel von 10.000 Schritten pro Tag basiert laut Expertenmeinung auf einer japanischen Marketingkampagne für Schrittzähler aus den 1960er Jahren und nicht auf ursprünglichen wissenschaftlichen Vorgaben.

Die Rolle digitaler Technologien und geistiger Stimulation

Neben körperlicher Betätigung beeinflusst die geistige Aktivität die Gehirngesundheit. Eine im Jahr 2025 in Nature Human Behaviour veröffentlichte Metaanalyse, die 19 Kohortenstudien mit insgesamt 411.503 Erwachsenen ab 50 Jahren auswertete, belegt positive Effekte digitaler Technologien.

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Die regelmäßige Nutzung senkt das Risiko kognitiver Störungen um 58 % (Odds Ratio 0.42) und verlangsamt den Rückgang der geistigen Leistungsfähigkeit um 26 % (Hazard Ratio 0.74). Diese Ergebnisse blieben auch unter Berücksichtigung von Bildung, Einkommen und sozialer Aktivität stabil.

Auch das Lesen zum Vergnügen wird als protektiver Faktor angeführt. Eine Übersichtsarbeit der Universität Cambridge in Psychological Medicine zeigt, dass diese Tätigkeit die psychische Gesundheit fördert und das Demenzrisiko reduziert.

Eine spezifische Studie mit fast 5.500 Erwachsenen ab 55 Jahren belegt, dass das Lesen von Zeitungen oder Büchern das Alzheimer-Risiko um 33 % senken kann. Bei Jugendlichen führt regelmäßiges Lesen laut einer Untersuchung mit über 10.000 Teilnehmern zu besserer Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistung, während bereits fünf Minuten Belletristik das Stresslevel um bis zu 20 % senken können.

Beeinflussbare Risikofaktoren und gesellschaftliche Akzeptanz

Die Lancet Commission identifizierte im Jahr 2024 insgesamt 14 modifizierbare Risikofaktoren, zu denen auch Depressionen und soziale Isolation gehören. Theoretisch ließen sich rund 45 % der Demenzfälle durch die gezielte Beeinflussung dieser Faktoren verzögern oder verhindern. Die Uniklinik Freiburg weist im Zusammenhang mit dem Welt-Alzheimertag zudem auf die Bedeutung der Behandlung von Bluthochdruck und Diabetes hin.

Eine Umfrage des Instituts Forsa im Auftrag der DAK unter 1.043 Personen im August 2026 ergab, dass das Bewusstsein für ein langes, gesundes Leben („Longevity“) wächst.

Rund 50 % der Befragten kannten den Begriff, und 69 % sahen in entsprechenden Maßnahmen großes Potenzial. 74 % gaben an, für eine längere Gesundheit mehr Sport treiben zu wollen, während 71 % soziale Kontakte pflegen und 62 % Gehirntraining betreiben würden.

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Als größte Hürden wurden Zeitmangel (40 %), fehlende Motivation (35 %) und Kosten (22 %) genannt. Bei Gesundheitsfragen vertrauen 90 % der Befragten Ärzten, während Influencer lediglich für 4 % eine vertrauenswürdige Quelle darstellten.

Medizinische Voraussetzungen und ergänzende Aspekte

Für moderne Antikörper-Therapien gegen Alzheimer ist ein frühes Krankheitsstadium Voraussetzung. Zudem sind eine präzise neurologische und genetische Diagnostik sowie der Verzicht auf starke Blutverdünner erforderlich.

In der Zahnmedizin wird zudem über einen Zusammenhang zwischen Kauen und Demenzschutz diskutiert. Die Evidenz hierfür gilt jedoch als schwach. Ein Überblicksartikel aus dem Jahr 2023 zeigte nur in einem Bruchteil der untersuchten Studien einen signifikanten Zusammenhang nach Berücksichtigung von Störfaktoren.

Experten der Universität Bonn wiesen darauf hin, dass Parodontitis zwar mit kognitiven Beeinträchtigungen assoziiert ist, eine klare Kausalität jedoch bisher nicht belegt werden konnte. In den Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) findet die Mundgesundheit als Demenz-Präventionsfaktor bislang keine Erwähnung.

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