Demenzprävention, WHO

Demenzprävention: WHO nennt 14 Risikofaktoren und bis zu 45 Prozent

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 21:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de

WHO-Daten zufolge könnten 45 Prozent der Demenzfälle durch die Verringerung von 14 Risikofaktoren verhindert oder verzögert werden.

Demenzprävention: Bewegung und Lernen stärken die kognitive Reserve
Abstrakte Darstellung neuronaler Netzwerke und Verbindungen in einem dunklen, stimmungsvollen Raum mit Lichtakzenten. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle neurowissenschaftliche Analysen verdeutlichen, wie stark die kognitive Fitness und der Schutz vor Demenzerkrankungen durch individuelle Erfahrungen, Lernprozesse und bisher oft unterschätzte Faktoren geprägt werden. Das menschliche Gehirn erweist sich dabei als hochgradig anpassungsfähig, wobei sowohl kurzfristige Lernprozesse als auch lebenslange Hobbys und soziale Interaktionen die neuronale Struktur maßgeblich formen.

Die Plastizität des Gehirns als Schutzmechanismus

Die neurowissenschaftliche Forschung zeigt, dass sich das Gehirn durch Erfahrungen und Lernen individuell entwickelt. Diese Anpassungsfähigkeit, auch Plastizität genannt, ermöglicht es dem Organismus, auf neue Informationen oder veränderte Lebensumstände zu reagieren.

Prominente Beispiele hierfür sind Londoner Taxifahrer, die aufgrund der Anforderungen des komplexen Straßennetzes über besonders ausgeprägte Hirnstrukturen im Bereich des räumlichen Gedächtnisses verfügen. Ähnliche Effekte zeigen sich bei blinden Menschen, bei denen Hirnareale für andere Sinneseindrücke stärker ausgebildet werden.

Auch nach medizinischen Einschnitten wie Schlaganfällen, Entzündungen oder Schädel-Hirn-Traumata kann das Gehirn durch Rehabilitation und gezielte Übungen – etwa im Rahmen einer Spiegeltherapie – Funktionen neu organisieren. Zwar nimmt diese Anpassungsfähigkeit im Laufe des Lebens ab, sie bleibt jedoch bis ins hohe Alter grundsätzlich erhalten.

Beeinflussbare Risikofaktoren im Fokus der Prävention

Ein wesentlicher Teil der aktuellen Forschung befasst sich mit der Prävention von Demenz. Ein im Juli 2026 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichtes Factsheet, das auf Daten des Lancet Commission Reports (aktualisiert 2024) basiert, weist darauf hin, dass bis zu 45 % aller Demenzfälle weltweit verhindert oder verzögert werden könnten. Dies setzt voraus, dass 14 spezifische Risikofaktoren über die gesamte Lebensspanne hinweg konsequent minimiert werden.

Zu diesen Faktoren zählen neben klassischen medizinischen Aspekten wie Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht (BMI ab 25) und hohem Cholesterinspiegel auch Umwelt- und Lebensstilfaktoren. Besonders hervorgehoben werden Hörprobleme, Sehschwäche, geringe Bildung, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum (mehr als 24 Gramm täglich) sowie soziale Isolation und Depressionen.

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Der Neurowissenschaftler Martin Korte rät in diesem Zusammenhang zu einer differenzierten Verhaltensanalyse, da bestimmte Faktoren in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer unterschätzt würden. So erhöht beispielsweise soziale Isolation das Risiko statistisch um 26 %, während ein unversorgter Hörverlust die Gefahr um etwa 20 % steigert.

Bewegung und Ernährung als Säulen der kognitiven Reserve

Studien belegen den hohen Stellenwert körperlicher Aktivität. Die Harvard Aging Brain Study, die Ergebnisse über einen Zeitraum von 14 Jahren bei Probanden im Alter von 50 bis 90 Jahren sammelte, zeigt deutliche Zusammenhänge: Täglich 3.000 bis 5.000 Schritte können den kognitiven Verfall im Schnitt um rund drei Jahre verlangsamen.

Bei 5.000 bis 7.500 Schritten liegt dieser Wert bei bis zu sieben Jahren. Ergänzend dazu deuten Ergebnisse der belgischen PASOCA-Studie darauf hin, dass bereits die Verlagerung von 30 Minuten leichter Aktivität hin zu moderater bis intensiver Bewegung die exekutiven Funktionen stabilisieren kann.

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Auch die Ernährung spielt eine zentrale Rolle. Eine Untersuchung des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) zeigt, dass verschiedene gesunde Ernährungsstile – darunter die mediterrane Diät, die DASH-Diät oder die MIND-Diät – mit einem langsameren biologischen Altern einhergehen. Die MIND-Diät scheint dabei spezifisch positive Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten und das Gedächtnis zu haben.

Neue Ansätze in Forschung und Therapie

In der Wissenschaft werden zudem innovative Ansätze erprobt, um die Gehirngesundheit zu fördern. Ein von 2025 bis 2029 angelegtes Forschungsprojekt der Universität Wien unter Leitung der Psychologin Anja-Xiaoxing Cui untersucht etwa, ob das Erlernen neuer Lieder durch Gesangsunterricht das Gedächtnis von Alzheimer-Patienten verbessern kann.

Gleichzeitig haben sich im Bereich der medikamentösen Behandlung Fortschritte ergeben. Für Patienten in einem frühen Stadium der Alzheimer-Erkrankung stehen erstmals zwei Antikörper-Therapien zur Verfügung, die das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen können. Diese Behandlungen erfordern jedoch eine präzise Frühdiagnostik mittels Biomarkern und regelmäßige Überwachungen durch bildgebende Verfahren.

Zusammenfassend weisen Experten darauf hin, dass neben medizinischen Interventionen vor allem ein aktiver Lebensstil mit ausreichender Bewegung, mindestens sechs Stunden Schlaf pro Nacht und stetiger geistiger Anregung die besten Voraussetzungen bietet, um die kognitive Reserve bis ins hohe Alter zu schützen.

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