Copilot, Cowork

Copilot Cowork: Microsoft bringt ERP per Sprachbefehl

19.06.2026 - 20:08:21 | boerse-global.de

Microsoft führt mit Copilot Cowork agentische KI für ERP-Aufgaben ein. Das System arbeitet mit einem verbrauchsbasierten Preismodell.

Microsoft Copilot Cowork: ERP-Steuerung per Sprachbefehl startet
Copilot - A glowing AI brain visually integrating with abstract business data and ERP interface elements on a digital display. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Microsoft hat am 16. Juni 2026 die allgemeine Verfügbarkeit von Copilot Cowork bekanntgegeben – einem System, das ERP-Aufgaben per Sprachbefehl erledigt.

Der Schritt markiert einen Wendepunkt in der Unternehmenssoftware: Statt nur Text zu generieren, führen die neuen „agentischen" KI-Systeme eigenständig komplexe Geschäftsprozesse aus. Nach einer dreimonatigen Testphase können Unternehmen nun Dynamics-365-Functions direkt in Microsoft 365 Copilot nutzen.

Anzeige

Die neuen agentischen KI-Systeme revolutionieren zwar die Effizienz, bringen aber auch komplexe regulatorische Anforderungen durch den EU AI Act mit sich. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden hilft Unternehmen, Risikoklassen und Dokumentationspflichten ihrer KI-Lösungen rechtssicher zu managen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt

ERP per natürlicher Sprache

Die Integration bringt Enterprise-Resource-Planning-Anwendungen in die gewohnte Office-Umgebung. Nutzer können etwa Bestellungen auslösen, Lagerbestände prüfen oder Finanzdaten abfragen – ohne ein einziges Menü zu öffnen. Microsoft-Manager Georg Glantschnig spricht von einer „fundamental neuen Schnittstelle" für ERP-Systeme.

Das System zielt nicht nur auf individuelle Produktivität, sondern auf die Überwindung von Engpässen in Betriebsabläufen. Neben den Microsoft-eigenen Tools stehen Plugins von Partnern wie Harvey, Moody's, Morningstar und S&P Global Energy bereit. Auch der Website-Bauer Wix hat seinen KI-Assistenten Harmony in Copilot integriert – seit dem 15. Juni können Nutzer Webseiten über Teams und Outlook verwalten.

Abrechnung nach Verbrauch

Mit Copilot Cowork führt Microsoft ein neues Preismodell ein: Statt Pauschalgebühren zahlen Unternehmen künftig pro Nutzung. Das System arbeitet mit sogenannten Copilot Credits – etwa 0,01 Euro pro Credit im Pay-as-you-go-Modell. Voraussetzung ist eine Microsoft-365-Copilot-Lizenz für umgerechnet rund 28 Euro pro Nutzer und Monat.

Der Schritt spiegelt die steigenden Kosten für KI-Interaktionen wider. Laut EY-Daten stiegen die Kosten pro KI-Interaktion von 0,04 Euro im Jahr 2023 auf 1,20 Euro im Jahr 2026. Microsoft-Manager Charles Lamanna betont: „Unbegrenzte Preismodelle sind für agentische Werkzeuge nicht mehr tragfähig." GitHub Copilot war bereits am 1. Juni auf eine tokenbasierte Abrechnung umgestiegen.

Anzeige

Parallel zu den technologischen Chancen wachsen die Anforderungen an die IT-Sicherheit und die Einhaltung neuer gesetzlicher Vorgaben im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche rechtlichen Pflichten und Cyberrisiken Unternehmer jetzt kennen müssen, um ihre Firma langfristig zu schützen. Neue KI-Gesetze, neue Cyberrisiken: Was kommt wirklich auf Ihr Unternehmen zu?

Microsoft prüft DeepSeek als günstige Alternative

Aktuell betreibt Microsoft seine KI-Systeme mit Anthropics Claude Opus 4.8 und Sonnet 4.6, während GPT-5.5 in der Frontier-Vorschau zum Einsatz kommt. Doch das Unternehmen evaluiert offenbar eine kostengünstigere Option: feinabgestimmte Versionen von DeepSeek V4.

Das chinesische Open-Source-Modell bietet deutlich niedrigere Token-Preise als führende US-Modelle. Allerdings zeigten Tests des US-Instituts NIST CAISI vom Mai 2026, dass DeepSeek den US-Konkurrenten leistungstechnisch mehrere Monate hinterherhinkt. Eine endgültige Entscheidung über die Integration steht in den kommenden Wochen an – abhängig von technischen Tests und Sicherheitsprüfungen. Besonders die Datenverarbeitung und rechtliche Risiken im Zusammenhang mit chinesischen Gesetzen zur Informationssicherheit stehen unter genauer Beobachtung.

KI-Agent im Einsatz: Vom Düngemittelwerk bis zum PC-Einkauf

Microsoft demonstrierte diese Woche die praktische Anwendung der Agenten. Am 18. Juni startete das Unternehmen gemeinsam mit Kongsberg Digital ein Projekt in einem norwegischen Düngemittelwerk. Dort überwacht ein agentisches KI-System mit digitalen Zwillingen den Zustand von Anlagen und schlägt Lastreduzierungen vor – mit dem Potenzial für erhebliche Energieeinsparungen und CO2-Reduktionen.

Intern setzt Microsoft seit dem 18. Juni einen KI-Agenten namens „Eddie" ein, der die PC-Beschaffung für 200.000 Mitarbeiter weltweit steuert. Der auf Azure OpenAI und ServiceNow basierende Agent verkürzte in der Pilotphase die Beschaffungszyklen von knapp sechs Tagen auf weniger als 1,5 Tage – indem er Hardware- und Budgetrichtlinien in Echtzeit durchsetzt.

Branche bewegt sich in Richtung Agenten-Standard

Der Trend zu autonomen KI-Assistenten erfasst die gesamte Softwarebranche. Erst am 19. Juni präsentierte SAP sein AI Workflow Studio – ein Werkzeug, das integrierte Workflows für S/4HANA und SuccessFactors per natürlicher Sprache erstellt.

Zudem haben sich Microsoft, Google, Salesforce und ServiceNow auf das Agentic Resource Discovery (ARD) Protocol geeinigt. Dieser Standard soll es verschiedenen Unternehmensanwendungen ermöglichen, KI-Funktionen plattformübergreifend zu entdecken und zu verbinden – eine Erweiterung bestehender Frameworks wie des Model Context Protocol.

de | wissenschaft | 69584847 |