Demenz, Verhaltensauffälligkeiten

Demenz: Verhaltensauffälligkeiten nehmen innerhalb eines Jahres deutlich zu

19.06.2026 - 20:08:21 | boerse-global.de

FAU-Studie belegt deutliche Zunahme von Verhaltensauffälligkeiten bei Demenzkranken innerhalb eines Jahres. Experten fordern mehr ambulante Hilfen.

Demenz-Studie: Pflegende Angehörige zunehmend belastet
Demenz - Eine pflegende Hand hält sanft die Hand eines älteren Menschen, was häusliche Demenzpflege und ihre Herausforderungen symbolisiert. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Eine neue Studie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) zeigt: Verhaltensauffälligkeiten nehmen innerhalb eines Jahres deutlich zu. Besonders betroffen sind pflegende Angehörige, die immer stärker belastet werden.

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Psychische Symptome nehmen rasant zu

Die FAU-Forscher untersuchten 368 Teilnehmer mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen oder leichter bis mittelschwerer Demenz. Das Durchschnittsalter lag bei 80 Jahren. Über zwölf Monate dokumentierten sie eine deutliche Zunahme psychischer Symptome.

Unruhe, Teilnahmslosigkeit und Schlafstörungen traten am häufigsten auf. Überraschend: Männer zeigten anfangs stärkere Symptome. Doch dieser Unterschied verschwand, sobald Alter, Bildung und Schweregrad der Demenz berücksichtigt wurden. Das Geschlecht ist also kein isolierter Risikofaktor.

Die Wissenschaftler fordern den Ausbau ambulanter Unterstützungsstrukturen. Denn die Belastung für pflegende Angehörige steigt kontinuierlich.

Dramatische Prognose bis 2060

Bundesweit sind rund 1,8 Millionen Menschen von Demenz betroffen – allein 125.000 in Hessen. Besonders brisant: Die Prognosen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) für Sachsen-Anhalt.

Demnach steigt die Prävalenz dort von 2,1 Prozent (2020) auf 3,9 Prozent im Jahr 2060 – der höchste Wert im Bundesvergleich. Im Landkreis Stendal könnte sie sogar 5,6 Prozent erreichen.

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Noch alarmierender ist die sinkende Versorgungsrelation: Kamen 2020 noch 29 Erwerbsfähige auf einen Demenzfall, werden es 2060 voraussichtlich nur noch zwölf sein. Die gute Nachricht: Gezielte Präventionsmaßnahmen könnten den Anteil auf 2,4 bis 2,9 Prozent begrenzen.

Wenn Freunde und Nachbarn pflegen

Nicht nur Familienangehörige übernehmen die Pflege. Immer mehr Freunde, Nachbarn und Bekannte springen ein. Das Forschungsprojekt NOCA der Palliativmedizin des Uniklinikums Erlangen untersucht ihre Situation.

Die ersten Ergebnisse sind ernüchternd: Diese Helfer leiden oft unter Zeitmangel für die eigene Selbstfürsorge. Zudem fehlen gezielte Informations- und Beratungsangebote für Nicht-Verwandte. Das Projekt, eine Kooperation mit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), fordert die Integration dieser informellen Pflegenetzwerke in das professionelle Beratungssystem.

Musik als Brücke zur Kommunikation

In der Praxis gewinnen komplementäre Ansätze an Bedeutung. Ein Beispiel: In Gevelsberg spendete jüngst jemand ein Klavier an eine Tagespflegeeinrichtung. Der Hintergrund: Das Musikgedächtnis bleibt auch bei fortgeschrittener Demenz oft lange erhalten und kann als Brücke zur Kommunikation dienen.

Das Sozialamt Limburg-Weilburg plant für Herbst 2026 Informationswochen. Das Programm umfasst Workshops zu basaler Stimulation und Seelenentlastung sowie Beratungen zur Wohnraumanpassung. Ziel ist es, den Verbleib in der eigenen Wohnung so lange wie möglich zu sichern.

de | wissenschaft | 69584850 |