Chronische Entzündungen: 30 Pflanzen pro Woche senken Risiko um 31%
Veröffentlicht: 17.07.2026 um 04:55 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Studien aus dem Jahr 2026 zeigen: Ernährung, Umweltgifte und sogar die Mundhygiene spielen eine weit größere Rolle als bislang angenommen.
30 Pflanzen pro Woche senken Entzündungsrisiko deutlich
Eine Studie der Tufts University mit über 15.000 Teilnehmenden belegt: Wer mindestens 30 verschiedene Pflanzenarten pro Woche isst, senkt sein Risiko für Krankenhausaufenthalte wegen entzündlicher Erkrankungen um 31 Prozent. Die Botschaft ist klar: Eine diverse, pflanzliche Ernährung stabilisiert das Immunsystem.
Doch Vorsicht vor Oxalat. Wissenschaftler der Charité Berlin warnen im Fachmagazin Cardiovascular Research (2026) vor einer oxalatreichen Ernährung. In Modellversuchen aktivierte hohe Oxalatkonzentration das Zytokin IL-17A – mit Folgen: Nierenfibrosen und Herzfunktionsstörungen wurden begünstigt. Bei Patienten mit Hyperoxalurie fanden die Forscher ebenfalls erhöhte IL-17A-Spiegel.
Mikroplastik im Blut: Alarmierende Zahlen bei Herzinfarkt-Patienten
Die Umwelt hinterlässt Spuren im Körper. Eine Studie im European Heart Journal (2026) zeigt: Bei 84 Prozent der untersuchten Herzinfarktpatienten fand sich Mikroplastik im Koronarblut. In der gesunden Vergleichsgruppe waren es nur 31,8 Prozent. Höhere Partikelkonzentrationen gingen mit erhöhten Werten der Entzündungsmarker IL-6 und TNF-? einher.
Auch Pilze spielen eine Rolle. Forscher berichten in Immunity (2026): Candida-spezifische Th17-Zellen, die ursprünglich in der Mundschleimhaut entstehen, wandern bei Morbus-Crohn-Patienten in den Darm. Dort werden sie pathogen und treiben die chronische Entzündung voran. Als Therapieansätze diskutieren Mediziner Anti-IL-23-Therapien und ?4?7-Integrin-Antagonisten.
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Parodontitis-Bakterien in verkalkten Herzklappen nachgewiesen
Die Mundgesundheit beeinflusst das ganze Herz-Kreislauf-System. In der Fachzeitschrift AHA Basic Cardiovascular Sciences (2026) wiesen Forscher das Bakterium Porphyromonas gingivalis – Erreger der Parodontitis – in verkalkten Aortenklappen nach. Das Bakterium fördert offenbar über das Zytokin IL-1? die Kalkablagerungen. Der Zusammenhang zwischen Zahnfleisch und Herz wird damit immer deutlicher.
Stille Entzündungen erkennen: Diese Warnsignale gibt es
Chronische, „stille“ Entzündungen zu identifizieren, bleibt eine Herausforderung. Mediziner nennen typische Anzeichen:
- Anhaltende Erschöpfung
- Morgendliche Gelenksteifigkeit
- Hautveränderungen
- Kognitive Beeinträchtigungen („Brain Fog“)
- Hartnäckiges viszerales Bauchfett
Laborchemisch sind die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG/ESR) und das C-reaktive Protein (CRP) die zentralen Marker. Eine ESR über 100 mm/h gilt als dringendes Warnsignal – dann müssen Infektionen, Vaskulitis oder maligne Erkrankungen wie das Myelom abgeklärt werden. Normwerte: Männer unter 50 Jahren unter 15 mm/h, Frauen unter 20 mm/h.
Corona-Fatigue: Selenmangel als Risikofaktor identifiziert
Eine Studie in Redox Biology (2026) liefert neue Erkenntnisse zur Fatigue nach COVID-19. Von 750 Erwachsenen berichteten 23 Prozent über anhaltende Erschöpfung. Besonders gefährdet waren Patienten mit einer Kombination aus niedrigen Selenspiegeln und spezifischen Autoantikörpern gegen das Selenoprotein P (SELENOP) – ihr Risiko war um den Faktor 2,15 erhöht.
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Neue Therapien: Vom Fledermausprotein bis zu Biologika
Die Behandlung chronischer Entzündungen entwickelt sich rasant. IL-1-Blocker wie Anakinra und Canakinumab wirken bei autoinflammatorischen Erkrankungen wie dem Familiären Mittelmeerfieber (FMF). Ein Fallbericht in ACR Open Rheumatology (2026) dokumentiert zudem den erfolgreichen Einsatz einer Kombination aus Canakinumab und Upadacitinib bei einer Patientin mit rheumatoider Arthritis und seltenem YAO-Syndrom.
Das Unternehmen Paratus Sciences arbeitet an einem neuen Wirkstoff (PS-1001), der auf dem Fledermausprotein ASC2 basiert und Inflammasome hemmen soll. Klinische Studien sind für 2027 geplant – Einsatzmöglichkeiten bei Gicht, Diabetes und Demenz werden geprüft.
Neue Leitlinien: Fokus auf Herz-Niere-Stoffwechsel
Im Juli 2026 veröffentlichten die American Heart Association (AHA) und das American College of Cardiology (ACC) neue Richtlinien zum kardiovaskulär-kidney-metabolischen Syndrom (CKM). Der Fokus liegt verstärkt auf SGLT2-Hemmern und GLP-1-Agonisten. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) legte eine neue S3-Leitlinie zum kardiovaskulären Risiko bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen vor – ein wichtiger Schritt zur besseren interdisziplinären Versorgung von Hochrisikopatienten.
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