Chemo-Brain: Bewegung lindert Konzentrationsstörungen signifikant
12.06.2026 - 12:42:32 | boerse-global.de
Eine neue Studie zeigt jetzt: Bewegung kann helfen.
Das sogenannte „Chemo-Brain“ – ein Zustand kognitiver Einschränkung – belastet viele Patienten massiv. Forscher des Wilmot Cancer Institute an der University of Rochester haben nun einen vielversprechenden Ansatz gefunden. Eine Kombination aus körperlicher Aktivität und medikamentöser Unterstützung könnte die Symptome lindern.
EXCAP-Programm: Gehen und Krafttraining gegen den Nebel
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Die Studie, die am 20. April 2026 im Fachjournal CANCER erschien, untersuchte 86 Patienten mit kognitiven Beschwerden. Unter der Leitung von Prof. Michelle Janelsins testeten die Forscher das EXCAP-Programm (Exercise for Cancer Patients). Es kombiniert Gehen mit Widerstandsübungen – und das Ganze findet zu Hause statt.
Nach sechs Wochen zeigte sich: Die regelmäßige Bewegung verbesserte die Aufmerksamkeit der Patienten signifikant. Im Vergleich zu Kontrollgruppen erwies sich Sport als das konsistenteste Mittel gegen den kognitiven Nebel. Das Programm sei speziell darauf ausgelegt, physische Belastbarkeit mit mentaler Regeneration zu verknüpfen, so die Forscher.
Ibuprofen: Gemischte Ergebnisse
Das Team untersuchte parallel den Einsatz von niedrig dosiertem Ibuprofen. Die Patienten wurden in vier Gruppen aufgeteilt – sie testeten Sport und Medikamente sowohl einzeln als auch in Kombination mit Placebos.
Die Ergebnisse fielen durchwachsen aus. Ibuprofen zeigte zwar Potenzial bei der Verbesserung der Aufmerksamkeit, beim Kurzzeitgedächtnis blieb der Effekt jedoch aus. Die Wirkung des Entzündungshemmers war insgesamt weniger konsistent als die des Bewegungsprogramms. Positiv: Bei der niedrigen Dosierung traten keine Nebenwirkungen auf. Die University of Rochester plant nun größere Phase-III-Studien.
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Digitale Helfer und neue medikamentöse Ansätze
Auch in der Diagnostik tut sich etwas. Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) zeigte 2026, dass Smartphone-Apps wie die neotiv-App kognitive Veränderungen präziser erfassen können als herkömmliche Kliniktests. In einer Studie mit 202 Probanden deckten regelmäßige Tests zu Hause subtile Defizite schneller auf. Das könnte die Überwachung von Patienten während langwieriger Therapien erheblich erleichtern.
Parallel rücken Medikamente in den Fokus, die ursprünglich für andere Zwecke entwickelt wurden. Daten der ASCO-Konferenz 2026 deuten darauf hin, dass GLP-1-Präparate – bekannt als Abnehmspritzen – das Risiko für Metastasen bei Brust-, Leber- und Darmkrebs senken könnten. Beobachtungsstudien mit über 12.000 Patienten zeigten eine Reduktion um 38 bis 50 Prozent. Dr. Mark David Orland vom Taussig Cancer Institute betont: Es handelt sich um Beobachtungen, keinen Beweis für eine direkte Wirkung. Aber die Impulse für künftige klinische Studien sind vielversprechend.
