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Chat Control bis 2028: EU verlängert umstrittene Nachrichtenüberwachung

Veröffentlicht: 11.07.2026 um 15:27 Uhr, Redaktion boerse-global.de

EU-Parlament stimmt für Verlängerung der Chat-Überwachung bis 2028. US-Gericht stärkt Privatsphäre bei Standortdaten.

EU verlängert Chat-Kontrolle: Datenschutz-Alarm 2028
Eine schattenhafte Hand hält ein Smartphone, aus dem digitale Datenströme strömen, was Datenschutz- und Sicherheitsbedenken symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Während die EU umstrittene Regeln zur Nachrichtenüberwachung verlängert, führen US-Telekommunikationsriesen neue Authentifizierungssysteme ein, die tiefe Einblicke in das Nutzerverhalten ermöglichen.

EU verlängert Chat-Kontrolle bis 2028

Am 9. Juli 2026 stimmte das Europäische Parlament für die Verlängerung der umstrittenen Verordnung „Chat Control 1.0" bis 2028. Das Ergebnis war knapp: 314 Abgeordnete stimmten für eine Ablehnung, 276 dagegen – doch die erforderliche Mehrheit von 361 Stimmen wurde verfehlt. Die Regelung erlaubt es Technologieunternehmen, private, nicht verschlüsselte Nachrichten – etwa auf Gmail, Instagram Direct Messages und Discord – freiwillig auf illegale Inhalte wie Kindesmissbrauch zu scannen.

Verschlüsselte Dienste wie WhatsApp und Signal bleiben zwar ausgenommen. Doch Datenschützer schlagen Alarm: Der Schritt schaffe einen gefährlichen Präzedenzfall für flächendeckende Überwachung. Ein schärferer Vorschlag zur verpflichtenden Überwachung liegt derweil weiter auf Eis.

US-Netzbetreiber stellen auf SIM-basierte Authentifizierung um

In den USA haben die großen Telekommunikationsanbieter AT&T, T-Mobile und Verizon am 8. Juli ein neues Authentifizierungssystem aktiviert. Die Plattform Aduna ersetzt die herkömmliche SMS-Code-Verifizierung durch ein Verfahren, das die SIM-Karte direkt mit dem Endgerät abgleicht.

Die Technologie nutzt die CAMARA Number Verification API – eine Bestätigung der Identität ohne Textnachricht. Das Ziel: SIM-Swap-Betrug eindämmen, der dem US-Verbraucherschutz zufolge 2025 Milliardenschäden verursachte. Doch Datenschutzforscher warnen: Das System erlaubt den Netzbetreibern zu sehen, bei welchen Diensten sich ein Nutzer anmeldet. Entstehen sogenannte „Login-Protokolle", die Klarnamen, Rechnungsadresse und Service-Nutzung verknüpfen.

Supreme Court stärkt digitale Privatsphäre

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Den jüngsten Regulierungen vorausgegangen war ein bedeutendes Urteil des Obersten US-Gerichtshofs Ende Juni 2026. Im Fall „Chatrie gegen Vereinigte Staaten" entschieden die Richter mit 6:3 Stimmen: Die Beschaffung von Google-Standortdaten durch sogenannte Geofence-Durchsuchungsbefehle stellt eine Durchsuchung im Sinne des vierten Verfassungszusatzes dar.

Die Behörden benötigen nun einen richterlichen Beschluss, bevor sie auf Smartphone-Standortdaten zugreifen dürfen. Bürgerrechtsorganisationen feiern das Urteil als großen Sieg für die digitale Privatsphäre – auch wenn Geofence-Befehle nicht grundsätzlich für verfassungswidrig erklärt wurden.

Datenhunger der Apps: Meta führt die Liste an

Aktuelle Studien aus dem Frühjahr und Frühsommer 2026 zeigen das Ausmaß der Datensammlung durch mobile Anwendungen. Eine Untersuchung vom Mai ergab: Die Meta-Plattformen Threads, Instagram und Facebook sammeln jeweils 21 verschiedene Kategorien von Nutzerdaten. TikTok kommt auf 20, ChatGPT auf 17 Kategorien.

Doch nicht nur Apps sind das Problem. Die niederländische Verbraucherorganisation Consumentenbond hat seit Mitte 2023 über 130 Smartphones auf biometrische Sicherheit getestet. Das erschreckende Ergebnis: 69 Prozent der getesteten Geräte – darunter High-End-Modelle wie das Samsung S25 Ultra und das OnePlus 15 – ließen sich allein mit einem Foto des Besitzers entsperren. Nur Apple und Google boten bei allen getesteten Modellen sichere Gesichtserkennung.

KI erkennt Stimmungen – Patent von Meta sorgt für Unruhe

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Ein kürzlich veröffentlichtes Patent von Meta deutet auf die nächste Stufe der biometrischen Überwachung hin. Beschrieben wird ein KI-gesteuertes System, das die Stimmung des Nutzers anhand verbaler und nonverbaler Signale wie Lachen oder Seufzen erkennen soll. Die Technologie nutzt maschinelles Lernen, um Emotionen in Echtzeit zu interpretieren.

Was für den einen personalisierte Werbung bedeutet, könnte für Datenschützer ein Albtraum werden. Die Frage bleibt: Wo hört Komfort auf – und wo beginnt die totale Überwachung?

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