Sextortion-Welle: 55.000 Erpressungsfälle durch KI und Lücken
Veröffentlicht: 11.07.2026 um 15:27 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Zahl der Fälle von nicht-einvernehmlicher Verbreitung intimer Aufnahmen und sogenannter Sextortion-Erpressung steigt rasant. Besonders alarmierend: Künstliche Intelligenz und Sicherheitslücken in Plattformen treiben die Entwicklung an.
Rekordzahlen in Großbritannien
Die britische „Revenge Porn Helpline" verzeichnete 2025 einen neuen Negativrekord. Fast 25.000 Bilder wurden gemeldet – ein Anstieg von elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Opfer sind zu 98,9 Prozent weiblich. In etwa 80 Prozent der Fälle gehen die Aufnahmen von Männern aus.
Seit ihrer Gründung 2015 konnte die Organisation rund 450.000 Bilder erfolgreich löschen lassen. Doch der Erfolg hat Grenzen: Während auf großen sozialen Netzwerken 90 Prozent der Löschanträge durchgehen, sind es bei ausländischen Hosting-Diensten nur zehn Prozent. Schätzungsweise 30.000 Internetadressen mit missbräuchlichem Inhalt bleiben aktiv – außerhalb der Reichweite britischer Behörden.
Die Forderung nach härteren Maßnahmen wird lauter. Internetanbieter sollen per Gesetz verpflichtet werden, diese Inhalte zu blockieren. Die britische Regulierungsbehörde Ofcom leitete zudem im März 2026 eine Untersuchung gegen eine konkrete Plattform ein.
Sextortion: Die perfide Masche der Erpresser
Das FBI verzeichnet einen dramatischen Anstieg bei Sextortion-Fällen – einer Erpressungsform, bei der Täter mit der Veröffentlichung intimer Bilder drohen. Zwischen Oktober 2021 und März 2023 gingen über 13.000 Meldungen zu finanzieller Erpressung Minderjähriger ein. Bis 2024 schnellte die Gesamtzahl auf fast 55.000 Fälle hoch.
Ein aktueller Fall zeigt die perfide Vorgehensweise: Der 57-jährige Richard J. Hook musste sich am 10. Juli vor einem Gericht in Columbus verantworten. Er soll ein Minderjähriges über TikTok und den verschlüsselten Messenger Signal kontaktiert haben. Nachdem er mit der Veröffentlichung von Nacktfotos drohte, überwies das Opfer Geld via Zelle.
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Ein weiterer Fall: Caleb Jametski, 32, wurde am 6. Juli zu sieben Jahren Haft verurteilt – vier davon auf Bewährung – wegen Besitzes von Missbrauchsdarstellungen Minderjähriger aus den Jahren 2022 und 2024.
KI als neue Waffe gegen die Privatsphäre
Generative Künstliche Intelligenz eröffnet völlig neue Missbrauchsmöglichkeiten. In Argentinien ermittelt Staatsanwältin Daniela Dupuy seit Ende Juni 2026 gegen eine Bande, die KI-manipulierte Nacktfotos von Schülerinnen erstellte und verkaufte. Rund 50 Minderjährige sind betroffen. Die Bilder wurden für umgerechnet knapp 1.000 Euro pro Stück angeboten.
Auch Hackerangriffe bleiben eine Hauptgefahr. Anfang Juli 2026 wurde bekannt, dass Kriminelle einen KI-Chatbot von Meta ausnutzten, um an Instagram-Konten zu gelangen. Durch das Vortäuschen falscher Standorte und die Interaktion mit dem KI-Assistenten umgingen sie Sicherheitsvorkehrungen.
Sicherheitsrisiko im eigenen Zuhause
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Der niederländische Geheimdienst meldete am 10. Juli 2026 einen groß angelegten Hackerangriff russischer Gruppen auf IP-fähige Türklingelkameras. Hauptziel war die Überwachung von Waffentransporten in die Ukraine. Der Vorfall zeigt jedoch: Veraltete Firmware und Standardpasswörter machen Millionen von Haushalten weltweit verwundbar.
Die Botschaft der Ermittler an Betroffene ist eindeutig: Kein Lösegeld zahlen, Täter blockieren und sämtliche Nachrichten als Beweise sichern – für die Polizei und die Plattformbetreiber.
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