Bluthochdruck: Bewegung senkt Herzinfarkt-Risiko um über 30%
03.06.2026 - 00:00:26 | boerse-global.deRund 168.900 Menschen im Kreis Recklinghausen leiden unter Bluthochdruck – das sind 33,4 Prozent der Erwachsenen. Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm: Allein in der Region Westfalen-Lippe verschrieben Ärzte 2024 insgesamt 16,5 Millionen Packungen blutdrucksenkender Medikamente. Das entspricht mehr als 21,7 Prozent aller Fertigarzneimittel-Verordnungen in der Region. Die Kosten? Über 339 Millionen Euro.
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Digitale Helfer für den Alltag
Angesichts dieser Zahlen setzen Krankenkassen zunehmend auf digitale Unterstützung. Die AOK NordWest hat ihr Online-Bluthochdruck-Coaching erweitert – mit Blutdrucktagebuch, Medienbibliothek und speziellen Atemübungen. Und ab Juni 2026 gibt es einen neuen Service: Die Deutsche Hochdruckliga startet einen kostenlosen WhatsApp-Dienst. Unterstützt von der Techniker Krankenkasse, liefert er wöchentliche Tipps zu Ernährung, Bewegung und Stressbewältigung. Kann das helfen? Die Idee ist simpel: Wer regelmäßig an seine Gesundheit erinnert wird, handelt vielleicht auch danach.
Neue Hoffnung für Therapie-resistente Patienten
Für Patienten, bei denen Standardtherapien versagen, zeichnen sich Fortschritte ab. Das Pharmaunternehmen Idorsia präsentierte neue Daten aus seiner Phase-III-Studie "Precision". Das Medikament Aprocitentan – in den USA als Tryvio, in Europa als Jeraygo bekannt – kann offenbar die Albuminurie senken, einen wichtigen Marker für Nierenschäden. Die Idorsia-Aktie notierte am 1. Juni 2026 bei 4,236 CHF – ein Minus von 3,51 Prozent an diesem Handelstag.
Weitere Ergebnisse erwartet die Fachwelt Anfang Juni auf dem ERA-Kongress in Glasgow. Bayer will dort die Phase-III-Studie FIND-CKD vorstellen. Sie untersucht die Wirksamkeit von Finerenon (Kerendia) bei Patienten mit nicht-diabetischer Nierenerkrankung.
Wenn Medikamente nicht reichen
Bei unkontrolliertem Bluthochdruck – definiert als Werte über 140/90 mmHg trotz mindestens drei Medikamenten – rücken Eingriffe wie die renale Denervation in den Fokus. Auf dem Cardiology Review Course 2026 diskutierten Experten den Einsatz von Ablationen, die gezielt sympathische Nervenfasern in der Nierenarterie veröden.
Noch futuristischer klingt ein Experiment der Penn State University: Dort entwickeln Forscher "CaroFlex", ein 3D-gedrucktes Hydrogel-Implantat. Es soll den Barorezeptor-Reflex stimulieren. In Tierversuchen senkte bestimmte Stimulationsfrequenzen den Blutdruck um über 15 Prozent – ohne Gewebeschäden.
Neben operativen Eingriffen rücken sanfte Alternativen in den Fokus: Eine wissenschaftliche Metastudie mit 15.000 Teilnehmern zeigt, dass drei spezielle Übungen den Blutdruck oft effektiver senken können als klassischer Sport. Kostenlosen Report zu den 3 Wunderübungen hier anfordern
Wenn Herz und Stoffwechsel sich treffen
Die Forschung zeigt immer deutlicher: Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen hängen eng zusammen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert daher den Sonderforschungsbereich "CARDIO-DIABETES-CROSSTALK" mit über 11 Millionen Euro für vier Jahre. Das Ziel: Molekulare Faktoren identifizieren, die Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen gemeinsam haben. In Deutschland leben rund 9,5 Millionen Menschen mit Diabetes.
Eine 2026 in Circulation Population Health and Outcomes veröffentlichte Studie deutet zudem an: Das kardiovaskulär-renal-metabolische Syndrom (CKM-Syndrom) könnte das Krebsrisiko erhöhen. Die Universität Leipzig wiederum zeigte mit dem LIBRA-Index: Bei älteren Menschen hängen Herz-Kreislauf-Risikofaktoren eng mit der kognitiven Leistung zusammen. Bei Jüngeren spielen Rauchen und Bewegungsmangel die größere Rolle.
Bewegung: Mehr ist mehr
Eine Analyse von 9,4 Millionen Teilnehmern legt nahe: 99 Prozent der Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten hatten vermeidbare Risikofaktoren – etwa Blutdruck über 120/80 mmHg oder Blutzucker über 100 mg/dl. Ernährungsexperten kritisieren inzwischen alte Empfehlungen: Die fettarmen Diäten der 1970er-Jahre könnten unbeabsichtigt zur Zunahme von Typ-2-Diabetes und Fettleber beigetragen haben.
Und wie viel Bewegung braucht es wirklich? Eine britische Beobachtungsstudie mit über 17.000 Teilnehmern fand: 560 bis 610 Minuten moderate Bewegung pro Woche senken das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um mehr als 30 Prozent. Die Standardempfehlung von 150 Minuten bringt dagegen nur acht bis neun Prozent Risikoreduktion. Wer also kann, sollte sich deutlich mehr bewegen.
Gentherapie und Herzpflaster
Auch biotechnologische Ansätze werden erforscht. In einer 18-monatigen Studie senkte die Gen-Editierung (VERVE-102) das LDL-Cholesterin um bis zu 62 Prozent. Und ein spezielles Herzpflaster namens "BioVAT-HF" konnte in klinischen Tests die Herzleistung um sieben Prozent verbessern. Noch ist das Zukunftsmusik – aber sie klingt vielversprechend.
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