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Bewegung im Alter: 150 Minuten pro Woche senken Herzrisiko um 57 Prozent

16.05.2026 - 04:16:47 | boerse-global.de

Eine britische Langzeitstudie belegt: Die Kombination aus Schlaf, Ernährung und täglicher Bewegung reduziert schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse bei über 63-Jährigen deutlich.

Bewegung im Alter: 150 Minuten pro Woche senken Herzrisiko um 57 Prozent - Foto: über boerse-global.de
Bewegung im Alter: 150 Minuten pro Woche senken Herzrisiko um 57 Prozent - Foto: über boerse-global.de

Wer regelmäßig Rad fährt, wandert oder schwimmt, senkt sein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen drastisch. Eine aktuelle britische Langzeitstudie liefert nun konkrete Zahlen.

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Die 57-Prozent-Formel: Schlaf, Ernährung und Bewegung

Eine Analyse der britischen Biobank-Studie mit rund 53.000 Teilnehmern ab 63 Jahren zeigt: Die Kombination aus ausreichend Schlaf, gemüsereicher Ernährung und täglicher Bewegung von 40 bis 100 Minuten reduziert schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse um 57 Prozent. Körperliche Aktivität erwies sich dabei als der stärkste Einzelfaktor.

Schon kleine Veränderungen wirken. Eine Steigerung der täglichen Bewegung um lediglich fünf Minuten – kombiniert mit etwas mehr Schlaf – senkt das Risiko für Herzerkrankungen bereits um zehn Prozent. Die Ergebnisse wurden im European Journal of Preventive Cardiology veröffentlicht.

Die WHO warnt seit Langem: Bewegungsmangel ist die vierthäufigste Todesursache weltweit. Rund 3,2 Millionen Todesfälle pro Jahr gehen auf mangelnde Aktivität zurück. Ein sitzender Lebensstil erhöht das Sterberisiko um 20 bis 30 Prozent.

WHO-Richtlinien für die Generation 65 Plus

Für Menschen über 65 Jahre empfiehlt die WHO 150 bis 300 Minuten moderate Ausdaueraktivität pro Woche. Besonders geeignet: Radfahren, weil es die Gelenke schont und das Herz-Kreislauf-System fordert.

Ergänzend dazu sollten Senioren mindestens zweimal pro Woche muskelkräftigende Übungen machen. Dreimal pro Woche sind Balance- und Koordinationstraining angesagt – das dient der Sturzprävention, die im Alter über den Erhalt der Selbstständigkeit entscheidet.

Die Notwendigkeit solcher Maßnahmen zeigt sich in regionalen Daten. In Kärnten ist jeder zwanzigste Einwohner von Osteoporose betroffen. Frauen ab 50 Jahren erkranken zwei- bis dreimal häufiger als Männer. Neben genetischen Faktoren und Hormonmangel gilt Bewegungsmangel als Hauptursache für die Abnahme der Knochendichte.

Ärzte empfehlen zur Vorbeugung Kraft- und Ausdauertraining, kalziumreiche Ernährung und ausreichend Vitamin D. Da der Körper für die Vitamin-D-Synthese Tageslicht benötigt, bietet sich Radfahren als Outdoor-Aktivität an. Schon 15 bis 30 Minuten Sonnenexposition gelten als förderlich.

Warum reines Ausdauertraining ab 50 nicht reicht

Longevity-Experten wie Shirley Eichenberger-Archer weisen darauf hin: Hormonelle Veränderungen während der Perimenopause oder Andropause erfordern eine Anpassung der Trainingsroutine. Ihr Rat: schweres Krafttraining mit wenigen Wiederholungen, um der natürlichen Abnahme der Muskelmasse entgegenzuwirken.

Der verbreitete Mythos, dass Training im Alter schmerzhaft sein müsse, stimme nicht. Im Vordergrund stünden Flexibilität und Erholung.

Trainerin Corrine Carnation betont die Bedeutung funktionellen Core-Trainings. Stabilitätsübungen, ein- bis zweimal pro Woche durchgeführt, versuchen die Verletzungsprävention im Alltag erheblich zu verbessern. Für Menschen mit körperlichen Einschränkungen gibt es knieschonende Programme, die ohne Kniebeugen oder Ausfallschritte auskommen und stattdessen auf Beinheben setzen.

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Motivation statt Leistungsdruck

Ein wesentliches Hindernis für lebenslange Fitness ist der empfundene Leistungsdruck. Prof. Christine Joisten, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP), rät: Der Fokus sollte auf der Freude an der Bewegung und der Integration in den Alltag liegen. Keine Sportart sei absolut überlegen – entscheidend sind Regelmäßigkeit und persönliches Wohlbefinden.

Sportvereine und gemeinschaftliche Bewegungsangebote fördern soziale Kontakte und erhalten die Motivation langfristig. Ein solches Programm startet am 19. Mai 2026 in Rüdersdorf bei Berlin, um gezielt die Mobilität älterer Bürger zu unterstützen.

Auch physiotherapeutische Ansätze wie Yoga steigern die Lebensqualität im Alter. Physiotherapeutin Lilla Wuttich bestätigt: Solche Praktiken fördern die Flexibilität und verbessern das Körpergefühl.

Bewegung als Ressource in einer sich wandelnden Arbeitswelt

Der gesellschaftliche Stellenwert von Gesundheit wird auch durch aktuelle politische Debatten beeinflusst. Ein für Juni 2026 geplantes Arbeitszeitgesetz sieht weitreichende Änderungen bei den wöchentlichen Höchstarbeitszeiten vor – bei Gewerkschaften und Gesundheitsökonomen stößt das auf Widerstand.

Studien des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) belegen: Eine Mehrheit der Beschäftigten bevorzugt mehr Zeit statt mehr Geld, auch um die eigene Gesundheit zu schützen. Der Krankenstand durch psychische Erkrankungen stieg um 17,4 Prozent.

Sportmediziner betonen: Körperliche Aktivität ist keine zusätzliche Belastung, sondern eine notwendige Ressource. Auch die Angst vor dem Jo-Jo-Effekt bei Gewichtsregulierung relativiert sich. Eine Analyse in The Lancet Diabetes & Endocrinology zeigt: Die Vorteile einer Gewichtsabnahme durch Bewegung und Ernährung überwiegen die theoretischen Risiken einer erneuten Gewichtszunahme.

Der Goldstandard für die kommenden Jahre

Die Sportwissenschaft hebt zunehmend die Trennung zwischen Ausdauer- und Kraftsport im Alter auf. Ein integrierter Ansatz, der moderates Radfahren mit gezielten Kräftigungs- und Stabilisierungsübungen kombiniert, gilt als Goldstandard.

Die Botschaft der Forschung ist eindeutig: Es ist nie zu spät, mit moderatem Training zu beginnen. Die Kombination aus wissenschaftlich fundierten Zeitvorgaben der WHO, der Berücksichtigung individueller Grenzen und der Einbindung in soziale Strukturen bildet das Fundament für ein langes und selbstbestimmtes Leben.

Vor dem Start intensiverer Trainingseinheiten empfiehlt sich ein sportmedizinischer Check, um die Belastung optimal an den individuellen Gesundheitszustand anzupassen.

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