Bewegung ab 65: Studie sieht Potenzial, bis zu 46,6 Prozent der Schlaganfälle zu verhindern
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 06:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Regelmäßige körperliche Aktivität gilt im Alter als zentraler Schutzfaktor gegen schwerwiegende Herz-Kreislauf- und Stoffwechselleiden. Dennoch erreicht die Mehrheit der älteren Bevölkerung die bestehenden Bewegungsempfehlungen nicht. Eine Untersuchung der MedUni Wien auf Basis der österreichischen Gesundheitsbefragung ATHIS verdeutlicht nun, wie groß das ungenutzte Präventionspotenzial bei Menschen ab 65 Jahren ausfällt.
Deutliche Lücke bei den Bewegungsempfehlungen
Für die in der Fachzeitschrift „Das Gesundheitswesen“ veröffentlichte Studie werteten Forschende der MedUni Wien die Daten von 3.995 Personen im Alter ab 65 Jahren aus.
Das Ergebnis zeigt ein ausgeprägtes Defizit: Lediglich 29,6 Prozent der befragten Seniorinnen und Senioren erfüllten die offizielle Richtlinie, die mindestens 150 Minuten aerobe Aktivität pro Woche vorsieht. Mehr als zwei Drittel der untersuchten Gruppe bewegten sich somit weniger als angeraten.
Anhand von Modellrechnungen bezifferten die Wissenschaftler die möglichen Auswirkungen auf das Auftreten schwerer chronischer Krankheiten. Würden alle älteren Teilnehmenden die empfohlene Mindestaktivität erreichen, könnten den Berechnungen zufolge bis zu 46,6 Prozent der Schlaganfälle, 40,8 Prozent der Herzinfarkte sowie 35,8 Prozent der Fälle von Diabetes mellitus verhindert werden.
Die Studienautoren ordnen diese Werte allerdings als hypothetische Obergrenzen ein, da in der Praxis neben Bewegung auch andere Einflussfaktoren das individuelle Krankheitsrisiko steuern.
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Geringere Schwellen und individuelle Dosierung
Ergänzende wissenschaftliche Analysen legen nahe, dass bereits Bewegungsumfänge unterhalb der klassischen Zielmarken deutliche gesundheitliche Vorteile bieten.
Eine im British Journal of Sports Medicine publizierte Auswertung der Monash University und der University of Sydney an 64.743 Personen mittleren Alters aus der UK Biobank zeigte, dass schon weniger als 5.000 Schritte pro Tag bei höherem Tempo oder 5.000 bis 7.500 Schritte bei moderatem Tempo mit einem signifikant geringeren vorzeitigen Sterberisiko einhergingen.
Laut der Analyse reduzierte sich das Risiko um bis zu 43 Prozent. Die oft zitierte Vorgabe von 10.000 Schritten pro Tag gehe zudem historisch auf eine japanische Werbekampagne der 1960er-Jahre zurück und beruhe nicht auf wissenschaftlicher Evidenz.
Auch bei bestehenden Beschwerden zeigen moderate Einheiten messbare Effekte. Forschende der Universität Adelaide stellten fest, dass kürzere und weniger intensive Trainingsprogramme teils stärkere Wirkungen erzielten als umfangreiche Einheiten. Positive Effekte traten bereits bei weniger als zwei Stunden Bewegung wöchentlich auf.
Schmerzen verringerten sich im Mittel um etwa 1,1 Punkte auf einer zehnteiligen Skala. Dies entsprach laut den Forschenden einer rund 60 Prozent höheren Schmerzlinderung im Vergleich zu Werten, die für gängige Schmerzmittel in separaten Untersuchungen zu chronischen Schmerzen ermittelt wurden.
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Einfluss eines ganzheitlichen Lebensstils
Dass körperliche Aktivität eingebettet in allgemeine Lebensgewohnheiten wirkt, untermauern auch Daten der spanischen Seniors-ENRICA-2-Kohorte. Bei 2.487 untersuchten Personen ab 65 Jahren verlangsamte ein besserer Wert im „Life's Essential 8“-Katalog der American Heart Association die JZunahme altersbedingter Defizite um rund 20 Prozent über einen Beobachtungszeitraum von durchschnittlich 5,2 Jahren.
Neben Faktoren wie Schlaf, Blutzucker und Body-Mass-Index leistete Bewegung dabei einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung der funktionellen Fähigkeiten.
Die Ergebnisse der MedUni Wien und internationaler Forschungsgruppen unterstreichen damit übereinstimmend, dass bereits gezielte Steigerungen der täglichen Bewegung spürbare Entlastungen für die individuelle Gesundheit und das Versorgungssystem bewirken können.
