Agentische, Banken

Agentische KI: 52% der Banken nutzen destabilisierende Technologie

01.07.2026 - 10:52:28 | boerse-global.de

Autonome KI-Systeme könnten durch synchronisiertes Handeln Märkte destabilisieren. Notenbanken arbeiten an Schutzmechanismen wie Notausschaltern.

Bank of England warnt: KI-Agenten gefährden Finanzstabilität
Agentische - Digitale Darstellung von KI-Agenten und Finanzdaten in einem sicheren Rechenzentrum mit dezentem Bank-of-England-Logo. 01.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das erklärte Sarah Breeden, Vizegouverneurin der Bank of England, auf einer EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra. Die Technologie stelle einen Quantensprung dar, der bestehende Cybersicherheits- und Marktstabilitätskonzepte sprengen könnte.

Wenn alle Maschinen gleich reagieren

Breeden identifizierte die sogenannte „agentische KI" als ihr dringendstes finanzpolitisches Anliegen. Autonome KI-Agenten könnten Märkte zum Absturz bringen, indem sie auf bestimmte Bedingungen identisch reagieren. Dieses synchronisierte Verhalten würde die Volatilität massiv verstärken – besonders in Krisenzeiten.

Das Problem: Anders als Menschen handeln diese Systeme völlig eigenständig. Sie könnten „wie aus einem Guss" agieren, warnte Breeden. Die bestehenden, technologieneutralen Regeln seien schlicht nicht geeignet, diese Risiken einzudämmen.

Die Warnung kommt nicht von ungefähr. Laut einer Studie der Universität Cambridge setzen bereits 52 Prozent der Finanzunternehmen agentische KI ein. Breeden forderte deshalb einen grundlegend neuen Regulierungsrahmen.

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Notenbanken tüfteln an Schutzmechanismen

Die Bank of England prüft eine Reihe maßgeschneiderter Maßnahmen. Dazu gehören verbesserte Wiederherstellungsprotokolle, automatische Handelsunterbrecher und sogenannte „Kill-Switches" – Notausschalter, die KI-Aktivitäten stoppen, sobald sie Märkte destabilisieren.

Gemeinsam mit der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und der Deutschen Bundesbank arbeitet die britische Notenbank an diesen Schutzmechanismen. Doch nicht alle Experten sind überzeugt.

Tobias Adrian vom Internationalen Währungsfonds (IWF) äußerte Zweifel: Kill-Switches könnten auf außerbörslichen Märkten (OTC) wirkungslos bleiben. Diese Märkte fehlen die zentralen Strukturen öffentlicher Börsen, an denen sich ein Notausschalter überhaupt durchsetzen ließe.

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Internationale Koordination gefordert

Breedens Warnung reiht sich ein in globale Bemühungen, KI im Finanzsektor zu bändigen. Bereits Anfang Juni 2026 hatte der Finanzstabilitätsrat (FSB) strengere Sicherheitsvorkehrungen gefordert. Das Gremium schlug zwölf unverbindliche Grundsätze für den KI-Einsatz vor – mit spezifischen Leitlinien für agentische KI, um eine Systemansteckung zu verhindern.

Die Vizegouverneurin betonte: Aufsichtsbehörden müssten das Problem systemisch angehen. Die Bank of England prüft derzeit, ob die neuen Risiken eine grundlegende Reform der Finanzregulierung erfordern. Klar ist: Je autonomer die Agenten werden, desto dringender wird die Frage nach der Stabilität des gesamten Systems.

de | wissenschaft | 69666421 |