Agentic AI: Notion, Microsoft und Salesforce starten autonome Agenten
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 09:04 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Eine Welle neuer Produkte und strategischer Neuausrichtungen markiert den endgültigen Wandel der Softwareindustrie: Weg von generativen Chatbots, hin zu autonomen „Agentic AI"-Systemen. Führende Plattformen wie Notion, Microsoft und Salesforce haben diese Woche Tools vorgestellt, die komplexe Arbeitsabläufe eigenständig ausführen – ohne ständige menschliche Anweisungen.
Notion startet Agenten-App und stellt E-Mail-Dienst ein
Bereits Anfang der Woche brachte Notion eine eigenständige iPhone-App namens Agents auf den Markt. Die Anwendung erlaubt es Nutzern, KI-Agenten zu erstellen, die Texte, Sprachaufnahmen und Fotos erfassen, Notizen organisieren und Recherchen automatisieren. Unterstützt werden mehrere KI-Modelle, darunter Claude, GPT und Gemini.
Parallel dazu kündigte das Unternehmen an, seinen E-Mail-Dienst Notion Mail zum 22. September 2026 einzustellen. Grund: Mehr als die Hälfte der Mail-Nutzer hatte die E-Mail-Verwaltung bereits an KI-Agenten delegiert, anstatt selbst Postfächer zu betreuen. Die neue Agents-App läuft auch auf iPad, Mac und Apple Vision Pro, ist aber zunächst für das iPhone optimiert.
Microsoft und Salesforce bauen ihre Ökosysteme aus
Microsoft erreichte am 7. Juli 2026 einen Meilenstein: Die Sales Agent und der Service Agent sind nun allgemein verfügbar. Die Tools sind in Microsoft 365 Copilot, Teams und Dynamics 365 integriert. Während der Sales Agent Zusammenfassungen von Kundenkonten und Meeting-Nachbereitungen liefert, übernimmt der Service Agent Fallzusammenfassungen und E-Mail-Entwürfe. Analysten von Gartner erwarten, dass solche Technologien bis 2029 rund 80 Prozent aller Servicefälle autonom lösen können.
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Salesforce und seine Tochter Slack haben ebenfalls nachgerüstet: Der Slackbot wurde über das Model Context Protocol (MCP) mit Salesforce CRM, Tableau und DocuSign verknüpft. Vertriebsmitarbeiter können nun direkt in geteilten Channels CRM-Daten abfragen und Dokumenten-Workflows anstoßen. Laut Unternehmensangaben haben die Agenten den internen IT-Teams bereits tausende Stunden an Programmierarbeit erspart.
Ein besonderes Signal: Salesforce investiert eine Milliarde Euro in Agentic-AI-Initiativen in der Schweiz. Die Agentforce-Sparte hat bereits 29.000 Deals abgeschlossen – das entspricht einem prognostizierten jährlichen Wiederholungsumsatz von über einer Milliarde Euro für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027.
Integration und Kollaboration: Neue Tools für den Arbeitsalltag
Auch die Produktivitätslandschaft verändert sich rasant. Superhuman launchte am 8. Juli 2026 Superhuman Docs – eine Weiterentwicklung von Coda, das Superhuman kürzlich übernommen hatte. Die Plattform enthält einen KI-Assistenten, der aus natürlichen Sprachbefehlen Entwürfe, Tabellen und interaktive Datenansichten generiert. Auch hier kommen MCP-Verbindungen zu externen Modellen wie ChatGPT und Claude zum Einsatz.
Atlassian führte für Jira Cloud die Funktion „My agent sessions" ein. Sie bietet einen zentralen Überblick über alle aktiven KI-Agenten und benachrichtigt Nutzer, wenn ein Agent auf ein Hindernis stößt und menschliches Eingreifen nötig ist.
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Spezialisierte Agenten für Industrie und Lieferketten
Der Trend zur Automatisierung erreicht nun auch Nischenbereiche. DeepFabric launchte eine Plattform mit über 50 KI-Agenten für das Lieferkettenmanagement – spezialisiert auf Frachtprüfung und Bestandskontrolle. Das Unternehmen verspricht Kosteneinsparungen von bis zu 45 Prozent bei der Prüfung von Frachtrechnungen.
Akeneo brachte mit dem „Agentic Ziggy" eine KI-Schicht für seine Produkt-Cloud auf den Markt. Das System steuert eine Flotte von Agenten, die für Produktdatenanreicherung und Governance zuständig sind – inklusive automatisierter Asset-Transformationen und Fehlerkorrektur.
Marktausblick: Milliarden für autonome Helfer
Die Investitionen zahlen sich offenbar aus: IDC berichtet von einer durchschnittlichen Rendite von 3,70 Euro für jeden investierten Euro in generative und agentische KI. Gartner prognostiziert, dass bis Ende 2026 rund 40 Prozent aller Unternehmensanwendungen eingebettete KI-Agenten enthalten werden. Der Gesamtmarkt für diese Tools wird für dieses Jahr auf 7,8 Milliarden Euro geschätzt – mit einem Potenzial von 41 Milliarden Euro bis 2030.
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