Datenschutz: EDPB stellt Meldeformular mit 126 Fragen zur Abstimmung
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 08:54 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Ab sofort können Unternehmen und Datenschutzexperten zu einem neuen, standardisierten Meldeformular für Sicherheitsvorfälle Stellung nehmen.
126 Fragen mit intelligenter Steuerung
Das vorgeschlagene Formular enthält rund 126 Fragen und setzt auf eine bedingte Logik: Je nach Art des Verstoßes werden Nutzer durch unterschiedliche Fragepfade geführt. Ziel ist eine strukturiertere Erfassung von Sicherheitsvorfällen – ein deutlicher Fortschritt gegenüber den bisher oft uneinheitlichen Meldungen.
Das neue System soll über eine spezielle IT-Plattform für die Aufsichtsbehörden umgesetzt werden. Unternehmen, die in mehreren EU-Ländern tätig sind, dürfte das entlasten: Statt unterschiedlicher Formulare in verschiedenen Mitgliedstaaten wäre künftig ein einheitlicher Standard möglich.
Interessierte haben bis zum 5. August 2026 Zeit, ihre Kommentare zur technischen Umsetzung und zur Struktur des Formulars einzureichen.
Niederlande melden drastischen Anstieg von Account-Übernahmen
Der Vorstoß kommt nicht von ungefähr. Die Zahl der gemeldeten Datenschutzverstöße steigt rasant – und damit der Druck auf die Behörden. Die niederländische Datenschutzbehörde (AP) verzeichnete allein für 2025 insgesamt 39.407 Meldungen.
Besonders auffällig: Die Zahl der Account-Übernahmen hat sich fast verdreifacht – von 607 Fällen im Jahr 2024 auf 1.742 im Jahr 2025. Ein Alarmsignal, das zeigt, wie stark Cyberkriminelle auf gestohlene Zugangsdaten setzen.
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Auch international ist der Trend eindeutig. Australien meldete für 2025 mit 1.205 Vorfällen einen Anstieg um acht Prozent – der höchste Wert seit Einführung der Meldepflicht 2018. Besonders betroffen: der Gesundheitssektor.
Milliarden-Schäden durch Datenklagen
Die wirtschaftlichen Folgen werden immer gravierender. Rund 70 Milliarden Euro an Vergleichszahlungen wurden 2025 in über 1.800 eingereichten Sammelklagen zu Datenschutzverstößen erzielt. Ein Beispiel: Die Anwaltskanzlei Blank Rome musste nach einem Vorfall am 21. Mai 2026, bei dem Daten von über 57.000 Mandanten kompromittiert wurden, Betroffene informieren – und sieht sich nun mit Klagen konfrontiert.
Neue Leitlinien zu Anonymisierung und Blockchain
Der EDPB legte diese Woche gleich mehrere wegweisende Dokumente vor. Am 7. Juli verabschiedete der Ausschuss neue Leitlinien zur Anonymisierung – ein dreiteiliges Framework, das die Isolierung, Verknüpfung und Rückschlussmöglichkeiten von Datensätzen prüft. Die bisherigen Regeln waren über zehn Jahre alt.
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Ebenfalls finalisiert: die Leitlinien zum Umgang mit personenbezogenen Daten in Blockchain-Umgebungen. Der EDPB betont die Notwendigkeit von Off-Chain-Speicherung und Zero-Knowledge-Beweisen, um das Recht auf Löschung durchsetzen zu können.
Am heutigen Donnerstag veranstalteten EDPB und Europäischer Datenschutzbeauftragter (EDSB) zudem eine Konferenz zum Einsatz von Algorithmen bei der Personalauswahl. Die Botschaft der Regulierer: Der AI Act kommt zwar mit Übergangsfristen – die bestehenden DSGVO-Regeln zur automatisierten Entscheidungsfindung gelten jedoch bereits seit 2018 und bleiben das zentrale Instrument für Transparenz bei Einstellungsverfahren.
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