500 Millionen Nutzer betroffen: Indien stoppt WhatsApp-Usernames
01.07.2026 - 18:47:53 | boerse-global.de
Die indische Regierung hat Meta per Anordnung aufgefordert, die Einführung der neuen Username-Funktion bei WhatsApp sofort zu stoppen. Das Ministerium für Elektronik und Informationstechnologie (MeitY) sieht ein erhöhtes Risiko für Online-Betrug, Phishing und Identitätsdiebstahl.
Sicherheitsbedenken und Identitätsmissbrauch
WhatsApp hatte am 29. Juni 2026 Pläne vorgestellt, wonach Nutzer künftig Usernames reservieren und kommunizieren können, ohne ihre Telefonnummer preiszugeben. Was der Konzern als Datenschutzverbesserung anpreist, bewerten indische Behörden als Einfallstor für Kriminelle.
Die Regierung warnt konkret vor sogenannten „Digital Arrest"-Betrugsmaschen und der Imitation öffentlicher Personen, Finanzinstitute sowie Regierungsstellen. Die durch Usernames gewährte Anonymität könnte es Ermittlungsbehörden erschweren, betrügerische Aktivitäten zurückzuverfolgen. Insidern zufolge drohen weitere rechtliche Schritte bis hin zu einem dauerhaften Verbot der Funktion in Indien – sollte Metas Antwort nicht zufriedenstellend ausfallen. Immerhin nutzen über 500 Millionen Menschen WhatsApp in dem Land.
Konflikt mit Telekom-Regulierung
Die Username-Funktion könnte zudem mit Indiens Telekom-Cybersicherheitsregeln von 2024 kollidieren. Diese schreiben vor, dass Messaging-Plattformen über eine sogenannte SIM-Bindung stets mit einer verifizierten Mobilnummer verknüpft sein müssen.
WhatsApp erlaubt zwar die Reservierung von Usernames, um die eigene Telefonnummer vor neuen Kontakten zu schützen. Das indische Gesetz verlangt jedoch, dass solche Plattformen jederzeit einer aktiven SIM-Karte zuordenbar bleiben. Die Frist zur Umsetzung dieser SIM-Bindungsregeln läuft Ende Dezember 2026 ab.
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Tech-Elite schlägt Alarm
Die Regierungsentscheidung deckt sich mit Warnungen führender Köpfe der indischen Tech-Branche. Erst Anfang der Woche hatten Paytm-Gründer Vijay Shekhar Sharma und MobiKwik-CEO Bipin Preet Singh vor Betrugspotenzial durch ähnlich klingende Usernames gewarnt.
Auch Unternehmer Ankur Warikoo wies auf Risiken des „Username-Squatting" hin – Betrüger reservieren Namen, die bekannten Persönlichkeiten oder Unternehmen ähneln, um ahnungslose Nutzer zu täuschen. Die Behörden stellten klar: Messaging-Plattformen haften, wenn neue Funktionen systematische Möglichkeiten für Finanzkriminalität schaffen.
Metas Datenschutz-Argumente
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WhatsApp betont, die Funktion sei als zusätzliche Privatsphäre-Ebene gedacht. Nutzer erhielten mehr Kontrolle darüber, wer ihre Telefonnummer sehen kann. Meta verweist auf integrierte Schutzmechanismen: Die Reservierung hochwertiger oder offizieller Usernames soll Squatting verhindern, zudem gibt es Beschränkungen für neue Kontaktaufnahmen.
Doch das Ministerium bleibt hart: Die Ausrollung müsse solange ausgesetzt bleiben, bis eine vollständige Konsultation mit allen relevanten Abteilungen und Strafverfolgungsbehörden abgeschlossen sei. Meta hat nun 72 Stunden Zeit, um die Sicherheitsarchitektur der Funktion detailliert darzulegen.
