ZF-Koblenz: Betriebsversammlung für 2.100 Beschäftigte verschoben
17.06.2026 - 19:33:29 | boerse-global.de
Eine für den 18. Juni geplante Betriebsversammlung wurde kurzfristig um eine Woche verschoben. Rund 2.100 Beschäftigte warten auf eine Einigung zwischen Konzernführung und Arbeitnehmervertretern.
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Nachbarn bereits weiter
Während die Gespräche bei ZF noch laufen, haben andere Unternehmen in der Region bereits Ergebnisse erzielt. Bei Stabilus und Novelis sind die Verhandlungen über Arbeitsplatzabbau abgeschlossen. Ende Mai 2026 schloss Novelis in Koblenz eine Vereinbarung, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt.
Die IG Metall Koblenz startete Anfang Juni eine Tarifbefragung, um das Stimmungsbild zu erfassen. Die Verschiebung der Betriebsversammlung deutet darauf hin, dass die Parteien noch um Details der Standortausrichtung ringen. Bereits im März 2026 war eine Einigung zur Ausgliederung der Division U erzielt worden – Teil einer umfassenderen Konzernumstrukturierung.
Standort Eitorf vor dem Aus
Der Druck auf die deutschen ZF-Standorte zeigt sich auch anderswo. Eitorf soll Ende 2027 vollständig schließen. Die Kolbenstangenfertigung wandert dann in die Türkei. Von ehemals 690 Mitarbeitern sind noch etwa 470 im Werk tätig, rund 240 wechselten bereits in eine Transfergesellschaft.
Trotz der anstehenden Schließung läuft die Produktion von Stoßdämpfern auf Hochtouren. Rund 1,8 Millionen Einheiten verlassen jährlich das Werk – Großkunden wie Volkswagen treiben die Nachfrage.
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Auch die Division E für elektrifizierte Antriebe steckt im Umbau. ZF und Arbeitnehmervertreter einigten sich im Sommer 2025 auf ein gemeinsames Vorgehen. Bis Ende September 2025 sollten konkrete Vereinbarungen stehen. Die IG Metall lehnte einen Verkauf oder eine vollständige Ausgliederung dieser Sparte stets ab.
Branche unter Druck
Die Lage bei ZF ist kein Einzelfall. Die gesamte Automobilindustrie leidet unter rückläufigen Verkaufszahlen. BMW kündigte Strukturmaßnahmen an, die auf einen Personalabbau von bis zu fünf Prozent weltweit hindeuten. Besonders der chinesische Markt bereitet Sorgen.
Volkswagen drosselte die Produktion des T-Roc Cabrio in Osnabrück und führte eine Vier-Tage-Woche ein. Der Betriebsrat warnt: Für die 2.300 Beschäftigten gehe die Arbeit absehbar zur Neige. Konzernweit plant VW den Abbau von rund 19.000 Stellen bis Ende 2026. Bis 2030 sollen sogar mehr als 28.000 Stellen wegfallen.
Vor der Hauptversammlung am 18. Juni geriet die VW-Führung wegen geplanter Dividenden von 2,6 Milliarden Euro in die Kritik. Das Konzernergebnis war im Vorjahr um 44 Prozent eingebrochen. In diesem Umfeld suchen Zulieferer wie ZF nach Wegen, ihre Kosten zu senken – das erklärt die zähen Verhandlungen in Koblenz.
