Zeppelin-Zulage: ZF streicht 300–500 Euro monatlich für 7.500 Mitarbeiter
Veröffentlicht: 14.07.2026 um 22:34 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Eine Betriebsversammlung mit rund 5.000 Beschäftigten musste heute vorzeitig abgebrochen werden. Grund war der Auftritt von Personalvorständin Lea Corzilius – die Belegschaft pfiff sie lautstark aus und buhte sie nieder. Der Betriebsrat zog die Reißleine.
Streit um Kürzung übertariflicher Leistungen
Im Kern geht es um die Ankündigung des Vorstands, sämtliche übertariflichen Leistungen am Standort Friedrichshafen zu streichen oder umzuwandeln. Besonders hart trifft es die sogenannte Zeppelin-Zulage. Sie macht rund zehn Prozent des Bruttolohns aus und betrifft etwa 7.500 Mitarbeiter. Die Arbeitnehmervertreter beziffern die möglichen Einbußen auf 300 bis 500 Euro pro Monat.
Die entsprechenden Vereinbarungen hat das Unternehmen bereits zum 1. Juli 2027 gekündigt. Die Geschäftsführung will die Zahlungen in erfolgsabhängige Prämien umwandeln. Ihr Ziel: die Wettbewerbsfähigkeit sichern. Die Arbeitnehmerseite lehnt das strikt ab.
Betriebsratschef Achim Dietrich wirft dem Vorstand vor, das Gespür für die Belegschaft verloren zu haben. Die Mitarbeiter hätten bereits erhebliche Einschnitte hingenommen – darunter eine Verkürzung der Arbeitszeit auf 31,5 Stunden und Lohnverluste von bis zu 20 Prozent.
Prekäre Finanzlage und geplanter Stellenabbau
Der Sparkurs hat handfeste Gründe: ZF steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Im Geschäftsjahr 2025 fuhr der Konzern einen Nettoverlust von 2,147 Milliarden Euro ein. Im Vorjahr lag das Minus bereits bei 1,059 Milliarden Euro.
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Der Umsatz betrug 38,8 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT lag bei 1,748 Milliarden Euro – eine Rendite von 4,5 Prozent. Das Problem: Ein Schuldendienst von rund 10,2 Milliarden Euro lastet auf dem Unternehmen.
Hinzu kommen massive Stellenstreichungen. Bis 2028 sollen bis zu 14.000 Jobs in Deutschland wegfallen. Ende 2025 beschäftigte ZF weltweit 153.153 Menschen, rund 49.000 davon an deutschen Standorten.
Der Betriebsrat hält dagegen: Das Werk in Friedrichshafen habe 2025 nach inoffiziellen Berechnungen einen Gewinn von rund 220 Millionen Euro erwirtschaftet.
Verhärtete Fronten und Drohung mit Produktionsverlagerung
Die Tarifverhandlungen sind festgefahren. Der Arbeitgeber brach die Gespräche bereits gestern Abend ab. Der Betriebsrat kündigte Widerstand an – und blockiert als erste Maßnahme die Genehmigung von Mehrarbeit und Wochenendschichten.
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Die Unternehmensleitung reagierte mit einer deutlichen Warnung. Sollten die Kosten nicht sinken und die Produktion durch die Blockadehaltung beeinträchtigt werden, droht ZF damit, Aufträge verstärkt über Standorte in China abzuwickeln.
Ein Konzernsprecher betonte die Notwendigkeit, die Kostenstrukturen dringend anzupassen. Nur so lasse sich die langfristige Existenz der deutschen Standorte sichern. Eine zeitnahe Rückkehr an den Verhandlungstisch? Derzeit ungewiss.
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