Wohnungsbau-Krise: 206.600 Einheiten 2025 – niedrigster Stand seit 2012
11.06.2026 - 14:17:26 | boerse-global.de
Die Bundesregierung will damit die Wärmewende vorantreiben – doch Wirtschaftsverbände und Umweltschützer fordern Nachbesserungen. Im Zentrum der Kritik: mangelnde Preistransparenz, verfassungsrechtliche Risiken und eine drohende Bevorzugung fossiler Energieträger.
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BNW fordert standardisierten Kostenvergleich
Der Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft (BNW) verlangt mehr Klarheit für Immobilienbesitzer. Ohne verlässliche Preistransparenz gebe es keine echte Entscheidungsfreiheit bei der Wahl eines neuen Heizsystems, so der Verband. Seine Forderung: ein standardisierter Vollkostenvergleich, der die Ausgaben über 10, 15 und 20 Jahre abbildet.
Dabei müssten die Preisentwicklungen im europäischen Emissionshandel (ETS 2), die Anteile biogener Brennstoffe und Risiken durch stillgelegte Gasnetze berücksichtigt werden. Der BNW plädiert zudem dafür, die Förderung aus dem Programm „Bundesförderung für effiziente Gebäude“ (BEG) direkt an die CO2-Einnahmen zu koppeln. Falls die Klimaziele bis 2030 verfehlt werden oder biogene Brennstoffe knapp werden, fordert der Verband einen gesetzlichen Nachsteuerungsmechanismus.
Verfassungsrechtliche Bedenken und Klagedrohungen
Der Gesetzentwurf steht auch rechtlich unter Beschuss. Die Fraktion Die Linke prüft eine Klage. Aus Sicht der Partei handle es sich um einen klimapolitischen Rückschritt, der gegen das im Grundgesetz (Art. 20a) verankerte Verschlechterungsverbot verstoße. Auch CDU-Politiker äußerten verfassungsrechtliche Bedenken.
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisierte das GModG als Zugeständnis an die Gaslobby. Es gefährde die Dekarbonisierung und treibe die Gaspreise für Verbraucher in die Höhe. DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz nannte den Entwurf handwerklich schwach und kündigte ebenfalls rechtliche Schritte an. Aus Sicht der Umweltverbände sabotiert der aktuelle Entwurf die Energiewende im Gebäudesektor.
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Branche fordert Planungssicherheit
Auch die Heizungs- und Wohnungswirtschaft drängt auf Nachbesserungen. Auf einem Branchenkongress in Berlin betonte Claus Fest, Vorstand des Bundesverbandes Wärmepumpe (BWP), die Notwendigkeit von Anpassungen. Nur so lasse sich der Hochlauf klimafreundlicher Technologien sichern.
Der Handlungsdruck wird durch die aktuelle Lage am Bau untermauert. 2025 erreichte die Zahl fertiggestellter Wohnungen mit 206.600 Einheiten den niedrigsten Stand seit 2012 – ein Rückgang von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Bedarf liegt nach Branchenangaben bei jährlich 400.000 Wohnungen. Bauverbände wie ZDB und HDB fordern mehr Förderung und stabilere Rahmenbedingungen.
Der Bund hat unterdessen die KfW-Förderung für EH55-Neubauten neu gestartet – mit einem Volumen von 800 Millionen Euro. Das Programm sieht Kredite von bis zu 100.000 Euro pro Wohneinheit bei einem effektiven Jahreszins von 1,94 Prozent vor. Voraussetzung: Die Gebäude werden zu 100 Prozent mit erneuerbarer Wärme versorgt. Während die Wohnungswirtschaft Tempo bei der Bauvereinfachung fordert, warnen Verbände wie der GdW vor Experimenten bei der Vergesellschaftung von Wohnraum. Das schaffe keinen neuen Wohnraum, so die Kritik.
