Warnstreiks, Verdi

Warnstreiks 4./ 5. Juni: Ver.di fordert sieben Prozent Lohnplus

03.06.2026 - 18:30:33 | boerse-global.de

Bundesweite Arbeitsniederlegungen in Handel und Industrie. Ver.di und IG Metall erhöhen den Druck auf Arbeitgeber.

Warnstreiks 4./5. Juni: Ver.di fordert sieben Prozent Lohnplus - Bild: über boerse-global.de
Warnstreiks 4./5. Juni: Ver.di fordert sieben Prozent Lohnplus - Bild: über boerse-global.de

Für die erste Juniwoche sind großflächige Arbeitsniederlegungen angekündigt, die weite Teile des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft betreffen.

Ver.di ruft zu bundesweiten Warnstreiks auf

Der Handel steht im Zentrum der aktuellen Eskalation. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat für Donnerstag und Freitag, den 4. und 5. Juni, zu bundesweiten Warnstreiks im Einzel- und Großhandel aufgerufen. Große Kundgebungen sind in Berlin, Kiel, Erfurt, Bochum und Saarbrücken geplant.

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Die Gewerkschaft fordert sieben Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 225 Euro monatlich – bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber hatten zuletzt in Regionen wie Nordrhein-Westfalen und Hamburg ein Modell vorgelegt, das ab November 2026 eine Erhöhung um zwei Prozent und ab August 2027 weitere 1,5 Prozent vorsieht. Für die Gewerkschaft ist das inakzeptabel.

Bereits Mitte Mai hatten mehr als 5.000 Beschäftigte aus über 200 Filialen – darunter Edeka, Kaufland und H&M – die Arbeit niedergelegt. Der Handelsverband HDE gibt sich gelassen und rechnet nicht mit größeren Beeinträchtigungen für die Kunden. Die Gewerkschaft sieht das anders: Die Angebote der Arbeitgeber seien schlicht nicht ausreichend.

Besonders angespannt ist die Lage in Berlin und Brandenburg. Nachdem die erste Verhandlungsrunde am 1. Juni ohne Ergebnis blieb, lehnte ver.di ein Angebot ab, das zunächst sechs Monate ohne Erhöhung vorsah, gefolgt von zwei Prozent mehr. Die Friedenspflicht für Berlin ist bereits ausgelaufen, in Brandenburg gilt sie noch bis zum 30. Juni. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 23. Juni angesetzt.

Chemie und Stahl: Massive Arbeitsniederlegungen drohen

Auch in Österreich verschärft sich der Ton. Die siebte Verhandlungsrunde für rund 50.000 Beschäftigte in der Chemieindustrie scheiterte. Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA haben für die kommende Woche befristete Streiks von bis zu acht Stunden angekündigt. Die Arbeitgeber boten zuletzt eine Kombination aus 0,5 Prozent mehr Lohn und einer Einmalzahlung von 300 Euro. Die Gewerkschaften hatten ihre Forderung bereits von 3,5 auf drei Prozent gesenkt – ohne Erfolg.

Die Stahlindustrie bereitet derweil einen Großaktionstag für den 12. Juni vor. Die IG Metall und die Betriebsräte der Stahl-Holding-Saar (SHS) erwarten bis zu 10.000 Demonstranten in Völklingen. Parallel dazu ist eine Kundgebung mit rund 1.000 Teilnehmern in Berlin geplant – vom Brandenburger Tor zum Bundeswirtschaftsministerium. Im Zentrum stehen die explodierenden Energiekosten und geplante EU-Veränderungen bei CO2-Zertifikaten für die grüne Stahlproduktion.

Regionale Konflikte und Verkehrsprobleme

Bereits am 2. Juni kam es zu lokalen Arbeitsniederlegungen. In Grevenbroich-Wevelinghoven legten rund 60 Beschäftigte einer Intersnack-Fabrik die Arbeit nieder – nach gescheiterten Verhandlungen in der nordrhein-westfälischen Süßwarenindustrie. Zeitgleich streikten in der Uckermark die Mitarbeiter der ALBA Uckermark – der erste Streik in der Firmengeschichte. Gefordert werden höhere Löhne und verbesserte Urlaubsregelungen.

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In der Luftfahrt schlägt die Kabinengewerkschaft Ufo Alarm. Sie warnt vor Personalengpässen bei Lufthansa in den Sommermonaten. Grund sei die Schließung der Regionaltochter Cityline im April 2026, von der 800 Beschäftigte betroffen waren. Lufthansa betont, die Personaldecke sei mehr als ausreichend. Die Gewerkschaft kritisiert hingegen die jüngsten Aufrufe zu freiwilligen Mehrdiensten und mögliche Personalreduzierungen auf Langstreckenflügen.

Bei der Bahn gibt es einen Erfolg zu vermelden: Die EVG meldet einen erfolgreichen Abschluss bei Vossloh Rail Services nach einem Warnstreik. Allerdings fordert die Gewerkschaft nun die Doppelbesetzung von Zügen, nachdem am vergangenen Samstag in Sachsen ein Lokführer angegriffen worden war.

Generalstreik in Portugal – und neue rechtliche Maßstäbe

Ein eintägiger Generalstreik hat am 3. Juni ganz Portugal lahmgelegt. Die Proteste richteten sich gegen Arbeitsmarktreformen. Die Metro in Lissabon stand still, über die Hälfte der Flüge am Flughafen Lissabon wurden gestrichen. Auch der nationale Zug- und Busverkehr, Schulen und Krankenhäuser meldeten massive Einschränkungen.

In Deutschland haben mehrere Gerichtsurteile die arbeitsrechtliche Landschaft verändert. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) entschied bereits Anfang des Jahres: Wer Gehaltserhöhungen nur Mitarbeitern gewährt, die neue Verträge unterschreiben, verstößt gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz. Und das Arbeitsgericht Herne stärkte im Juni 2026 das Recht auf Entgelttransparenz – auch wenn Beschäftigte keinen individuellen Anspruch auf die genauen Bruttogehälter ihrer Kollegen haben.

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