VW-Konflikt eskaliert: Betriebsrat wirft Blume Informationsverweigerung vor
Veröffentlicht: 12.07.2026 um 19:19 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Nach einem verstrichenen Ultimatum am 10. Juli wirft der Betriebsrat Konzernchef Oliver Blume vor, die Belegschaft über massive Sparpläne im Unklaren zu lassen – während das Management längst informiert sei.
Eskalation nach verstrichenem Ultimatum
Die Arbeitnehmervertreter hatten gefordert, dass sich Blume bis zum 10. Juli umfassend zu den Sanierungsplänen äußert. Doch die Konzernspitze ließ die Frist verstreichen. Betriebsratschefin Daniela Cavallo spricht nun von einem erheblichen Vertrauensverlust.
Der Vorwurf wiegt schwer: Das Management sei bereits über konkrete Szenarien zu Werksschließungen und Stellenabbau informiert worden. Für die zehntausenden Beschäftigten herrsche dagegen weiter Ungewissheit. Der Betriebsrat kündigte an, den Konzernchef nach der Sommerpause direkt zur Rede zu stellen – in Betriebsversammlungen ab dem 10. August.
Bis zu 120.000 Stellen vor dem Aus?
Die kolportierten Pläne sehen Einschnitte in bisher nicht gekanntem Ausmaß vor. Medienberichten zufolge könnten weltweit zwischen 100.000 und 120.000 Stellen wegfallen. Das wäre eine deutliche Ausweitung der bereits beschlossenen Streichung von 50.000 Stellen bis 2030.
Noch brisanter: Bis zu vier deutsche Produktionsstandorte könnten geschlossen werden. Genannt werden Hannover, Emden, Zwickau, Neckarsulm und Osnabrück. Für Zwickau und Emden stehen Schließungstermine ab 2031 im Raum, Hannover wäre ab 2032 betroffen. Blume selbst äußerte sich nicht zu Details, betonte aber, nach intelligenteren Lösungen zu suchen – schloss Werksschließungen jedoch nicht explizit aus.
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Aufsichtsrat blockiert Sparkurs
Ein konkretes Sparpaket des Vorstands fand am 9. Juli keine Mehrheit im Aufsichtsrat. Das Kontrollgremium lehnte die Pläne mit 12 zu 7 Stimmen ab. Da die Arbeitnehmervertreter gemeinsam mit dem Land Niedersachsen die Mehrheit stellen, gilt ein einseitiges Durchsetzen der Werksschließungen als nahezu ausgeschlossen.
Auch von außen wächst der Druck. Niedersachsens Wirtschaftsminister Tonne kritisiert eine „Kommunikation der Angst“. Die IG Metall bezeichnet die Informationspolitik des Vorstands als „absolutes Desaster“. In der Belegschaft stößt zudem der Kontrast zur bisherigen Selbstdarstellung Blumes sauer auf – er hatte sich zu Beginn seiner Amtszeit betont nahbar und als „Kind der Region“ präsentiert.
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Gewinne eingebrochen, China-Absatz crasht
Die drastischen Sparpläne sind eine Reaktion auf die angespannte wirtschaftliche Lage. Der Gewinn des Konzerns ist von 22,6 Milliarden Euro (2024) auf zuletzt 8,9 Milliarden Euro (2026) geschrumpft. Die Absatzzahlen des zweiten Quartals 2026 belegen die Schwere der Krise: Weltweit sank der Absatz um neun Prozent auf 2,08 Millionen Fahrzeuge.
Besonders kritisch ist die Lage in China. Dort brach der Absatz um 33 Prozent auf rund 424.300 Fahrzeuge ein. Trotz einer Verbesserung der Fabrikkosten in Deutschland um etwa 20 Prozent im vergangenen Jahr sieht der Vorstand weiteren Handlungsbedarf.
Eine Klärung der Situation wird erst nach der Sommerpause erwartet. Die nächste reguläre Aufsichtsratssitzung ist für September terminiert.
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