Teilzeitquote: Jede zweite Frau arbeitet reduziert – Rekord 2025
28.05.2026 - 19:04:52 | boerse-global.deNeue Studien zeigen jedoch alarmierende Defizite bei Wertschätzung, Aufstiegschancen und Altersvorsorge, besonders für Frauen.
Studie belegt: Weniger Anerkennung, kaum Aufstieg
Eine am heutigen Donnerstag veröffentlichte Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung zeichnet ein ernüchterndes Bild der Arbeitsrealität von Teilzeitkräften. Das Working Paper Nr. 407 analysierte die Karrierechancen und Qualifikationsbedarfe von Frauen in Teilzeit – konkret am Beispiel der Steag Iqony Group.
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Die Ergebnisse sind deutlich: Teilzeitbeschäftigte Frauen erfahren demnach weniger Wertschätzung und berichten von einem geringeren Wohlbefinden als ihre Vollzeitkolleginnen. Ihre Aufstiegsmöglichkeiten sind systematisch eingeschränkt.
Um diese Barrieren abzubauen, empfehlen die Autoren gezielte Maßnahmen: Spezielles Coaching, Führungskräftetrainings und sogenannte „Schnupperpraktika" sollen den beruflichen Aufstieg fördern. Auch Jobsharing-Modelle und flexiblere, digitalisierte Weiterbildungsangebote stehen auf der Wunschliste – angepasst an die zeitlichen Möglichkeiten von Teilzeitkräften.
Rekordwert: Jede zweite Frau arbeitet reduziert
Die Studie folgt auf aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes vom gestrigen Mittwoch. Demnach lag die Teilzeitquote in Deutschland 2025 bei 31,9 Prozent – ein neuer Rekord. Die Zahlen offenbaren eine tiefe Kluft zwischen den Geschlechtern:
- Frauen: 50,6 Prozent arbeiten in Teilzeit – 2015 waren es noch 48 Prozent.
- Männer: Nur 14,3 Prozent gehen einer reduzierten Beschäftigung nach (2015: 10,6 Prozent).
- Eltern: Bei Müttern mit Kindern unter 18 Jahren liegt die Quote bei stolzen 66,4 Prozent. Bei Vätern sind es lediglich 8,6 Prozent.
Interessant: Teilzeitkräfte arbeiten heute mehr als früher. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit stieg auf 21,3 Stunden – ein Plus von zwei Stunden seit 2015. Vollzeitbeschäftigte arbeiten dagegen im Schnitt etwas weniger: 39,9 statt 40,5 Stunden pro Woche.
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Bildung entscheidet über Lebensarbeitszeit
Ergänzend dazu liefert eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) vom selben Tag aufschlussreiche Daten zur Lebensarbeitszeit. Demnach arbeiten Menschen in Deutschland im Schnitt 33,8 Jahre – 1,5 Jahre mehr als 1991.
Das Bildungsniveau spielt dabei eine entscheidende Rolle:
* Hochqualifizierte Männer: 40,6 Arbeitsjahre
* Geringqualifizierte Männer: 31,3 Jahre
* Hochqualifizierte Frauen: 31,9 Jahre
* Geringqualifizierte Frauen: Nur 17,9 Jahre
Die Schere klafft bei Frauen besonders weit auseinander – ein deutlicher Hinweis auf strukturelle Hürden.
Politischer Streit: Alarm oder Chance?
Die Rekordzahlen haben eine hitzige Debatte über die Zukunft des Sozialstaats und des Arbeitsmarktes entfacht. Gitta Connemann, Vorsitzende des CDU/CSU-Wirtschaftsflügels (MIT), schlug am Mittwoch Alarm. Sie warnt vor zunehmender Altersarmut und sinkenden Einnahmen für die Sozialkassen. Ihr Appell: Wer mehr arbeiten könne, solle dazu ermutigt werden – und zwar durch höhere Nettoeinkommen, die sich lohnen.
Auch Kanzler Merz hat sich in die Debatte eingeschaltet. Er kritisiert den Fokus auf die Work-Life-Balance und fordert eine Ausweitung der Gesamtarbeitszeit.
Ganz anders sieht es Yvonne Lott vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI). Sie bewertet den Trend zu längeren Teilzeitmodellen positiv: Er halte mehr Menschen im Arbeitsmarkt.
Doch konkrete Reformen – etwa beim Ehegattensplitting oder bei Krankenkassenregelungen – bleiben vorerst blockiert. Der Vorschlag des CDU-Wirtschaftsflügels, Teilzeitansprüche nur noch bei Pflege oder Kinderbetreuung zu gewähren, fand bislang keine breite politische Mehrheit.
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