Kündigungen, KI-Faktor

Kündigungen: KI-Faktor wächst von 1% (2021) auf 8% (2025)

28.05.2026 - 19:01:48 | boerse-global.de

Studie belegt: Lebensarbeitszeit steigt, doch KI und Wandel erhöhen Kündigungsraten. Teilzeit erreicht Höchststand.

Tempest Therapeutics Shares Plunge Following Equity Offering Announcement - Foto: über boerse-global.de
Tempest Therapeutics Shares Plunge Following Equity Offering Announcement - Foto: über boerse-global.de

Die deutsche Arbeitswelt verändert sich rasant. Während gut ausgebildete Fachkräfte immer länger im Berufsleben stehen, treiben künstliche Intelligenz und der industrielle Wandel die Kündigungsraten in die Höhe. Gleichzeitig erreicht die Teilzeitbeschäftigung ein Rekordniveau.

Bildungsniveau bestimmt Karrieredauer

Eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) und des Max-Planck-Instituts zeigt: Der Bildungsabschluss entscheidet maßgeblich über die Länge des Berufslebens. Männer mit hohem Bildungsniveau kommen auf durchschnittlich 40,6 Arbeitsjahre – bei gering Qualifizierten sind es nur 31,3 Jahre.

Noch deutlicher fällt der Unterschied bei Frauen aus. Akademikerinnen arbeiten im Schnitt 31,9 Jahre, Frauen mit niedriger Bildung hingegen lediglich 17,9 Jahre. Insgesamt stieg die durchschnittliche Lebensarbeitszeit in Deutschland 2025 auf 33,8 Jahre – 1991 lag sie noch bei 32,1 Jahren.

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Fast jeder dritte Job endet vorzeitig

Der HR WORKS Kündigungsreport 2026 liefert alarmierende Zahlen: Von über 6.000 befragten Beschäftigten gab fast jeder Dritte an, bereits eine Trennung vom Arbeitgeber erlebt zu haben. 16 Prozent kündigten selbst, 14 Prozent wurden entlassen.

Die Hauptursache für Kündigungen sind mit 38 Prozent betriebsbedingte Gründe. Besonders auffällig: Die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz als Kündigungsfaktor wächst rasant. Lag der Anteil 2021 noch bei einem Prozent, stieg er bis 2025 auf acht Prozent. Eine Umfrage von Mercer unter rund 1.000 Vorstandsvorsitzenden untermauert diesen Trend: 99 Prozent der CEOs erwarten KI-bedingte Entlassungen in den nächsten zwei Jahren.

Besonders betroffen ist die Beratungsbranche mit einer Kündigungsrate von 34 Prozent, gefolgt von Energie- und Immobilienwirtschaft mit je 30 Prozent. Auch international macht sich der Wandel bemerkbar: Der Softwarekonzern Atlassian strich im März 2026 rund zehn Prozent seiner Belegschaft – 1.600 Stellen fielen der KI-Entwicklung zum Opfer.

Teilzeit auf Rekordniveau, Industrie schrumpft

Die Teilzeitquote erreichte 2025 mit 31,9 Prozent einen historischen Höchststand. Während 50,6 Prozent der Frauen in Teilzeit arbeiten, sind es bei den Männern nur 14,3 Prozent. Besonders eklatant ist der Unterschied bei Eltern: 66,4 Prozent der Mütter mit Kindern unter 18 Jahren arbeiten reduziert, aber nur 8,6 Prozent der Väter. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit in Teilzeit stieg auf 21,3 Stunden, während Vollzeitkräfte mit 39,9 Stunden leicht weniger arbeiten.

Die Industrie steckt in der Krise. Der EY-Industriebarometer meldet einen Rückgang von 127.300 Stellen im ersten Quartal 2026 – ein Minus von 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allein die Automobilindustrie verlor in den letzten zwölf Monaten 32.000 Arbeitsplätze. Der Ifo-Beschäftigungsbarometer liegt im Mai bei 93,9 Punkten. Zwar eine leichte Erholung gegenüber April (91,4 Punkte), doch immer noch planen mehr Unternehmen Stellenabbau als Neueinstellungen.

Bundesarbeitsgericht stärkt Arbeitnehmerrechte

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat die Spielregeln für Arbeitsverträge neu justiert. In einem Urteil vom Januar 2026 (Az. 5 AS 4/25), das Ende Mai erneut für Aufsehen sorgte, schränkte das Gericht die Vertragsfreiheit beim Annahmeverzugslohn ein. Der vollständige vertragliche Ausschluss dieser Zahlungen bei unwirksamen Kündigungen ist demnach unwirksam. Auch Rechtswahlklauseln, etwa der Versuch, US-amerikanisches Recht zur Umgehung deutscher Arbeitnehmerschutzregelungen anzuwenden, wurden für unzulässig erklärt.

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Führungswechsel bei Stepstone

Die Stepstone Group gab einen Wechsel an der Spitze bekannt. Dr. Sebastian Dettmers verlässt das Unternehmen nach 15 Jahren als Vorstandsvorsitzender. Sein Nachfolger wird Christian Schmalzl, bisher Co-CEO von Ströer. Der Wechsel erfolgt zum 1. September 2026.

Frankreich verkürzt Bezugsdauer von Arbeitslosengeld

Auch international tut sich etwas: Die französische Nationalversammlung stimmte Ende Mai für eine Reform, die die maximale Bezugsdauer von Arbeitslosengeld nach Aufhebungsverträgen verkürzt. Für unter 55-Jährige sinkt die Dauer von 18 auf 15 Monate. Die Änderung soll im September 2026 in Kraft treten.

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