Tarifkonflikt eskaliert: Streiks in Österreich, Portugal und Deutschland
03.06.2026 - 14:30:41 | boerse-global.de
Die Gewerkschaften fordern höhere Löhne und Schutz vor Werksschließungen, während Arbeitgeber auf sinkende Wettbewerbsfähigkeit verweisen.
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Österreich: Chemie-Tarifrunde geplatzt
Die Verhandlungen für rund 50.000 Beschäftigte in der österreichischen Chemieindustrie sind vorerst gescheitert. Nach 14-stündigen Gesprächen wurde die siebte Verhandlungsrunde ohne Ergebnis abgebrochen. Die neuen Tarife sollten eigentlich ab dem 1. Mai gelten.
Die Arbeitgeber legten zwei Angebote vor: entweder 0,5 Prozent mehr Lohn plus eine Einmalzahlung von 300 Euro – oder eine Erhöhung um 2 Prozent ab Oktober 2026 bis April 2028. Das entspricht einem durchschnittlichen Jahresplus von gerade einmal 0,79 Prozent. Zur Begründung verwiesen die Unternehmensvertreter auf den Verlust von 600 Arbeitsplätzen im Schlussquartal 2025 und eine sinkende Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Deutschland.
Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA hatten ihre Forderung bereits von 3,5 auf 3 Prozent gesenkt – vergeblich. Nun drohen sie mit ausgeweiteten Streiks ab nächster Woche. Die geplanten Arbeitsniederlegungen könnten bis zu acht Stunden dauern. Zuvor hatte es bereits zweistündige Warnstreiks gegeben – unter anderem bei Boehringer Ingelheim, Octapharma, im Chemiepark Linz und im Lenzing-Werk in Oberösterreich.
Portugal: Generalstreik legt Land lahm
Am 3. Juni 2026 stand Portugal still. Der vom Gewerkschaftsbund CGTP ausgerufene Generalstreik traf das Land mit voller Wucht. Schulen blieben geschlossen, der Zugverkehr wurde weitgehend eingestellt. Die nationale Fluggesellschaft TAP konnte nur 79 von über 300 geplanten Flügen durchführen.
Hintergrund sind geplante Arbeitsmarktreformen der Mitte-Rechts-Minderheitsregierung. Mehr als 100 Artikel des Arbeitsgesetzbuches sollen geändert werden. Die Gewerkschaften befürchten eine massive Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Es ist bereits der zweite landesweite Ausstand innerhalb von sechs Monaten.
Deutschland: Einzelhandel und Süßwarenindustrie im Konflikt
Auch in Deutschland stocken die Tarifverhandlungen. Für den Einzelhandel in Berlin und Brandenburg begannen die Gespräche am 1. Juni 2026 – ohne Einigung. Rund 139.700 Beschäftigte in Berlin und 80.000 in Brandenburg sind betroffen. Die Arbeitgeber boten zunächst sechs Monate Nullrunde, dann 2,0 Prozent plus nach weiteren drei Monaten 1,5 Prozent.
Die Gewerkschaft Verdi lehnte ab und kündigte Streiks an. Gefordert werden 7 Prozent mehr Lohn, mindestens 222 Euro monatlich sowie 150 Euro mehr für Azubis. Während die Friedenspflicht in Berlin bereits abgelaufen ist, gilt sie in Brandenburg noch bis zum 30. Juni. Nächster Verhandlungstermin: der 23. Juni.
Parallel dazu wurde in der Süßwarenindustrie gestreikt. Rund 60 Beschäftigte des Intersnack-Werks in Grevenbroich-Wevelinghoven legten am 2. Juni die Arbeit nieder. Auch hier war die zweite Verhandlungsrunde für die Süßwarenindustrie in Nordrhein-Westfalen gescheitert.
USA: Zulieferer-Streik bedroht GM-Produktion
In den USA setzt sich der Arbeitskampf bei Dauch Corp fort. Der Achsen-Hersteller ist ein wichtiger Zulieferer für General Motors. Rund 1.000 Beschäftigte traten am 1. Juni in Three Rivers, Michigan, in den Ausstand. Sie fordern höhere Löhne, bessere Krankenversicherung und eine ausgewogenere Work-Life-Balance.
Die Gewerkschaft UAW will den Spitzenstundenlohn von umgerechnet rund 20 Euro auf über 27 Euro anheben. Neue Verhandlungen gab es seit Streikbeginn nicht. GM produzierte zunächst weiter – Analysten zufolge reichen die Achsen-Lagerbestände aber nur für etwa zwei Wochen.
Werksschließungen: Sozialtarife statt Lohnplus
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Nicht immer geht es nur ums Geld. In Mannheim traten über 75 Beschäftigte des DS-Smith-Werks in den Streik – für einen Sozialtarifvertrag nach der angekündigten Schließung. Auch im regionalen Einzelhandel bei Kaufland, H&M und IKEA gab es ähnliche Aktionen.
In Neustadt an der Donau beendete die IG Metall den Streik beim Mahle-Werk nach einer Einigung. Der Sozialtarifvertrag regelt Abfindungen – das Werk wird geschlossen. Und in Augsburg stellt die Augsburger Druck- und Verlagshaus (ADV) den Betrieb bis Ende August 2026 ein. Nach der Insolvenz Ende Mai und einer gescheiterten Investorensuche wurde ein Sozialplan für die rund 100 Beschäftigten vereinbart.
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