Tarifkonflikt, Handel

Tarifkonflikt Handel: ver.di fordert 7 Prozent für 53.000 Beschäftigte

03.06.2026 - 14:18:59 | boerse-global.de

Die Gewerkschaft erhöht den Druck auf Arbeitgeber durch ausgeweitete Arbeitsniederlegungen in kritischen Versorgungszentren.

Tarifkonflikt Handel: ver.di fordert 7 Prozent für 53.000 Beschäftigte - Bild: über boerse-global.de
Tarifkonflikt Handel: ver.di fordert 7 Prozent für 53.000 Beschäftigte - Bild: über boerse-global.de

di hat die Arbeitsniederlegungen im Groß- und Außenhandel in Berlin und Brandenburg massiv ausgeweitet. Seit dem 3. Juni 2023 läuft die zweite Welle der Warnstreiks – und der Druck auf die Arbeitgeber wächst.

Warum gestreikt wird

Im Zentrum des Konflikts steht die fehlende Bereitschaft der Arbeitgeber, ein konkretes Lohnangebot vorzulegen. Nachdem die erste Verhandlungsrunde ergebnislos blieb, zieht ver.di nun die Eskalationsschraube an. Betroffen sind mehr als 53.000 Beschäftigte in der gesamten Region.

Anzeige

Wenn tarifliche Auseinandersetzungen eskalieren, wird eine starke Mitbestimmung im eigenen Betrieb für Arbeitnehmer umso wichtiger. Dieser kostenlose PDF-Ratgeber führt Sie Schritt für Schritt durch eine rechtssichere Betriebsratsgründung inklusive aller notwendigen Vorlagen und Checklisten. Betriebsrat gründen leicht gemacht: Mit 9 Vorlagen und Checklisten auf der sicheren Seite

Die Gewerkschaft fordert sieben Prozent mehr Monatslohn, mindestens jedoch 220 Euro zusätzlich. Für Auszubildende verlangt ver.di eine Aufstockung um 200 Euro pro Monat. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags soll zwölf Monate betragen.

Besonders brisant: Die Streiks treffen gezielt kritische Versorgungsknotenpunkte. Lebensmittelverteilzentren und Pharmagroßhändler stehen im Fokus der Arbeitsniederlegungen. Wer hier die Arbeit niederlegt, spürt das schnell in der gesamten Lieferkette.

Erste Erfolge und nächste Schritte

Bereits am 15. Mai 2023 hatten Beschäftigte bei Metro, Edeka, Rewe in Oranienburg und Penny in Großbeeren die Arbeit niedergelegt. Auch die Pharmazulieferer Alliance Healthcare, Phoenix und Sanacorp waren damals betroffen. Nun folgt die zweite Runde – mit noch mehr Nachdruck.

Parallelkonflikt im Einzelhandel

Doch der Großhandel ist nicht der einzige Brennpunkt. Zeitgleich eskaliert der Tarifkonflikt im regionalen Einzelhandel. Rund 139.700 Beschäftigte in Berlin und 80.000 in Brandenburg warten auf ein akzeptables Angebot. Die erste Verhandlungsrunde am 1. Juni 2023 scheiterte.

Was die Arbeitgeber vorlegten, empfindet die Gewerkschaft als Provokation: sechs Monate ohne jede Erhöhung, danach zwei Prozent und später weitere 1,5 Prozent. ver.di lehnte das Angebot am 2. Juni ab. Die Forderungen: sieben Prozent mehr Lohn (mindestens 222 Euro), ein Mindeststundenlohn von 14,90 Euro und 150 Euro mehr für Azubis.

Während die Friedenspflicht für Berliner Einzelhandelsbeschäftigte bereits abgelaufen ist, gilt sie in Brandenburg noch bis zum 30. Juni 2023. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 23. Juni angesetzt.

Breite Streikwelle erfasst die Region

Die Arbeitsniederlegungen im Handel sind Teil einer größeren Protestwelle in Berlin und Brandenburg:

  • Abfallwirtschaft: Bei der ALBA konnte am 2. Juni eine Einigung erzielt werden. Nach einem fünftägigen Streik erhalten die Beschäftigten rückwirkend zum 1. Mai drei Prozent mehr Lohn, gefolgt von 2,5 Prozent Anfang 2027. Bei der ALBA Uckermark gab es am selben Tag den ersten Streik der Unternehmensgeschichte – gefordert werden höhere Monatslöhne und bessere Urlaubsregelungen.

  • Gesundheitswesen: Klinikmitarbeiter in der Lausitz protestieren gegen die Sparpolitik des Bundes. Am 2. Juni fanden Aktionen an den Sana Kliniken Senftenberg und der GLG Eberswalde statt, am 3. Juni folgte das Achenbach-Krankenhaus in Königs Wusterhausen. Höhepunkt soll eine Großdemonstration am Brandenburger Tor in Berlin am 11. Juni werden.

  • Bundespolitische Dimension: Die Gewerkschaftsführung hat bereits „rote Linien" bei möglichen Sozialreformen gezogen. Sollte die Politik etwa das Renteneintrittsalter oder das Streikrecht antasten, drohen flächendeckende Proteste. Am 10. Juni stehen hochrangige politische Gespräche an.

Stimmung in der Wirtschaft angespannt

Die Unruhe auf dem Arbeitsmarkt hinterlässt Spuren. Laut einem Bericht der Industrie- und Handelskammer (IHK) vom 2. Juni kämpfen Berliner Unternehmen derzeit mit zahlreichen Risiken – von Handelshemmnissen bis hin zu einem Reformstau, der Investitionspläne und die gesamte Geschäftsstimmung belastet.

Ob die Arbeitgeber im Großhandel nun einlenken, wird sich zeigen. Klar ist: Der Druck auf den Verhandlungstischen wächst mit jedem Streiktag.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | wirtschaft | 69477001 |