Sorgfaltspflichten-Gesetz, Fairtrade

Sorgfaltspflichten-Gesetz: Fairtrade fordert faire Preise und Kostenschutz

Veröffentlicht: 13.07.2026 um 17:24 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Fairtrade Max Havelaar fordert Nachbesserungen am NUFG, um faire Preise und Kostenschutz für Kleinbauern zu gewährleisten.

Fairtrade kritisiert Lücken im neuen Schweizer Sorgfaltspflichtengesetz
Hände tauschen einen Korb mit landwirtschaftlichen Produkten vor dem Hintergrund einer globalen Lieferkette aus. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Jetzt fordern Organisationen wie Fairtrade Max Havelaar deutliche Nachbesserungen.

Der Bundesrat hatte den Vorentwurf des NUFG Anfang April 2026 veröffentlicht. Die offizielle Vernehmlassungsfrist endete am 9. Juli. Fairtrade Max Havelaar sieht dabei zentrale Defizite: Explizite Bestimmungen zu fairen Einkaufspreisen und existenzsichernden Einkommen für Kleinbauern und Arbeiter im Globalen Süden fehlen demnach komplett.

Kostenfalle für Kooperativen

Ein wesentliches Risiko der neuen Gesetzgebung liegt in der sogenannten Pflichtüberwälzung. Branchenbeobachter warnen: Unternehmen könnten die Kosten für Sorgfaltsprüfungen einseitig an ihre Zulieferer weitergeben. Laut Fairtrade Max Havelaar belaufen sich die Anlaufkosten für Kooperativen im ersten Jahr auf mindestens 20.000 US-Dollar.

Die Organisation fordert daher ein explizites Verbot dieser Kostenüberwälzung und eine wirksame Haftungsnorm. Zusätzlich verlangt sie eine Klimapflicht für Unternehmen und den Grundsatz „Verbesserung vor Rückzug“. Das soll verhindern, dass sich Schweizer Firmen aus Hochrisikogebieten zurückziehen, anstatt die Zustände vor Ort zu verbessern.

Preise fallen dramatisch

Die Diskussion um faire Preise bekommt durch aktuelle Marktdaten zusätzliche Brisanz. Im Mai 2026 sanken die Erzeugerpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 13,9 Prozent. Bereits im April (-12,3 %) und März (-8,8 %) waren deutliche Rückgänge verzeichnet worden.

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Besonders hart traf es Speisekartoffeln (-53,5 %) und Milch (-25,3 %). Auch Schlachtschweine (-19,5 %) und Obst (-22,5 %) verbuchten massive Einbußen. Dieser Abwärtstrend verschärft die wirtschaftliche Situation der Erzeuger und untermauert die Forderungen nach regulatorischen Mindeststandards für die Preisgestaltung.

Digitalisierung als Antwort

Der Markt reagiert parallel auf die steigenden Compliance-Anforderungen. Seit dem 13. Juli arbeiten die Unternehmen Loady aus Mannheim und Cargoclix aus Freiburg zusammen. Sie verknüpfen Logistikdaten direkt mit operativen Prozessen wie Zeitfenstermanagement und Transportplanung. Ziel ist eine effizientere digitale Abbildung der Lieferketten.

Auch die Fachliteratur greift das Thema auf. Ein Mitte Juli erschienenes Buch von Carsten Deckert und Jörg Niemann befasst sich mit nachhaltigen Lieferketten aus Einkaufsperspektive. Eine für den 19. Juli angekündigte Publikation stellt Methoden zur Quantifizierung von Menschenrechts- und Umweltrisiken vor – konform mit dem deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz und der europäischen CSDDD-Richtlinie.

Neue Regeln auch für KI

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Die Compliance-Anforderungen nehmen insgesamt zu. Ab dem 2. August treten weitere Vorschriften des EU AI Act in Kraft. Laut Marktexperten werden sie zunehmend Einfluss auf Unternehmensbewertungen und M&A-Transaktionen haben. Fehlende Dokumentationen zu KI-Systemen könnten zu Bußgeldern von bis zu 15 Millionen Euro oder drei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes führen.

In der Schweiz steht zudem ein neues Transparenzgesetz bevor. Bei Verstößen drohen Bußen von bis zu 500.000 Schweizer Franken. Auch Anpassungen im Baurecht – etwa eine 60-tägige Rügefrist bei Baumängeln – sind Teil des umfangreichen Pakets an Gesetzesänderungen für das laufende Jahr.

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