Fluggastrechte-Reform: Entschädigungen schneller ab Mitte 2027
Veröffentlicht: 13.07.2026 um 17:43 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Ab Mitte 2027 sollen Entschädigungen schneller fließen, Zusatzgebühren fallen weg und die Rechte der Passagiere werden gestärkt.
Schnellere Verfahren, klare Fristen
Fluggesellschaften müssen künftig innerhalb von 96 Stunden nach der Ankunft eines verspäteten Flugs ihre Passagiere aktiv über deren Rechte informieren. Reisende haben dann neun Monate Zeit, um Ansprüche geltend zu machen. Die Airlines wiederum müssen berechtigte Forderungen innerhalb von 30 Tagen auszahlen – oder eine begründete Ablehnung liefern.
Die Entschädigungssummen bleiben gleich: 250 Euro bei Flügen bis 1.500 Kilometer, 400 Euro bis 3.500 Kilometer und 600 Euro bei längeren Strecken. Voraussetzung ist weiterhin, dass die Verspätung von mehr als drei Stunden oder die Annullierung im Verschulden der Airline liegt. Bei Annullierungen müssen Airlines künftig auch Vermittlungsgebühren vollständig erstatten.
Schluss mit versteckten Kosten
Ab Mitte 2027 sind viele Zusatzgebühren Geschichte. Kinder unter 14 Jahren, Schwangere und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen müssen kostenlos neben einer Begleitperson sitzen. Auch die Korrektur von Schreibfehlern auf Tickets und das Ausdrucken des Boardingpasses am Flughafen werden gebührenfrei.
Die EU zwingt Fluganbieter zudem zur Preistransparenz: Der Ticketpreis muss standardmäßig inklusive Handgepäck angezeigt werden. Die umstrittene No-Show-Klausel wird eingeschränkt – wer den Hinflug verpasst, darf den Rückflug ohne Extra-Gebühr antreten. Und wer in eine niedrigere Klasse gestuft wird, bekommt automatisch innerhalb von 14 Tagen eine Teilrückerstattung.
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Bessere Hilfe bei Störungen
Bei massiven Flugplanstörungen muss die Airline innerhalb von drei Stunden eine alternative Beförderung anbieten – notfalls auch per Bahn. Klappt das nicht, dürfen Passagiere selbst organisieren. Die Kosten erstattet die Airline bis zum Vierfachen des ursprünglichen Ticketpreises.
Die Betreuungsleistungen wurden konkretisiert: Ab zwei Stunden Verspätung gibt es Erfrischungen, nach drei Stunden eine Mahlzeit sowie Telefon- oder Internetzugang. Bei notwendigen Übernachtungen bleibt die Airline zur Hotelbuchung verpflichtet. Die Regeln gelten für alle Abflüge von EU-Flughäfen. Bei Landungen in der EU sind nur Airlines mit Sitz in der Union betroffen.
Steigende Ticketpreise als Hintergrund
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Die Reform kommt zu einer Zeit deutlich gestiegener Reisekosten. Flugtickets verteuerten sich im ersten Halbjahr 2026 um durchschnittlich 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Besonders stark stiegen die Preise für Flüge nach Mittelamerika (plus 12,5 Prozent) und ins europäische Ausland (plus 11,5 Prozent).
Experten führen das auf höhere Kerosinpreise, knappe Kapazitäten und steigende Gebühren zurück. Eine leichte Entlastung könnte die für das zweite Halbjahr 2026 geplante Senkung der Luftverkehrsteuer bringen. Pauschalreisen ins Ausland verteuerten sich mit rund 3 Prozent moderater, Inlandsreisen um 2,8 Prozent. Einzig Flüge nach Afrika wurden günstiger.
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