Sonntagsarbeit, Bäckereien

Sonntagsarbeit: Bäckereien dürfen ab 2027 bis zu acht Stunden öffnen

06.07.2026 - 16:21:35 | boerse-global.de

Bundesregierung plant längere Sonntagsarbeit für Bäckereien und Bibliotheken. Gewerkschaften kritisieren, Wirtschaft lobt die Reform.

Sonntagsarbeit: Neue Regeln für Bäckereien und Bibliotheken ab 2027
Sonntagsarbeit - Ein frisches Brot auf einer Theke, im Hintergrund unscharf eine moderne Bibliothek mit Menschen, die Bücher lesen. 06.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ab 2027 sollen Bäckereien und öffentliche Bibliotheken ihr Personal deutlich länger einsetzen dürfen. Das sieht ein 34-Punkte-Paket vor, auf das sich der Koalitionsausschuss am 1. Juli verständigte.

Acht Stunden Arbeit am Sonntag für Bäcker

Im Zentrum steht die Änderung von Paragraf 10 im Arbeitszeitgesetz. Bisher gilt für Bäckereien und Konditoreien an Sonntagen eine Höchstarbeitszeit von drei Stunden. Künftig sollen es bis zu acht Stunden sein.

Allerdings bleibt die Sache kompliziert. Die Reform betrifft nur das Arbeitszeitrecht auf Bundesebene. Die Ladenöffnungszeiten regeln weiterhin die Länder. In Nordrhein-Westfalen durften Bäckereien sonntags schon bisher bis zu fünf Stunden öffnen, in Bayern sind es drei. Das Arbeitsministerium in Baden-Württemberg betont jedoch: Die bundesgesetzlichen Änderungen entfalten in allen Ländern unmittelbare Wirkung.

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Bibliotheken: Sechs Stunden am Sonntag

Auch öffentliche Bibliotheken profitieren von der Reform. Bislang war eine Sonntagsöffnung für sie rechtlich kaum möglich. Ab Januar 2027 dürfen sie ihr Personal bis zu sechs Stunden einsetzen. Die Politik reagiert damit auf langjährige Forderungen nach Gleichstellung mit anderen Kultureinrichtungen.

Der Deutsche Bibliotheksverband begrüßt die Lockerung grundsätzlich, kritisiert aber eine verbleibende Ungleichbehandlung. Museen und Sportstätten haben keine starren Zeitgrenzen für die Sonntagsarbeit. Die Beschränkung auf sechs Stunden sei ein Hindernis für vollumfängliche kulturelle Teilhabe.

Lob und Kritik aus Wirtschaft und Gewerkschaften

Die Reaktionen fallen gespalten aus. Handwerkspräsident Jörg Dittrich lobt den Vorstoß als notwendigen Modernisierungsschritt. Auch Stefan Genth vom Handelsverband Deutschland (HDE) begrüßt die Tendenz, fordert aber eine vollständige Freigabe der Sonntagsöffnungszeiten.

Kritik kommt vom Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks. Die Reform beziehe sich auf die Herstellungszeit, nicht konsequent auf die Verkaufszeiten. Für Verbraucher könnte sich faktisch wenig ändern. Zudem belaste die geplante Erhöhung der Pauschalsteuer für Minijobs von zwei auf fünf Prozent die Personalkosten zusätzlich.

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Die Gewerkschaft Verdi warnt vor zunehmenden gesundheitlichen Belastungen für Beschäftigte durch längere Wochenendarbeit.

Bevor die Neuregelungen zum Jahreswechsel 2027 wirksam werden, müssen Bundestag und Bundesrat noch zustimmen.

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